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    Würzburg

    Würzburger Lungenexperte zu Corona: Jeder Tag ohne Zigarette hilft 

    Rauchen, Pollen, Feinstaub: Welche Rolle spielt das im Zusammenhang mit Corona? Der Würzburger Lungenexperte Berthold Jany gibt Antworten - und räumt auf mit Märchen.
    Raucher gehören laut Robert-Koch-Institut in der Corona-Krise zu den gefährdeten Menschen. Warum das so ist und warum man aufhören sollte, erklärt der Würzburger Lungenexperte Berthold Jany.
    Raucher gehören laut Robert-Koch-Institut in der Corona-Krise zu den gefährdeten Menschen. Warum das so ist und warum man aufhören sollte, erklärt der Würzburger Lungenexperte Berthold Jany. Foto: Philipp Brandtstädter, dpa

    Welche Rolle spielt die Luftverschmutzung bei einer Ansteckung mit Corona? Sind Raucher eher gefährdet, schwer oder gar tödlich an der Lungenkrankheit Covid 19 zu erkranken? Welche Auswirkungen haben Allergien?  Der Würzburger Lungenexperte und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP), Professor Berthold Jany, früherer Chefarzt der Abteilung Innere Medizin im Würzburger Klinikum Mitte, Standort Missionsärztliche Klinik, hat Antworten. 

    Frage: Viele Menschen vermuten einen Zusammenhang zwischen hoher Luftverschmutzung und einem schweren oder tödlichen Verlauf der Lungenkrankheit. Auch in Würzburg ist die Feinstaubbelastung hoch und es ist der Corona-Hotspot in Unterfranken – ist der Zusammenhang relevant?

    Berthold Jany: Nein. Das sind zunächst reine Spekulationen. Wissenschaftlich gesehen ist das in dieser Abstraktheit zur Zeit nicht relevant. Was wir wissen, ist, dass eine hohe Feinstaubbelastung gesundheitliche Folgen hat, etwa was Herz- Kreislauferkrankungen, Lungenkrebs und Diabetes betrifft. Menschen mit genau diesen Vorerkrankungen gelten jetzt als gefährdet. Von wissenschaftlich haltbaren Erkenntnissen bezüglich Covid-19 und Luftverschmutzung sind wir aber meilenweit entfernt. Eine gute Erklärung für den Hotspot Würzburg ist, dass es mit der Ansteckung in den Altenheimen eine sehr empfindliche Bevölkerungsgruppe getroffen hat - mit Vorerkrankungen und einem hohen Alter. 

    Ist die hohe Feinstaubbelastung mitverantwortlich für den unterfränkischen Corona-Hotspot Würzburg?  
    Ist die hohe Feinstaubbelastung mitverantwortlich für den unterfränkischen Corona-Hotspot Würzburg?   Foto: Silvia Gralla
    Raucher gelten laut Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogruppe bei Corona-Infektionen. Laut einer Studie aus China mit 1100 Patienten waren mehr Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf Raucher. Ist das überraschend?

    Jany: Auch hier ist eine genaue Ursache noch nicht erforscht. Aber klar ist: Rauchen verstärkt per se das Risiko, an einem Atemwegsinfekt zu erkranken. Es gibt nicht den gesunden Raucher.  Rauchen schädigt immer die Abwehr der Lunge. Das ist nicht nur bei Covid-19 ein Problem, sondern auch bei schweren Lungenerkrankungen wie COPD oder der Influenza. Die Flimmerhärchen in der Lunge werden geschädigt, ebenso die Schleimhäute. Rauchen ist nicht nur wegen Corona gefährlich, es schädigt grundsätzlich die Gesundheit. Der beste Schutz ist auch jetzt: Am besten sofort aufhören. Jede Zigarette, die man nicht raucht, macht sich bemerkbar und fördert die Regeneration des Lungengewebes, völlig unabhängig vom Alter. Jeder Tag ohne Zigarette hilft schon. Neue Daten zeigen, dass sich die Lunge erstaunlich gut und schnell erholt. Wenn also keine irreversiblen Schäden vorliegen, ist man schneller als früher gedacht, wieder auf einem guten Niveau. Bei der Entscheidung sollte man auch die Menschen in seinem Umfeld berücksichtigen, deren Lungen durch Passivrauchen ebenfalls massiv in Mitleidenschaft gezogen werden.

    Der Würzburger Lungenexperte und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) rät zu Besonnenheit.  
    Der Würzburger Lungenexperte und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) rät zu Besonnenheit.   Foto: mp
    Was passiert, wenn das Coronavirus in eine gesunde Lunge eindringt, was, wenn es auf eine bereits geschädigte Lunge trifft? Gibt es da Unterschiede im Ablauf?

    Jany: Nein, denn es gibt keine Vergleichsdaten. Es existiert in der Öffentlichkeit ein 3-D-Bild von einem Radiologen, das das besondere Ausmaß der Schädigung durch das Virus dokumentieren soll, aber diese sichtbaren Schäden sind nicht anders als bei jeder anderen Lungenentzündung auch. Wir wissen also nicht, ob das Corona-Virus andere oder schwerere Zerstörungen anrichtet. Die Röntgen- oder CT-Aufnahmen sehen auch immer etwas anders aus. Wir wissen derzeit nur, wie eine bakterielle Lungenentzündung aussieht. Und dass Lungenentzündungen komplett abheilen. Bei Covid-19 können wir es noch nicht wissen. Noch nicht. Denn es ist ja phänomenal, was wir in dieser kurzen Zeit schon alles über die Krankheit und das Virus herausgefunden und gelernt haben.

    Triefende Nase, Halsweh, Husten, Atemnot: Allergie oder Ansteckung mit dem Corona-Virus? Wie man das unterscheiden kann.
    Triefende Nase, Halsweh, Husten, Atemnot: Allergie oder Ansteckung mit dem Corona-Virus? Wie man das unterscheiden kann. Foto: dpa, Karl-Josef Hildenbrand
    Es ist Pollenflug-Zeit. Müssen sich die Allergiker und Asthmatiker mehr Sorgen machen als sonst? Gibt es erhöhte Anfälligkeit, zu erkranken, wenn man ohnehin schon am Husten und Keuchen ist - und wie kann man wissen, ob die Symptome nun allergiebedingt sind, oder man doch Covid-19 hat?

    Jany: Nein. Sie müssen sich nicht mehr Sorgen machen. Es gibt keine Hinweise darauf, das Allergiker anfälliger für Atemwegsinfekte oder Influenza sind als andere. Unsere Gesellschaft hat hier eine klare Empfehlung herausgegeben: Jeder Asthmatiker oder Pollenallergiker sollte seine Therapie jetzt ganz normal weiterführen, seine Cortison-Tabletten oder Sprays benutzen wie immer. Es kursieren die wildesten Gerüchte, etwa dass diese Medikamente den Immunabbau verursachten und die Viren besser andocken könnten. Das ist Käse! Es gibt  viel zu viele Spekulationen, die die Menschen nur verunsichern. Es handelt sich bei Covid-19 nicht um eine Todeswelle, die die Menschheit ausrotten wird, aber auch nicht um eine normale Erkältung. Die Botschaft für Allergiker und Asthmatiker muss hier lauten: Auf keinen Fall die Medikamente absetzen. Die meisten Patienten haben ein sehr feines Gespür dafür, welche Symptome durch Asthma- oder Allergie bedingt sind - und welche auf andere Ursachen hinweisen. Das wäre etwa der Fall, wenn zur normalen Atemnot noch Fieber oder andere atypischen Symptome dazu kämen.

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