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    Würzburg

    Würzburger Wärmestube: Wo Obdachlose Hilfe bekommen

    Nicht jeder kann sich im Advent über ein üppiges Mahl freuen. Obdachlose haben selten die Möglichkeit, überhaupt Essen zu bekommen. Die Wärmestube ändert das.
    Für eine sättigende Bescherung sorgten am letzten Sonntag vor Weihnachten im dritten Jahr in Folge Albrecht und Susanne Hüblein mit Spanferkel, Kartoffelsalat und vegetarischer Gemüsepfanne für die Besucher der Wärmestube Würzburg. FH-Praktikant Tim Pfeuffer (links) half bei der Essensausgabe. Foto: Herbert Ehehalt

    Ein warmes Mittagessen ist für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Für die Besucher der Wärmestube der Christopherus-Gesellschaft Würzburg aber ist es eine Besonderheit. "Vor allem im Winter kommen täglich bis zu 90 oder auch einhundert Personen hilfesuchend zu uns", weiß Tim Pfeuffer von der Wärmestube der Christopherus-Gesellschaft in der Würzburger Rüdigerstraße. Im Rahmen eines Praktikums seines FH-Studiums ist er einer von etwa dreißig ehrenamtlichen Helfern, die den beiden hauptamtlichen Mitarbeitern der Wärmestube bei der notdürftigen Versorgung der Besucher zur Seite stehen. Wie schnell Menschen in den Sog des sozialen Absturzes geraten können, weiß Pfeuffer aus vielen Gesprächen. "Unsere Besucher sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, mit unterschiedlichen persönlichen Problemlagen. Mit dem Strudel verbunden sind häufig auch Sucht- und psychische Probleme", berichtet er, ohne auf bestimmte Personen persönlich einzugehen.

    Ein Schicksal, das bewegte

    Darauf aufmerksam wurde der Inhaber von Albercht´s Genuss-Catering, Albrecht Hüblein, bei einer Veranstaltung. Mit beinahe lüsternen Blicken musterte dabei ein sichtlich verarmter Mann Hübleins monumentalen Food-Truck mit reichlich Essbarem hinter der unüberwindlich anmutenden Verkaufstheke. Hüblein aber schickte den unerwarteten Besucher aber nicht weg, sondern suchte das Gespräch mit ihm. Die Lebensgeschichte des Mannes war für Hüblein ebenso beeindruckend wie ernüchternd. Und die Lehre, die der Catering-Betreiber daraus zog, lautete: "Die Schicksale von Menschen, denen es nicht so gut geht wie den meisten von uns, muss uns jucken. Wegschauen zählt nicht." So entschloss sich Hüblein erstmals im Jahr 2017 am letzten Sonntag vor Weihnachten, die Besucher der Wärmestube der  Christopherus-Gesellschaft in Würzburg mit einem gegrillten Spanferkel zu verwöhnen.

    "Die Schicksale von Menschen, denen es nicht so gut geht, muss uns jucken."
    Albrecht Hüblein

    So war der vierte Adventssonntag für die Wärmestube-Besucher in diesem Jahr bereits zum dritten Mal in Folge schon verbunden mit einer vorgezogenen Bescherung in Form einer warmen Mahlzeit. Mit seiner Frau Susanne hatte Albrecht Hüblein ein deftiges Spanferkel samt hausgemachtem Kartoffelsalat vorbereitet. Als vegetarische Essensvariante stand auf der Speisekarte darüber hinaus eine Gemüsepfanne mit Nudeln – insgesamt einhundert Portionen. Pünktlich zur üblichen Mittagessenszeit hatten sich am vierten Adventssonntag zahlreiche Bedürftige in erwartungsvoller Dankbarkeit vor und in der Wärmestube in der Rüdigerstraße versammelt. "Zwar wird gerade in der Weihnachtszeit auf eine omnipräsente Not und Armut aufmerksam gemacht. Wir brauchen aber nicht in die ganze Welt zu spenden, wenn der Bedarf so nahe liegt wie hier", stellte Susanne Hüblein bei der Essensausgabe fest.

    Die Christopherus-Gesellschaft
    Am 17. April 2000 wurde die gemeinnützige Christophorus Gesellschaft, diakonisch-caritative Hilfen für die Region Würzburg mbH gegründet. Die Gründung dieser Gesellschaft entspricht dem erklärten Willen der katholischen und evangelischen Kirche von Würzburg und der von ihnen getragenen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonisches Werk mit dem Ziel, in der Hilfe für Not leidende Menschen ein wirkungsvolles Zeichen praktizierter Ökumene zu setzen. Um diesen kirchlichen Auftrag zu verdeutlichen, ist die Gesellschaft nach dem heiligen Christophorus benannt. Die Einrichtungen beraten und betreuen Menschen, die in eine soziale Notlage oder seelische Krise geraten sind. Die Wärmestube der Christophorus-Gesellschaft ist eine offene Anlaufstelle, unter anderem auch für medizinische Erstversorgung durch die Würzburger Straßenambulanz. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 Uhr bis 16 Uhr.

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