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    Würzburg

    Würzburger zeigte Hitlergruß ausgerechnet am 16. März

    Ein 32-Jähriger habe den rechten Arm gehoben, "Heil Hitler" gegrölt und sich dabei selbst im Schaufenster einer Spielothek in der Eichhornstraße beobachtet, gab ein Augenzeuge zu Protokoll. Foto: Thinkstock

    Ausgerechnet am 74. Jahrestag der Zerstörung Würzburgs durch den Bombenangriff der Alliierten hat ein Mann in der Fußgängerzone den Hitlergruß gezeigt: Er hob am frühen Nachmittag des 16. März 2019 in der Eichhornstraße den rechten Arm und brüllte dazu "Heil Hitler". Am Mittwoch musste sich der Arbeitslose wegen "Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" vor dem Amtsgericht verantworten.

    Ob dem 32-jährigen Würzburger der historische Zusammenhang zwischen dem Datum und seiner Tat bekannt war, kam in dem knapp halbstündigen Prozess nicht zur Sprache. Der Angeklagte räumte seine Tat ein und betonte gleichzeitig, kein Nazi zu sein: "Ich sage so etwas eigentlich nie. Ich verstehe nicht, warum ich das getan habe."

    Angeklagter hat acht Vorstrafen

    Völlig wesensfremd ist ihm das Verhalten aber nicht, unter seinen insgesamt acht Vorstrafen findet sich nämlich auch eine einschlägige Tat: 2015 war der Mann bei einem Strafprozess vor der 1. Strafkammer des Würzburger Landgerichts als Zeuge geladen und hob während der Zeugenbelehrung durch den Vorsitzenden Richter den Arm zum Hitlergruß.

    Seine Version damals wie heute: Er habe im Sitzungssaal lediglich ins Publikum gewunken. Die Tat kostete ihn 800 Euro Geldstrafe, und weil anschließend im Zeugenstand des Landgerichts auch noch eine Falschaussage folgte, wurde er zusätzlich wegen versuchter Strafvereitelung rechtskräftig zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Noch knapp in diese Bewährungszeit hinein fiel das neue Vergehen in der Eichhornstraße, das von einem Polizeibeamten, der zu diesem Zeitpunkt privat unterwegs war, beobachtet und zur Anzeige gebracht wurde.

    Irritierte Passanten

    Der 32-Jährige habe den rechten Arm gehoben, "Heil Hitler" gegrölt und sich dabei selbst im Schaufenster einer Spielothek in der Eichhornstraße beobachtet, gab der Augenzeuge zu Protokoll: "Einige Passanten waren von dem Verhalten irritiert."

    Bei seiner Vernehmung durch Beamte der Polizeiinspektion Würzburg gab der Angeklagte kurze Zeit später an, er habe sich nur gefreut und daher beide Arme in die Luft gestreckt. Er hatte bei der Tat nicht nur deutlich über zwei Promille Alkohol im Blut, sondern nach eigenen Angaben zuvor auch Beruhigungsmittel eingenommen. Außerdem bekomme er als Drogenabhängiger jeden Morgen von seiner Ärztin eine Dosis des Drogen-Ersatzstoffes Subutex.

    Zustand der Schuldunfähigkeit?

    Aufgrund dieser Mischung waren der Staatsanwalt und Strafrichter gewillt, zu Gunsten des Angeklagten von einer Einschränkung der Schuldfähigkeit auszugehen. Das war dem 32-Jährigen und seinem Pflichtverteidiger aber nicht genug: Der Anwalt geht davon aus, dass sein Mandant im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hat und beantragte ein entsprechendes Gutachten.

    Anklagevertreter und Vorsitzender machten keinen Hehl daraus, dass sie als Ergebnis des Gutachtens keine Schuldunfähigkeit erwarten. Der 32-Jährige, der noch bei seiner Mutter wohnt, sei seit vielen Jahren an Alkohol und Drogen gewöhnt. Außerdem habe er trotz seines Zustandes "eine sinnvolle Antwort auf den Vorhalt der Polizeibeamten gegeben", so der Staatsanwalt. Nach acht Vorstrafen innerhalb von sieben Jahren, darunter Beleidigung, Diebstahl und Betrug, täte dem Angeklagten nach seinen Worten "ein längerer Aufenthalt in der JVA vielleicht mal ganz gut".

    Ob es am Ende zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung kommen wird, hängt nicht nur, aber auch vom psychiatrischen Gutachten ab. Wenn dessen Ergebnis in einigen Monaten vorliegt, wird der Prozess noch einmal von vorne aufgerollt. Im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung muss der Angeklagte dann auch die nicht unerheblichen Kosten für das Gutachten übernehmen.

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