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    WÜRZBURG

    „Würzburger Kellergespräch“: Das Kreuz mit den Kreuzen

    Das zweite "Würzburger Kellergespräch" findet am 12.Juli mit Bischof em. Friedhelm Hofmann und Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland statt. Foto: Obermeier, dpa

    Der sogenannte Kreuzerlass von Ministerpräsident Markus Söder treibt Blüten: Im Strafjustizzentrum in Würzburg werden demnächst erst einmal Kreuze abgehängt, wie Michael Schaller, der Sprecher des Landgerichts auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigt.

    In neun Sitzungssälen werden die Kruzifixe, also Kreuze mit einem Christus-Korpus, nämlich durch schlichte Holzkreuze ersetzt. Man wolle ein „einheitliches Bild“, sagt Schaller. Die 13 Sitzungssäle im Ziviljustizzentrum habe man bereits im Zuge des Neubaus einheitlich mit schlichten Holzkreuzen ausgestattet. Was passiert mit den abgehängten Kruzifixen? Schaller: „Da sind wir noch in der Überlegungsphase.“

    Hält religiöse Symbole in Gerichtssälen für problematisch: Eric Hilgendorf Professor für Strafrecht an der Uni Würzburg. Foto: Theresa Müller

    Unabhängig vom Tausch der Kreuze ist die Diskussion, inwieweit christliche Symbole in Gerichtssälen möglicherweise die Unabhängigkeit der Justiz beeinträchtigen, eine viel diskutierte Frage. Sie ist auch Thema der zweiten „Würzburger Kellergespräche“ von Main-Post und Juristen-Alumni der Universität am kommenden Donnerstag, 12. Juli, im Max-Stern-Keller der Alten Universität in Würzburg.

    Gesprächspartner sind Friedhelm Hofmann, der emeritierte katholische Bischof von Würzburg, und Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Ein Impuls-Statement gibt der Staatsrechtler und Rechtsphilosoph Prof. Horst Dreier. Moderatoren sind der Jurist Prof. Eric Hilgendorf (Alumni) und Redakteur Andreas Jungbauer (Main-Post).

    Bundespräsidenten-Bild statt Kreuz

    Hilgendorf hatte sich bereits Ende vergangenen Jahres, also deutlich vor Söders Amtsantritt, gegen die Verwendung religiöser Symbole vor Gericht ausgesprochen. Schließlich würden Urteile „nicht im Namen einer bestimmten Religion, sondern im Namen des Volkes gesprochen“. Die Chance, dass Nichtchristen „ein Urteil akzeptieren und daraus lernen“ werde durch das christliche Symbol im Sitzungssaal „stark verringert“. Lieber solle man ein staatliches Wappen oder ein Bild des Bundespräsidenten aufhängen.

    Weil die Staatsordnung Religion und Recht trenne, lehne er die „ostentative Zurschaustellung von Religion“ im Gerichtssaal ab, so Hilgendorf. Eine Richterin mit Kopftuch erscheine ihm genauso inakzeptabel wie ein Richter mit umgehängten Brustkreuz, ein Sikh-Richter mit Turban oder eine betont säkulare Richterin, die ein Bild des Schriftstellers Voltaire vor sich aufstellt.

    Landgericht Weiden
    In vielen bayerischen Gerichtssälen (hier ein Beispiel aus Weiden) hängen Kreuze. Warum eigentlich? Ein „Würzburger Kellergespräch”am 12.Juli soll das klären. Foto: Armin Weigel/dpa

    Hinzu komme, gibt der Jurist zu bedenken, dass gerade im Strafprozess immer häufiger über Kriminelle geurteilt werde, „deren Weltbild durch eine vollkommen irrationale Entgegensetzung von Christentum und Islam bestimmt ist“. Ihnen gelte es deutlich zumachen, dass es im Prozess nicht darum gehe, dass Christen über Moslems urteilen, „sondern darum, dass im Namen des ganzen Volkes Recht gesprochen wird“.

    Zweimal wurden Kreuze abgehängt

    Laut einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1973 muss ein Kreuz im Gerichtssaal lediglich dann abgehängt werden, wenn ein Prozessbeteiligter „Gewissensnöte geltend macht“. Zweimal, so Michael Schaller, sei dies in der langen Geschichte des Würzburger Landgerichts bislang der Fall gewesen.

    „Urteil unterm Kreuz“, so lautet der Titel der Würzburger Kellergespräche am Donnerstag, 12. Juli, im Max-Stern-Keller der Alten Universität Würzburg, Domerschulstraße 16. Beginn ist um 19 Uhr c.t.. Der Eintritt ist frei.

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