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    Würzburg

    Würzburger Hochhaus-Projekt ist eine Etappe weiter

    So soll es aussehen, das neue Hochhaus in der Augustinerstraße. Einige Stadträte können sich nicht mit dem modernen Nachbargebäude anfreunden. Es passe nicht ins Ensemble.   Foto: Entwurf: von Einsiedel Architekten

    Das Projekt Neubau eines Hochhauses an Stelle des alten Ämterhochhauses in der  Augustinerstraße besteht bislang nur auf dem Papier. Wie gewichtig es ist, lässt sich allerdings schon in diesem Zustand erkennen. Satte 415 Seiten umfasst der vorhabenbezogene Bebauungsplan "Hans Löffler-Haus", mit dem sich Baureferat und Stadträte in der Sitzung des Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschusses (PUMA) beschäftigten. Dabei gab es mehrheitlich Zustimmung, aber auch Kritik.

    Im vergangenen Jahr wurde beschlossen, den Planentwurf öffentlich auszulegen. Dabei gaben Behörden und Privatpersonen 27 Stellungnahmen und Einwendungen ab, die das Baureferat prüfte und abwog. Bei der Aktualisierung des Plans wurden sie ganz oder zumindest teilweise berücksichtigt, wie Stadtbaurat Benjamin Schneider in der Sitzung informierte. Wesentliches hat sich zur ursprünglichen Planung nicht geändert.

    "Eine Tiefgarage an dieser Stelle ist städtebaulich eine Katastrophe."
    Stadträtin Karin Miethaner-Vent

    Diese sieht auf dem rund 1000 Quadratmeter großen Areal den Bau eines rund 35 Meter Hochhauses im Stil des 89 Jahre alten Baudenkmals Ämterhochhaus vor, das aufgrund seines maroden Zustands abgerissen werden soll. Unmittelbar daneben soll ein 21 Meter hoher Neubau in moderner Form mit viel Glas und Grün enstehen. Dieser ist zwar optisch ein völliger Kontrastpunkt, soll im Inneren aber mit dem Hochhaus eine Einheit bilden. Bauherr ist die Hans-Löffler-Haus Augustinerstraße GmbH. Einer ihrer Geschäftsführer ist der FDP-Stadtrat und Unternehmensberater Joachim Spatz.

    "Eine Tiefgarage an dieser Stelle ist städtebaulich eine Katastrophe"

    Die Stadträte sollten den überarbeiteten Entwurf auf die weitere Reise schicken: eine erneute öffentliche Auslegung für 24 Tage, bei der nur Stellungnahmen zu den Änderungen möglich sind. Elf Stadträte stimmten dafür, vier - die drei Grünen-Vertreter und ÖDP-Mann Heinz Braun - dagegen. Das letzte Wort hat der Gesamtstadtrat am 26. September. Ziel ist ein Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan, dem der Bauantrag folgt. Bevor dieser nicht genehmigt ist, will der Investor das alte Hochhaus nicht abbrechen.

    Tenor der Diskussion war, dass die Stadträte es begrüßen, dass etwas vorangeht an Würzburgs Dauerbaustelle Nummer eins, nachdem das Ämterhochhaus seit nunmehr über 15 Jahren leer steht und in der Zeit mehrere Besitzer- und Planungswechsel erfolgten. Aber es gab auch Kritik: Grünen-Stadträtin Karin Miethaner-Vent erklärte zwar, die Lösung sei "besser als alle anderen, die wir bisher gesehen haben". Ein Dorn im Auge ist ihr aber die Tiefgarage mit 33 Pkw-, 17 Motorrad- und 51 Fahrradstellplätzen. "Eine Tiefgarage an dieser Stelle ist städtebaulich eine Katastrophe", monierte sie, zudem diese auf dem Gehwegbereich eine Wartespur für Autos bedingt, damit der Straßenbahnverkehr nicht beeinträchtigt wird.

    Massive Kritik am modern gestalteten Nachbargebäude  

    Als Hauptkritikpunkt stellte sich das modern gestaltete Hochhaus-Nachbargebäude mit viel Grün und Glas in der Fassade heraus. "Das ist dermaßen grauenhaft, dass man das nicht so lassen kann", so Miethaner Vent. Auch Heinz Braun (ÖDP) hält den Entwurf für nicht verträglich mit dem Stadtbild und lehnte allein deshalb die Planung ab. Auch CSU-Fraktionschef Wolfgang Roth gefällt das Haus nicht.

    Dagegen klingt die Bebauungsplan-Vorlage dazu nahezu euphorisch: "Die Ausführung der gärtnerisch hochwertig gestalteten Flachdachbereiche stellt zwar ein neues gestalterisches Element in der Dachlandschaft des Ensembles dar, ... kann jedoch ... als eine neue Zutat zur Weiterentwicklung des Ensembles zur Verbesserung des Stadtklimas angesehen werden. Die Fassade der Augustinerstraße 11 fügt sich so in das Ensemble der Altstadt ein - trotz einer modernen Materialität und Gestaltung, die von den überwiegend verputzten Nachbargebäuden abweicht."

    Würzburgs Dauerbaustelle Nummer eins: das alte Ämterhochhaus in der Augustinerstraße in Würzburg. Foto: Thomas Obermeier

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