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    Würzburg

    Würzburger Weggefährten erinnern sich an Erich Felgenhauer

    Ein Archivbild aus dem Jahr 1996 zeigt Erich Felgenhauer im OB-Wahlkampf. Auch da war er mit seinem Fahrrad unterwegs. Foto: Pompetzki

    Mit 79 Jahren ist Erich Felgenhauer, ehemaliger Dritter Bürgermeister Würzburgs und langjähriges Mitglied des Stadtrats, am Donnerstag gestorben. Felgenhauer war schon länger krank gewesen und hat im Sommer sein Mandat nieder gelegt. "Die Gesundheit lässt es leider nicht mehr zu", sagte Felgenhauer in seinem letzten Gespräch mit dieser Redaktion im Juni: "Ich bin traurig, aber gleichzeitig auch froh, diese Pflicht abgeben zu können."

    Als Oberbürgermeister Christian Schuchardt die traurige Nachricht am Donnerstagabend in der Stadtratssitzung bekannt gab, erhoben sich die Stadtratsmitglieder zu einer spontanen Gedenkminute. Bis zu seinem Ausscheiden war Felgenhauer fast 50 Jahre Mitglied des Stadtrats gewesen und das dienstälteste Mitglied des Gremiums.

    "Er liebte die Stadt und ihre Menschen"
    Alt-OB Jürgen Weber

    Der christsozialen Fraktion im Stadtrat gehörte Felgenhauer über 40 Jahre lang an. "Ich bin wirklich traurig über seinen Tod", sagt Fraktionsvorsitzender Wolfgang Roth. Noch im Frühjahr habe man gemeinsam einen Schoppen getrunken. Dass Felgenhauer nicht immer der Linie der Fraktion folgte, konnte Roth akzeptieren. "Denn es ging ihm immer um die Sache." CSU-Fraktionsvorsitzende Christine Bötsch würdige Felgenhauer als "einen politischen Seismographen, der wusste, was die Menschen bewegt."

    "Bürgersprechstunde halte ich auf der Straße", so hat Felgenhauer 2010 seinen Politikstil selbst beschrieben. Damals war er noch rund um die Uhr unterwegs. Morgens zum Frühstücken im Café, nachmittags zu einer seiner Stadtführungen, abends ging er zu Veranstaltungen oder in eine Weinstube. Dazwischen radelte er durch die Stadt. "Mein Lebensinhalt ist Würzburg", sagte er in einem Interview zu seinem 70. Geburtstag. Im vergangenen Jahr war Felgenhauer aber nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen.

    Felgenhauer kämpfte auch für die kleinen Dinge

    "Er liebte diese Stadt und ihre Menschen", sagt Alt-OB Jürgen Weber über Felgenhauer. Die beiden Jugendfreunde hatten lange gemeinsam Kommunalpolitik gemacht, waren aber auch politische Gegner gewesen. In den letzten Jahren konnten sie wieder miteinander. Weber schätzte an ihm besonders den "leidenschaftlichen Einsatz". Felgenhauers Herzensanliegen war das Stadtbild, aber auch für die kleinen Dinge, wie den Bau von Toilettenhäuschen, kämpfte er.

    "Seine Direktheit brachte ihm den Respekt von vielen Menschen ein, die seine Positionen so nicht unbedingt teilten", schreibt OB Schuchardt in einer Pressemitteilung zum Tod Felgenhauers. Die Formulierung, ein Mensch sei ein "Original", sei vielleicht schon ein paar Mal zu oft bemüht worden – bei Erich Felgenhauer sei die Bezeichnung "Würzburger Original" aber wohl sehr zutreffend. 

    Bernhardiner und Blumen

    Felgenhauer war von 1978 bis 1990 Dritter Bürgermeister der Stadt. Eine Zwangspause legte er zwischen 1996 und 2002 ein: Damals war er aus der CSU aus- und als parteiloser Oberbürgermeisterkandidat bei der Kommunalwahl angetreten. In der Stichwahl verlor er gegen den damals amtierenden OB Weber und blieb die nächsten sechs Jahre dem Stadtrat fern. 2002 zog er mit dem von ihm mitgegründeten Bürgerforum wieder ein. 2008 kehrte er zur CSU zurück.

    Erich Felgenhauer bei einer Führung im Röntgenmuseum 2011. Foto: Theresa Müller

    "Erich war für Würzburg und auch für mich persönlich ein wertvoller Mensch", sagt Charlotte Schloßareck, Stadträtin des Bürgerforums. Sie hat Felgenhauer als "aufmerksamen Menschen" erlebt und ist dankbar, dass er sie zur Kommunalpolitik gebracht und ihr viele Tipps und Tricks gegeben hat.

    Ältere Würzburger werden "den Erich" mit seinem Hund in Erinnerung behalten. Besonders sein Bernhardiner "Philip" war stadtbekannt. Diesen führte auch die Autorin dieser Zeilen als Kind spazieren. Später lernte sie den Junggesellen als Gentlemen alter Schule kennen. Zu Interviews brachte er ihr immer einen Blumenstrauß mit. Damals durften älterere Männer so etwas noch tun und jüngere Journalistinnen das auch noch annehmen...

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