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    WÜRZBURG

    Würzburger Film punktet in Amerika

    Filmdreh im Chambizky
    Regisseurin Kim Hertinger beim Dreh zum Kurzfilm „Meer bei Nacht”. Archivfoto: Daniel Peter Foto: Daniel Peter

    Vergangenes Jahr stand Regisseurin Kim Hertinger aus Wonfurt (Lkr. Haßberge) noch mit Kameras und ihrem Team im Theater Chambinzky in Würzburg und arbeitete an ihrem Kurzfilm „Meer bei Nacht“ (wir berichteten).

    „Ein Jahr ist nun vergangen und es ist viel passiert“, sagt die Regisseurin, die in Würzburg Psychologie studiert. Nachdem der Film im November 2017 fertig gedreht und geschnitten war, begann der Auswertungsprozess mit dem Einreichen auf nationalen und internationalen (Kurz-)Filmfestivals. Dafür hat das Team extra eine Filmversion mit englischen Untertiteln produziert.

    Premiere in Chile gefeiert

    Hertingers Ziel war es, den Film bei der Berlinale einzureichen und ihn auch international auszustrahlen. Mit der Berlinale hat es nicht geklappt, mit der internationalen Ausstrahlung klappt es jedoch sehr gut. „Wir bekamen dieses Jahr im März die Möglichkeit, die Premiere unseres Filmes auf dem Filmfestival Felacos in Chile zu feiern“, sagt sie. Kurz darauf folgten Festivaleinladungen auf der ganzen Welt, darunter Irland, Kanada und auch Portugal. In Kalkutta (Indien) gewann der Film in der Kategorie „Bester Schauspieler“, in Iasi (Rumänien) konnte „Meer bei Nacht“ gleich in zwei Kategorien punkten.

    Demenzform: Korsakow-Syndrom

    Der etwa 20-minütige Film erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen Alkoholsucht ihm jegliche Form der Selbstbestimmung, Ansehen und sozialen Rückhalt genommen hat. Er leidet an der seltenen Demenzform Korsakow-Syndrom.

    Erkrankte erfinden, meist unbewusst, Geschichten und füllen damit ihre Gedächtnislücken. Oft sind sie davon überzeugt, dass diese Dinge wirklich geschehen sind. Die häufigste Ursache des Korsakow-Syndroms ist ein jahrelanger Alkoholmissbrauch. Die Krankheit kann aber auch nach schweren Kopfverletzungen auftreten.

    Stadt Würzburg förderte das Projekt

    „Durch mein Studium kam ich auf diese Erkrankung und habe mich gefragt, was in den Köpfen dieser Menschen vorgeht“, sagt Hertinger. Sie recherchierte beim Uniklinikum und bei sozialen Organisationen, die sich mit der Krankheit befassen. Gedreht wurde der Film dann im Theater Chambinzky und im Universitätsklinikum. Das Kulturamt der Stadt Würzburg förderte den Kurzfilm mit 2500 Euro.

    Am meisten freut sich Regisseurin Hertinger über den aktuellsten Preis. Am 16. September feierte „Meer bei Nacht“ USA-Premiere beim „Sioux City International Film Festival“ im Bundesstaat Iowa und holte drei Auszeichnungen mit nach Hause, darunter auch den Hauptpreis des Festivals.

    In Konkurrenz zu internationalen Produktionen

    „Dies ist für eine kleine, unabhängige und regionale Produktion eine große Leistung“, sagt Hertinger. Grund dafür sei, dass ihr Film in Konkurrenz zu hochprofessionellen Produktionen stand. Für ihren Kurzfilm griff die Studentin jedoch auch auf erfahrene Kameraleute, gutes Equipment und namhafte Schauspieler zurück, darunter Peter Kotthaus, der unter anderem in der ARD-Vorabend-Serie „Verbotene Liebe“ mitgespielt hat.

    Für die kommenden Monate stehen weitere Bewerbungen für nationale und internationale Filmfestivals aus. Die nächste Aufführung ist Anfang Oktober bei einem irischen Kurzfilm-Festival in Dublin. Wer den Film im Kino anschauen möchte, muss sich noch gedulden. „Im Moment sind wir noch in der Auswertungsphase, in der der Film nur auf Festivals und nicht öffentlich gezeigt werden darf“, erklärt Hertinger. Diese werde noch mindestens ein halbes Jahr andauern.

    Filmdreh im Chambizky
    Peter Kotthaus (bekannt aus der ARD-Serie „Verbotene Liebe”) spielt einen an Demenz erkrankten Mann. Archivfoto: Daniel Peter Foto: Daniel Peter

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