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    Würzburg

    Würzburger Kinderporno-Fall: Anklage wohl noch in diesem Jahr

    Dunkles Treiben im Internet: Die Ermittlungen gegen einen Würzburger Logopäden nähren den Verdacht, er habe Kinder missbraucht, diese gefilmt und in Umlauf gebracht. Foto: Lisa Forster, dpa

    Im Würzburger Kinderporno-Fall macht die Sonderkommission Fortschritte bei den Nachforschungen gegen einen verdächtigen Logopäden. "Sollten sie weiter so gut vorankommen, ist mit einer Anklage noch in diesem Jahr zu rechnen", sagte auf Anfrage Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der zuständigen Zentralstelle Cybercrime beim Generalstaatsanwalt in Bamberg. Über Details zum Ermittlungsstand äußerte er sich nicht.

    Zeitaufwendige Recherchen

    Die Zeitangabe klingt für Laien zunächst verwunderlich, wenn man daran denkt, dass die Festnahme bereits am 20. März erfolgte. Doch Fachleute weisen auf die gewaltige Datenmenge der beschlagnahmten Bilder und Videos hin, die ausgewertet werden mussten. Überdies war schon die Zahl der Kinder, die von dem Verdächtigen betreut wurden und zunächst theoretisch als Opfer in Frage kamen, immens. Die Eltern von 500 Kindern waren zu Informationsveranstaltungen geladen.

    Der in Untersuchungshaft sitzende Logopäde soll über Jahre kleine Buben im Kindergartenalter missbraucht sowie Fotos und Videos der Taten angefertigt und über das Darknet verbreitet haben. Der Mann betreute Kinder in eigenen Praxen und in mehreren Würzburger Betreuungseinrichtungen. Zudem war er Übungsleiter für Kinderturnen in einem Sportverein. Nach umfangreichen Vernehmungen wurde der Häftling jetzt in München von einem Experten begutachtet. Dies ist laut Schorr "Standard bei so schwerwiegenden Verfahren".

    Verdacht gegen Lebensgefährten hat sich nicht erhärtet

    Laut Staatsanwaltschaft haben die Ermittler zwei Tatorte – die eigene Praxis des 37-Jährigen und eine integrative Kindertagesstätte am Würzburger Heuchelhof – ausfindig gemacht. Sieben Opfer habe man ermittelt, hieß es aus Polizeikreisen, die Staatsanwaltschaft spricht von einer "einstelligen Zahl". Der Beschuldigte soll selbst Namen und Tatorte genannt haben und ein Passwort preisgegeben haben, das eine geheime Datei auf seinem Computer schützte. Bei einer Verurteilung muss er mit einer Haftstrafe von bis zu 15 Jahren rechnen.

    Formal ist das Ermittlungsverfahren gegen seinen Partner noch nicht eingestellt. Doch haben sich bei den Ermittlungen keine Belege dafür ergeben, dass er an den Taten beteiligt war oder auch nur davon wusste. Dennoch hat der Fall auch für ihn gravierende Folgen: Ihm wurde von seinem Arbeitgeber gekündigt mit Verweis auf die Ermittlungen. Ein Prozess vor dem Arbeitsgericht Würzburg wurde nach Informationen der Redaktion kurzfristig abgesagt. Derzeit gibt es dazu vertrauliche Gespräche. 

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