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    Würzburg

    Würzburger Krebsexperte: "Aufbruchstimmung in Tumortherapie"

    Auf einem Monitor ist das Bild von Melanom-Zellen, dem schwarzen Hautkrebs, zu sehen. Foto: Bernd Wüstneck, dpa

    Krebs: Rund eine halbe Million Deutsche erkranken jährlich neu, nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts ist jede und jeder Zweite im Laufe seines Lebens davon betroffen. Prof. Hermann Einsele, Onkologe an der Uniklinik Würzburg, rechnet damit, dass Krebs in einigen Jahren die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache Nummer eins abgelöst haben wird. Derzeit sterben in Deutschland pro Jahr weit mehr als 200 000 Menschen an Tumorerkrankungen.

    Hermann Einsele
    Prof. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II am Uniklinikum Würzburg, zählt zu den renommiertesten deutschen Krebsforschern. Foto: THOMAS OBERMEIER

    Dem gegenüber steht eine regelrechte Euphorie in der Therapie. Von "Durchbruch" ist in Medien die Rede und davon, dass Krebs bald heilbar sei. Doch gibt es Anlass zu Misstrauen. So entpuppte sich jüngst eine Erfolgsmeldung der Uniklinik Heidelberg als reine PR-Aktion: Bluttests, die angeblich Brustkrebs nachweisen können, sind von der Marktreife noch weit entfernt.

     

    "Es gibt so viele Fortschritte wie noch nie."
    Krebsforscher Hermann Einsele, Uniklinik Würzburg

    Auch Einsele warnt vor falschen Versprechungen. Zwar gebe es derzeit "so viele Fortschritte wie noch nie". Er sei aber "sehr vorsichtig", ob Krebs in 20 Jahren heilbar sei. Weiterhin seien Formen wie Bauchspeicheldrüsen-, Speiseröhren oder Lungenkrebs nur schwer zu behandeln. Besser sehe es bei Leukämie, Brust- oder Hautkrebs aus, sagte der renommierte Krebsforscher am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit der Bayerischen Krebsgesellschaft im Vorfeld eines Patiententages in Würzburg am 10. Juli.

    Großer Hoffnungsträger: Immuntherapie

    "Wir haben eine unglaubliche Aufbruchstimmung in der Tumortherapie", berichtet Einsele. Als großer Hoffnungsträger mit Erfolgen bei Haut- und Lungenkrebs gilt derzeit die Immuntherapie: Bei ihr werden Zellen so verändert, dass das körpereigene Immunsystem den Krebs bekämpfen kann. 

    Markus Besseler
    Markus Besseler, Psychologe und Psychonkologe, ist Geschäftsführer der Bayerischen Krebsgesellschaft. Foto: THOMAS OBERMEIER

    Nach den Worten von Günter Schlimok, Präsident der Krebsgesellschaft, wurde die Sterberate von Krebspatienten in den letzten 15 bis 20 Jahren um ein Fünftel gesenkt, "mehr als in jedem anderen Gebiet der Inneren Medizin". Ein Grund dafür sei die verbesserte Früherkennung. Ein anderer: Krebspatienten könnten durch gesunde Ernährung und angemessenes Bewegungstraining nachweislich das Risiko eines Rückfalls verringern und ihre Heilungschancen erhöhen.

    "Wissen mindert Angst und erhöht die Handlungsfähigkeit."
    Markus Besseler, Geschäftsführer Bayerische Krebsgesellschaft

    Wichtig sei es, dass sich Patienten mit der Krankheit auseinandersetzen, sagt Markus Besseler, Geschäftsführer der Bayerischen Krebsgesellschaft. "Wissen mindert Angst und erhöht die Handlungsfähigkeit." Gerade Ängste – vor der Nachuntersuchung, einem Rückfall oder Existenzsorgen – sind es, warum Patienten das Gespräch bei den Krebsberatungsstellen suchen.

    Laut Mitarbeiterin Evelyn Flohr-Schmitt sind das doppelt so viele Frauen wie Männer. "Die ticken noch wie Einzelkämpfer, wollen das mit sich ausmachen. Männer können Befindlichkeiten offenbar schlechter formulieren als Frauen", analysiert Besseler. Allerdings sei eine Veränderung zu beobachten: Männer werden offener.

    Krebs-Beratungsstellen fordern Finanzierung durch Krankenkassen

    13 Beratungsstellen betreibt die Krebsgesellschaft in Bayern, allein in Würzburg werden jährlich rund 1500 Gespräche gezählt. Krebsmediziner Einsele hält Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen für extrem wichtig: Im Klinikalltag fehle häufig die Zeit für intensive Gespräche. Die Krebsgesellschaft – finanziert  durch Freistaat und Spenden – würde gerne expandieren, doch fehlen die Mittel. Sie fordert eine Übernahme der Beratungsgespräche als Regelleistung durch die Krankenkassen.

    Edeltraud Skrdlant, Klaus Hemrich
    Selbsthilfegruppen leisten wertvolle Arbeit in der Krebstherapie und sind wichtige Anlaufstellen - das erleben Edeltraud Skrdlant und Klaus Hemrich als Verantwortliche in ihren Gruppen. Foto: THOMAS OBERMEIER
    Krebs-Patiententag am 10.Juli in Würzburg
    In München gab es ihn schon häufig, letztes Jahr auch in Nürnberg. Und anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Psychosozialen Krebsberatungsstelle organisiert die Bayerische Krebsgesellschaft zusammen mit der Uniklinik am 10. Juli erstmals einen Krebs-Patiententag auch in Würzburg. Er findet von 15 bis 20 Uhr in der Zehntscheune der Stiftung Juliusspital statt. Der Eintritt ist frei, Anmeldung bis 4. Juli per e-Mail an kbs-wuerzburg@bayerische-krebsgesellschaft.de oder telefonisch unter (0931) 280650. Im Mittelpunkt stehen Patienten und Angehörige mit ihren Anliegen. "Wir wollen zum Austausch motivieren", sagt Markus Besseler, Geschäftsführer der Krebsgesellschaft. Experten halten kurze Vorträge und stehen für Fragen zur Verfügung. Es geht es um Themen wie Krebstherapien, Komplementärmedizin, Psychoonkologie für Angehörige, Erschöpfungszustände oder auch Sport und Ernährung bei Krebs. Das komplette Programm im Internet: www.bayerische-krebsgesellschaft.de

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