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    Würzburg

    Würzburger CSU: Abschied vom Politik-Duo Stamm und Jörg

    Oliver Jörg gratuliert der neuen Ehren-Vorsitzenden der Würzburger CSU, Barbara Stamm.  Foto: Fabian Gebert

    Zäsur. Das war das Wort des Abends. Auf der Tagesordnung stand die turnusmäßige Neuwahl der Würzburger CSU-Spitze. Knapp 90 Delegierte waren aus den Ortsverbänden dafür ins Gemeindezentrum Heilig Kreuz in die Zellerau gekommen. Doch im gefühlten Mittelpunkt des Abends stand der Abschied vonOliver Jörg und Barbara Stamm, die beide im vergangenen Oktober ihre Mandate im Landtag verloren haben. 

    Paul Lehrieder (Bundestagsabgeordneter), Thomas Eberth (Kreisvorsitzender Würzburg-Land) und Oberbürgermeister Christian Schuchardt priesen in ihren Reden denn auch die Verdienste des Würzburger Politiker-Duos Stamm-Jörg: welche guten Kontakte sie in die Regierung hatten, wie hilfreich ihr Netzwerk war, um Entwicklungen voran zu bringen, und wie viel Herzblut sie in ihre Aufgabe steckten. Dass dieses Zusammenwirkens jetzt ein Ende hat, ist jene Zäsur, von der am Abend oft die Rede war.      

    "Wir Ältere können unsere Erfahrungen anbieten. Das ist kein Vordrängen."
    Barbara Stamm, ehemalige Landtagspräsidentin

    Denn seit Oktober hat die Würzburger CSU statt zwei bekannter Persönlichkeiten keinen einzigen Mandatsträger mehr in München. Eine Frage, die im Raum stand, aber nicht beantwortet wurde: Wie wird es ohne diesen direkten Draht für die Würzburger CSU weiter gehen?  

    Oliver Jörg geht auf die Wahlniederlage nur kurz ein

    Jörg blieb in seiner letzten Rede als Kreisvorsitzender sachlich. Seit 2005  war der 46-Jährige Chef der Würzburger CSU gewesen. Von 2008 bis 2018 saß er im Landtag. Kurz berichtete Jörg über die Mitgliederzahlen der vergangenen zwei Jahre: um die 1000, leicht rückläufig, die Mehrheit ist über 60 Jahre alt und männlich. Jörg blickte nicht groß zurück, streifte seine Wahlniederlage nur mit wenigen Worten: "Vielleicht hätte es was geändert, wenn ich mich kurz vor der Wahl deutlich vom damaligen Parteivorsitzenden distanziert hätte." Den Namen Seehofer nahm Jörg nicht in den Mund.

    Stattdessen bedankte er sich vor allem bei seinen Mitstreitern und forderte diese auf, auch künftig zusammenzuhalten. Mehrfach appellierte Jörg, der neuer Generalsekretär der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München ist, an die Würzburger CSU, nicht zu vergessen, "dass eine Volkspartei nur mit Geschlossenheit voran kommt". 

    Barbara Stamm zeigt Emotionen

    Emotionen zeigte Barbara Stamm. Bewegt schilderte sie die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Jörg im Parlament und in der Regierung: "Zwischen uns hat kein Blatt Papier gepasst." Noch bewegter sagte die ehemalige Landtagspräsidentin zum Verlust des Würzburger CSU-Direktmandates im vergangenen Oktober: "Das müsste man aufarbeiten. Für mich waren das in den vergangenen Monaten verletzende Momente." Was sie damit meint, führt sie nicht aus.     

    Stehender Beifall für die neue Würzburger CSU-Chefin. Knapp 90 Delegierte haben Christine Bötsch (Mitte) zur Nachfolgerin von Oliver Jörg (vorne) gewählt. Rechts im Bild applaudiert Sozialreferentin Hülya Düber.  Foto: Fabian Gebert

    Mit Applaus wurde der Vorschlag begrüßt, Stamm zur Ehren-Kreisvorsitzenden der Würzburger CSU zu machen. Stehende Ovationen gab es nach den abschließenden Worten der 74-Jährigen: "Wir Ältere können unsere Erfahrungen anbieten. Das ist kein Vordrängen."  

    Reichlich Beifall gab es auch für Christine Bötsch. Als "Glücksfall für die CSU" kündigte Jörg seine Nachfolgerin an. Da sie seit fünf Jahren erfolgreich die CSU-Fraktion im Stadtrat zusammenhalte, sei  für sie die Leitung des Kreisverbandes mit seinen Ortsverbänden ein Leichtes.

    In ihrer Vorstellungsrede schilderte die 46-Jährige ihr politisches Erweckungserlebnis in der damaligen DDR. Als 12-Jährige sei ihr bei einem Besuch dort klar geworden, "dass man sich für Freiheit und Mitsprache engagieren sollte". Mit 18 trat Bötsch in die CSU ein, engagierte sich in der Jungen Union, seit 2002 ist sie Stadträtin. 

    Die Vorsitzende des Kreisverbandes Christine Bötsch (Mitte) mit ihren Stellvertretern (von links): Andreas Förster, Kurt Schubert, Claudia Adam und Wolfgang Roth. Foto: Fabian Gebert

    Die Juristin sprach über bundes- und europapolitische Themen von Trump bis Klimaschutz. "Solche Punkte müssen wir als Basis diskutieren. Und ich haben den Auftrag, die Ergebnisse dieser Diskussionen in der Partei weiter zu geben."  

    91 Prozent der 89 Delegierten aus den Würzburger Ortsverbänden stimmten für Bötsch als neue Kreisvorsitzende. Als Stellvertreter bleiben  Andreas Förster (56 Stimmen), Kurt Schubert (64 Stimmen) und Wolfgang Roth (78 Stimmen) im Vorstand. Neu in die Runde kommt Claudia Adam aus Unterdürrbach (79 Stimmen). Da Markus Schädler nicht mehr antrat, wurde Sabine Reinfurt-Jäger zur neuen Schatzmeisterin gewählt.   

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