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    Würzburg

    Würzburger Pfadfinder haben "Bock auf Bunker"

    Fahrten, wie auf dem Foto nach Irland, bieten jugendlichen Pfadfindern die Möglichkeit, sich mit anderen internationalen Gleichgesinnten auszutauschen. Foto: Philipp Weyer

    Pfadfinder sind ungewaschene Ökos, die den ganzen Tag in Uniform herumlaufen und Kekse verteilen. Solche Vorurteile und andere Klischees hat auch schon Eva Kopic gehört, die seit vielen Jahren bei der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) in der Diözese Würzburg dabei ist. Als Teil der Stufenleitung vertritt Kopic etwa 300 Rover, wie die 15- bis 20-Jährigen in der DPSG heißen. Am 12. August geht es für sie zusammen mit knapp 50 Jugendlichen nach Albanien.

    Über 200 000 albanische Bunker erwarten die Jugendlichen

    Bereits zu Beginn vergangenen Jahres hatten um die 20 Jugendliche aus verschiedenen Stämmen in der Diözese Würzburg die Entscheidung gefällt, nicht etwa nach Schweden, sondern lieber nach Albanien zu fahren. Da Albanien auch als "Land der Bunker" bekannt ist, verpassten sie ihrer Reise kurzerhand den Namen "Bock auf Bunker". In den 70er Jahren ließ der albanische Diktator Enver Hoxha auf einer Fläche, die nicht mal halb so groß wie Bayern ist, insgesamt über 200 000 Bunker errichten. Auf jeden dritten Einwohner sollte eines der Beton-Iglus kommen, um das Land vor ausländischen Invasoren zu schützen. Auch heute noch prägen die Bunker das Landschaftsbild. 

    "Wir sind kein Reiseveranstalter und die Jugendlichen nicht auf Pauschalreise."
    Eva Kopic, Stufenleiterin bei der DPSG im Diözesanverband Würzburg

    Am 12. August wollen sich die Pfadfinder mit Bussen in Richtung Albanien aufmachen. Von Kroatien geht es über Montenegro bis ins nordalbanische Tale am Meer, wo sie auf eine albanische Pfadfindergruppe stoßen werden. Unter anderem ist eine Wanderung in den Bergen in der Nähe von Munaz geplant. Dabei verspricht der Anstieg so steil zu werden, dass ihr Gepäck von Pferden auf den Gipfel transportiert werden muss. Aber auch für Entspannung sei gesorgt, betont Kopic: "Es soll einen Strandtag geben, wo sich alle beispielsweise beim Beachvolleyball kennenlernen können." Das Freizeitprogramm wird dabei wesentlich von den Jugendlichen mitgestaltet.

    Selbstverantwortung und Meinungsbildung als Grundidee der Pfadfinder

    Ein grundlegender Bestandteil der pfadfinderischen Ideologie ist Selbstverantwortung. "Wir sind kein Reiseveranstalter und die Jugendlichen nicht auf Pauschalreise", sagt Eva Kopic. "Bei uns geht es vor allem um Meinungsbildung. Pfadfinder sollen von klein auf hinterfragen." Deshalb würden auch die Auslandsfahrten eine große Rolle spielen, betont Kopic. "Bei den internationalen Begegnungen sollen die Rover hinterfragen, wie sie selbst leben und ihre Perspektive in der Auseinandersetzung mit anderen Kulturen überprüfen." 

    Laut Kopic hat die DPSG im Bezirk Würzburg leichten Zulauf. In den vergangenen sechs Jahren sind im Bundesgebiet knapp 1500 Mitglieder in der Roverstufe dazugekommen. Kopic erklärt sich die positive Entwicklung mit dem weltweit ausgerichteten pädagogischen Ansatz. Außerdem sieht sie in der Naturverbundenheit einen Attraktivitätsfaktor: "Für Kinder sind die Pfadfinder eine Antipode zum Alltag. Draußen in der Natur zu sein ist im Moment wieder in Mode. Das sieht man auch an der Beliebtheit von Sportarten wie Klettern." Außerdem seien die Jugendlichen von heute stärker politisiert als noch vor wenigen Jahren. Die DPSG distanziert sich dabei bewusst von jeglicher parteipolitischer Position. "Wir wollen Kinder dazu bringen, dass sie ihre Meinung äußern. Dass sich auch schon Sechsjährige trauen, in einer Versammlung einen Antrag zu stellen", erläutert Kopic.

    "Aber wir robben auch nicht durch den Wald und essen Würmer. Wir sind ein ganz normaler Jugendverband."
    Eva Kopic, Stufenleiterin bei der DPSG im Diözesanverband Würzburg

    Dass in die Gruppen der DPSG nur Katholiken eintreten dürfen, weil sie zum Beispiel zur Diözese Würzburg gehören, ist nur eins der Stereotypen über den Verband.  "Auch Nicht-Katholiken können bei der DPSG mitmachen", betont Kopic ausdrücklich. Doch sie kenne auch die anderen Vorurteile. Vor allem in Filmen und Medien würden Pfadfinder nach amerikanischem Vorbild dargestellt, die immer nur gierig Abzeichen hinterherlaufen oder an der Tür Kekse verkaufen würden, fasst Kopic zusammen. "Aber wir robben auch nicht durch den Wald und essen Würmer", stellt sie klar. "Wir sind ein ganz normaler Jugendverband." 

    Mit etwa 95 000 Mitgliedern ist die DPSG der größte Pfadfinderverband in Deutschland. Alle Verbände gehen auf den Briten Robert Baden-Powell zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Der Pfadfinder-Gründer legte in einem letzten Brief an alle Mitglieder den Grundstein für das bis heute geltende Motto: "Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen als Ihr sie vorgefunden habt."

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