• aktualisiert:

    Würzburg

    Würzburger Bahn-Lärmschutz wird erst nach 2022 fertig

    Keine gute Nachricht für lärmgeplagte Anwohner: Das Projekt Schallschutzwände entlang der Bahn wird später fertig als ursprünglich geplant. Was die Stadt dazu ankündigt.
    Ein Bauwerk mit Lücken: Die Lärmschutzwände der Bahn am Stadtring Süd, wo auf der Seite zum Ring beziehungsweise zum Frauenland noch Wände auf langer Strecke fehlen.
    Ein Bauwerk mit Lücken: Die Lärmschutzwände der Bahn am Stadtring Süd, wo auf der Seite zum Ring beziehungsweise zum Frauenland noch Wände auf langer Strecke fehlen.
    Foto: Thomas Obermeier

    Zuglärm ist eine lästige Angelegenheit – vor allem, wenn man in der Nähe einer Bahnlinie wohnt, wie zahlreiche Würzburger an den Strecken Würzburg-Treuchtlingen und Würzburg-Lauda, die entlang des Stadtrings Süd und durch Heidingsfeld führen. Im Herbst 2015 startete deshalb die Bahn den Bau von drei Meter hohen Schallschutzwänden. Auf 8,8 Kilometern sollen dadurch 2200 Wohnungen vom Zuglärm entlastet werden. Ursprünglich sollte das 16 Millionen Euro teure Projekt bis Ende September weitgehend abgeschlossen sein. Es stehen auch schon etliche Wände, doch mit einer kompletten Fertigstellung ist nach Auskunft der Bahn erst nach 2022 zu rechnen.

    Die größte Lücke ist am Stadtring in Richtung Frauenland sichtbar. Doch auch in Heidingsfeld gibt es noch "freie" Stellen. Zum aktuellen Sachstand fragte die Redaktion bei der Deutschen Bahn nach. Nach Aussage eines Bahnsprechers stehen die Wände in Heidingsfeld größtenteils – "bis auf einzelne kleinere Lücken". Insbesondere am Stadtring Süd aber fehlten noch größere Lärmschutz-Abschnitte.

    Problematischer Baugrund sorgte für Umplanungen

    Diese Gründe nennt die Bahn für die Verzögerung der Arbeiten: Der Baugrund habe sich in einigen Bereichen als so problematisch herausgestellt, dass Umplanungen und abweichende Bauverfahren notwendig wurden. Eine Fertigstellung während der bislang verfügbaren Gleissperrungen sei deshalb nicht mehr möglich gewesen. Der größte Teil der Arbeiten kann nur vom Gleis aus erfolgen, wozu sogenannte Sperrpausen nötig sind, also Zeiten ohne Zugverkehr. Diese Sperrpausen erfordern eine lange Planungszeit. Für den Bau der Lärmschutzwände am Stadtring Süd müssen Gleise der Linien Würzburg-Treuchtlingen und Würzburg-Lauda gesperrt werden.

    Wie ein Bahnsprecher erklärt, hätten zudem angemeldete Sperrpausen teils nicht zur Verfügung gestanden, weil es auf der Verbindung Aschaffenburg-Würzburg-Nürnberg Betriebsstörungen gab und Züge dann auch über Würzburg nach Ansbach geleitet werden mussten. "Wir wollen das Projekt Lärmschutz fertigstellen", betont der Sprecher, aber der Bahnbetrieb gehe prinzipiell vor.  

    Längere Gleissperrungen erst wieder ab 2022

    Fehlende Sperrpausen sorgten schon mehrmals für Unterbrechungen beim Lärmschutzbau. Und die nächsten Gleissperrungen lassen lange auf sich warten. "Die Komplexität des Systems Bahn gerade im Knoten Würzburg zeigt sich auch darin, dass längere Sperrpausen zur Fertigstellung der Lärmschutzwände erst wieder ab 2022 zur Verfügung stehen", heißt es in der Mitteilung der Bahn. 

    Dennoch soll schon da vorher weitergearbeitetet werden, wo dies ohne Gleissperrungen möglich ist. Im Januar gebe es zudem vier nächtliche Sperrpausen, was aber der Prognose der Bahn nichts ändert: "Eine Fertigstellung der Arbeiten ist erst nach 2022 möglich." 

    Grün-Weiß sind Lärmschutzwände der Bundesbahn an der Bahnstrecke Würzburg-Treuchtlingen am Stadtring Süd.
    Grün-Weiß sind Lärmschutzwände der Bundesbahn an der Bahnstrecke Würzburg-Treuchtlingen am Stadtring Süd.
    Foto: Thomas Obermeier

    Und noch eine Information: Im Bereich von Brücken, Unterführungen oder dort, wo Leitungen die Bahnlinie queren, können die Schutzwände nicht "normal" errichtet werden. Weil dort nicht einfach Pfosten im Boden gegründet werden können, sind gesonderte Lösungen – zum Beispiel mit Balken oder breiteren Brückenkappen – notwendig. Für solche Bauwerke laufen gesonderte Genehmigungsverfahren, der Lärmschutz erfolgt erst später. Das betrifft vor allem die beiden Bahn-Brücken über die Mergentheimer Straße und die Eisenbahnstraße, die komplett erneuert werden sollen. Schutzwände will man erst an den neuen Brücken anbringen. Wann diese kommen, ist nicht bekannt. 

    Anwohner verärgert, Stadt kündigt Gespräche an

    Die Situation mit dem Lärmschutz sorgt bei betroffenen Bürger für Ärger, die sich auch an die Redaktion wandten. So beklagt eine Anwohnerin aus Heidingsfeld vor allem, dass man von der Bahn keine Informationen erhalte, wann die Bauarbeiten weitergehen: "Das Ganze entwickelt sich mittlerweile zu einer Never-Ending-Story."

    "Die Leute wollen wissen, wie und wann es weitergeht", sagt CSU-Stadtrat Emanuele La Rosa. Mit seinem Fraktionskollegen Kurt Schubert hat er deshalb einen "Runden Tisch" mit Verantwortlichen der Bahn und der Rathausverwaltung beantragt. Die Verwaltung prüft derzeit den Antrag. 

    Und was sagt die Stadt zu der Angelegenheit? Man stehe im Austausch mit der Deutschen Bahn und dringe auf eine baldige Umsetzung der Lärmschutzmaßnahmen, die eine freiwillige Maßnahme der Bahn sind, heißt es auf Anfrage der Redaktion. Die Stadt habe bei der Errichtung der Schutzwände keine unmittelbaren Befugnisse, Zuständigkeiten oder Aufgaben. Zu noch offenen Fragen bei der Umsetzung werde ein interner Gesprächstermin organisiert und ein Vertreter der Bahn soll voraussichtlich im Winter in den zuständigen Stadtratsausschuss eingeladen werden, kündigt das Rathaus an.

    Noch nicht ganz fertig: Arbeiten am Lärmschutz der Bundesbahn in Heidingsfeld, wo schon Sprayer die Schutzwände als Betätigungsfeld entdeckt haben. 
    Noch nicht ganz fertig: Arbeiten am Lärmschutz der Bundesbahn in Heidingsfeld, wo schon Sprayer die Schutzwände als Betätigungsfeld entdeckt haben. 
    Foto: Thomas Obermeier
    Drei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Würzburg-Newsletter!

    Kommentare (1)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!