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    Würzburg

    Würzburger Ex-Politiker als Großdealer in Spanien vor Gericht

    Amphetamin-Tabletten
    69 Kilo Amphetamin beschlagnahmte die spanische Polizei allein bei einer Lieferung. Sie sollen von einer Organisation um einen Würzburger und einen Bad Kissinger eingeschmuggelt worden sein. Foto: Oliver Berg/dpa

    Ein 38-jähriger Würzburger, der Teil eines internationalen Drogenschmuggler-Ringes sein soll, wird nicht aus Spanien nach Unterfranken ausgeliefert. Dabei hatten Würzburger Ermittler regen Anteil an dem Fahndungserfolg gegen die Gruppe, die Ecstasy quer durch Europa schleusten. Ein 58-jähriger Hintermann aus Bad Kissingen kam sogar wieder auf freiem Fuß. 

    Von der Politik übers Rotlicht in den Drogenhandel

    Der Würzburger galt einst als Nachwuchstalent in einer großen Partei. Damals posierte er auf Bildern mit namhaften Größen der Lokalpolitik. Doch dann wandte er sich Geschäften im Gastronomie- und Amüsierbereich in Kitzingen und im Landkreis Würzburg zu – und kassierte wegen Drogenhandel eine Haftstrafe von über sechs Jahren.

    Lesen Sie auch: Kripo Würzburg: 74 Kilo Amphetamin sichergestellt

    Mehrere namhafte Würzburger wandten sich an die Redaktion, als sie von der Festnahme lasen. Sie berichten über seinen rüden Umgang mit Menschen, denen er Freundschaft vorspielte, um sie dann hemmungslos für kriminelle Pläne auszunutzen. Sie wollen heute nichts mehr mit ihm zu tun haben – waren jetzt aber erstaunt, Bettelbriefe aus einem spanischen Gefängnis zu bekommen, die sie unbeantwortet ließen. 

    Bad Kissinger als Schlüsselfigur im Drogenhandel

    Er und der 58-Jährige aus Bad Kissingen sollen als Schlüsselfiguren zu einer Organisation gehören, die seit Jahren diverse Sorten Rauschgift nach Spanien schmuggelte. Der Bad Kissinger, der schon lange in Spanien lebt, gilt als eine bedeutende Figur im Drogenhandel. Recherchen zeigten: Er hatte bereits vor rund zwei Jahrzehnten mit 700 Kilo Kokain zwischen Spanien, England und den Niederlanden Geschäfte gemacht. Dann wurde er in Holland erwischt und zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

    Würzburger Ermittler hatten 2018 den 38-Jährigen ins Visier genommen. Ihr Interesse galt der Gruppe, die sackweise Ecstacy-Pillen nach Spanien brachte. Konspirativ arbeiteten dabei knapp drei Dutzend Personen in fünf europäischen Ländern zusammen. "Die Beschuldigten waren zum Teil über Jahrzehnte weltweit vernetzt und verfügten auch über direkte Kontakte zum Medellín-Kartell im kolumbianischen Bogota", sagen Drogenfahnder. Die Verdächtigen sollen auch Haschisch, Marihuana und Kokain in Europa verkauft haben. Die spanische Polizei war ihnen laut eigenen Angaben seit 2015 auf den Fersen.

    Eine der größten Sicherstellungen der vergangenen Jahre

    Im Januar flimmerten dann Bilder von der Festnahme durchs spanische Fernsehen: Unter legaler Ware versteckt, wurden bei einem Transport 69 Kilo Amphetamin gefunden. Weitere fünf Kilo wurden in Madrid beschlagnahmt, wo die Pillen über das Darknet in kleinen Mengen  verkauft worden sein sollen. Bezahlt wurde geheim, per Kryptowährung. In Spanien hatten die sichergestellten 74 Kilo einen Verkaufswert von mehr als drei Millionen Euro. Insgesamt soll die Gruppe mit hunderten von Kilo gedealt haben, sagte die Polizei.

    Die zwei Unterfranken sollten hierher ausgeliefert werden, für einen der größten Drogenprozesse am  Landgericht Würzburg, hieß es im März. Doch dann überlegten es sich die Spanier anders und  stellen den Würzburger selbst vor Gericht. 

    Auslieferung abgelehnt 

    Auf Nachfrage bestätigt jetzt Boris Raufeisen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Würzburg: „Von den drei festgenommenen Personen befinden sich der 38-jährige aus dem Raum Würzburg und ein rumänischer Staatsangehöriger weiter in Haft" Die spanischen Ermittlungsbehörden hätten Anklage erhoben. „Die Hauptverhandlung dürfte noch dieses Jahr zu erwarten sein.“ Näheres wisse er dazu nicht, „da die Staatsanwaltschaft Würzburg nicht am Verfahren beteiligt ist.“

    Bei der Anklageerhebung wurde von der spanischen Anklagebehörde eine Strafvorstellung von neun Jahren Freiheitsstrafe für den 38-jährigen geäußert, bestätigt er. „Seine Auslieferung wurde abgelehnt.“ Gleiches gelte für den 58-jährigen, „er befindet sich auf freiem Fuß“. Selbst die Drogenfahnder rätseln, ob bei ihm die Beweise nicht reichten oder es andere Gründe für die Freilassung gebe.

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