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    Glosse

    Würzburger Wahrheiten: Wie die Jugend über Würzburg spricht

    Die Jugendsprache von heute ist für viele Menschen kaum noch zu verstehen. Was gewisse Ausdrücke im Würzburger Alltag bedeuten könnten, erklärt der Autor in dieser Kolumne. Foto: Patrick Pleul, dpa

    Schon mal was von einer Gammelfleischparty gehört? Nein, es geht nicht um billige Burger aus dem Kühlregal oder irgendeinen Grillfleisch-Schnapper von der Tanke. Die Wahrheit, und um nichts anderes geht es bekanntlich in dieser Kolumne, ist ganz woanders zu finden. Dort nämlich, wo die Zukunft liegt und wo Smartphone und Finger ein harmonisches Ganzes  bilden – bei der jungen Generation. Deren Vertretern sagt man ja nach, sie würden in einer ganz besonderen Sprache miteinander kommunizieren. Wie sich die angeblich anhört, präsentiert der Langenscheidt-Verlag jedes Jahr schriftlich. Die klugen Menschen vom Sprachverlag küren dann nämlich immer drei „Jugendwörter des Jahres“.

    Läuft´s bei der SPD?

    Und damit zurück zur Gammelfleischparty. Die heißt so, weil man aus Sicht eines 15-Jährigen mit 30 eher jenseits als diesseits von Gut und Böse ist, weshalb die genannte Party auch eine Ü30-Zusammenkunft beschreibt. Und die reine Wahrheit ist, dass beispielsweise im Würzburger Stadtrat  alle Ü30 sind – und damit in einem mehr als bedenklichen Alter, wenn es nach der Smartphone-Generation geht. In diesem Alter befindet sich mit seinen 50 Lenzen auch Würzburgs „Babo“, was einen Anführer oder Boss meint – also OB Christian Schuchardt. Der Babo würde nach der OB-Wahl im März 2020 sicher eine andere Floskel gerne hören:  „Läuft bei dir!“. Damit ist keine Schnupfennase gemeint, sondern ein Erfolg. Allerdings, auch das kann man bei Langenscheidt nachlesen, wird die Floskel manchmal ironisch gebraucht, weshalb sich die SPD mal nicht zu früh freuen sollte, wenn ihr jemand „Läuft bei euch!“ nachruft.

    Europawahl war "verbuggt"

    Apropos Wahlen. Die kann man nicht nur gewinnen oder verlieren, sondern auch "verbuggen", also mit einem Fehler versehen. Zumindest in Würzburg hat man das schon mal gut hingekriegt, als ein paar Tage vor der Europawahl ein Briefkasten mit Wahlunterlagen zum Tag der offen Tür einlud. Ein ziemlicher "Epic Fail", wie die Jugendlichen gerne zu solch groben Fehlern sagen. Zumindest war das laut Langenscheidt im Jahr 2011 so. Damals war auch der sogenannte "Swag", zu deutsch eine „beneidenswert coole Ausstrahlung“, in aller Munde.

    Würzburger sind nicht "unterhopft"

    Zum Schluss noch etwas Positives aus der Stadt. Würzburg ist bekannt für den Brückenschoppen. Damit die Alte Mainbrücke nicht eines Abends unter der Menschenlast zusammenbricht, sorgen Frühjahrsvolksfest, Kiliani und einige Biergärten dafür, dass die Bürger niemals "unterhopft" sind. Im Jahr 2008 hieß das: Man(n) hat Lust auf ein Bier. Ein Kollege hier im Büro fühlt sich manchmal vor Feierabend so. Die Jugendlichen würden sagen:"Gönn dir!", aber pass auf, dass du nicht "überhopfst". Die Würzburger Wahrheiten für nächsten Montag schreiben sich nämlich nicht von selbst.

    Worüber spricht die Stadt? Das stellen Autoren dieser Redaktion wöchentlich in unterhaltsamer Weise zusammen. Foto: Heike Grigull

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