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    Würzburg

    Würzburger Kinderporno-Fall: Mutter erkennt ihren Sohn auf Foto wieder

    Würzburger Kinderporno-Fall: Mutter erkennt ihren Sohn auf Foto wieder
    Ein Verschlusssiegel der Würzburger Polizei auf der Tür des Wohnhauses, das bei Ermittlungen im Kinderpornografie-Fall durchsucht wurde. Foto: dpa

    Bei der Polizei haben sich zahlreiche Eltern gemeldet, deren Kinder bei dem tatverdächtigen, festgenommenen Logopäden in Behandlung waren. Derzeit suchen Mitglieder der Würzburger Sonderkommission – unterstützt durch Beamte aus Aschaffenburg und Schweinfurt – die Eltern zuhause auf. Ihr Auftrag: Gewissheit zu erlangen, wer die kleinen Opfer sind.

    Ermittler halten sich bedeckt

    Beim Polizeipräsidium Unterfranken gab es am Freitag keine Auskunft darüber, ob und wie viele der kleinen Jungen im Kindergartenalter bereits identifiziert werden konnten, von denen Fotos bei dem in Haft sitzenden Logopäden gefunden wurden. Auch zur Frage, ob es sich um Kinder aus der Region handelt, äußerten sich die Sprecher von Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die laufende Ermittlung nicht.

    Ermittlern zufolge hat zumindest eine Mutter im Internet in einer Dialoggruppe mit anderen Eltern angegeben, dass sie ihr Kind erkannt habe. Dieser Redaktion liegt auch die Information vor, dass eine Mutter inzwischen juristische Hilfe in Anspruch nimmt. Auf Anfrage bestätigt der Würzburger Anwalt Bernhard Löwenberg, dass er die Interessen eines Kindes vertrete, dessen Mutter sich an ihn gewandt habe. „Zu Einzelheiten", so fügt Löwenberg an, wolle er sich "im Interesse des Kindes nicht äußern“.

    Fragen nach auffälligem Verhalten, markanten Merkmalen und Kleidungsstücken

    Die Beamten gingen bei ihren Befragungen behutsam vor und nähmen sich Zeit, schilderten Eltern gegenüber dieser Redaktion. „Sie fragen nach auffälligem Verhalten des Kindes, markanten körperlichen Merkmalen und Kleidungsstücken, die eine Identifizierung erleichtern“, sagt ein Vater. Man sei gebeten worden, zu Vergleichszwecken Bilder der Kinder in verschiedenen Altersstufen zur Verfügung zu stellen, berichtet ein anderer. 

    Das Schlimmste ist für die betroffenen Eltern, wenn ihnen die Kripobeamten knapp 50 beschlagnahmte Bilder vorlegen mit der Frage, ob sie ihr Kind darauf erkennen. Auf den Fotos seien keine Missbrauchsszenen zu erkennen, wohl aber Kleidungsstücke, die bei der Identifizierung helfen könnten, erklärte ein Sprecher der Zentralstelle Cybercrime Bayern gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur. 

    Ein Berg von Material muss durchgesehen werden

    Der verdächtige Würzburger Logopäde soll im großen Stil Kinderpornos mit kleinen Jungen angefertigt und im Darknet verbreitet haben. Die Ermittler haben mehr als hundert Datenträger mit mehreren Terrabyte Material sichergestellt. Der Sprachtherapeut hatte in verschiedenen Einrichtungen Kontakt zu Kindern, unter anderem in Würzburger Kindertagesstätten,  einem Sportverein und seiner eigenen Praxis.

    Zur konspirativen Vorgehensweise von Tätern in der Szene gehört es nach Angaben von erfahrenen Ermittlern, dass untereinander Bilder und Filme getauscht würden. Deshalb ist nicht gesagt, ob und wie viele der in Würzburg beschlagnahmten Bilder auch hier entstanden. Die Tauschaktionen dienten in der Szene auch zur Absicherung vor verdeckten Ermittlern, die solch strafbaren Lockangebote nicht machen dürfen.

    Verdächtiger ergriff Schutzmaßnahmen

    Was über die beschlagnahmten Aufnahmen bislang bekannt ist, legt den Schluss nahe, dass der Tatverdächtige mit Entdeckung rechnete und Vorsichtsmaßnahmen ergriff, um sich zu schützen. Was wiederum gegen einen völligen Neuling im Milieu spricht: „Der Täter hat die Gesichter der Opfer auf den Fotos verfremdet“, sagt ein mit den Ermittlungen Vertrauter. Der Beschuldigte habe auch darauf geachtet, dass die Orte, an denen Aufnahmen gemacht wurden, nicht leicht zu identifizieren sind.

    Die Liste der Eltern, die sich gemeldet haben, ist offenbar so lang, dass die Befragungen laut den Ermittlern noch Wochen in Anspruch nehmen. Oberstaatsanwalt Christian Schorr betonte: „Das ist eine sehr aufwendige Puzzle-Arbeit." Er machte keine Angaben darüber, bis wann die Identifizierung abgeschlossen sein wird.

    Mit Material von dpa

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