• aktualisiert:

    Würzburg

    Würzburgs Kult-Kutter unter neuer Flagge

    Nachdem das bisherige Team der "Fischbar zum Krebs" den Betrieb aufgegeben hatte, hat der traditionelle Kutter eine neue Betreiberin gefunden. Foto: Daniel Peter

    Alles klang wie ein Aprilscherz: Am 1. April gab das Team der kultigen "Fischbar zum Krebs" über soziale Medien bekannt, dass der Betrieb nicht wie gewohnt weitergehen werde. Viele Kommentatoren befürchteten das Ende des beliebten Treffpunkts, denn über Gründe oder die zukünftige Bewirtschaftung hüllten sich die Betreiber in Stillschweigen. Nachfragen der Fangemeinde blieben wochenlang unbeantwortet, auch auf Anfragen dieser Redaktion reagierten die Betreiber nicht. Für fragende Gesichter hat das Team bereits 2016 gesorgt. Damals gab es ebenfalls über Facebook bekannt, dass der Kutter verkauft werden soll. Jedoch war es die Fischbar selbst, die den Kutter nach einem Pachtverhältnis kaufen wollte.

    Geld durch Spendenaktion

    Doch für den Kaufpreis von 100 000 Euro fehlte das Geld. Die Zukunft des „Fischbrötchen-Bötchens“, wie die Betreiber ihr Schiff damals liebevoll nannten, war ungewiss – die Welle der Anteilnahme bei den Stammgästen dagegen riesig. Durch eine Spendenaktion sollte wenigstens die erste von fünf Raten zusammenkommen. Wer Geld zur Verfügung stellte, bekam eine Gegenleistung des Kutters – wahlweise zehn Prozent Rabatt für Speisen und Getränke für ein Jahr oder lebenslang. Oder aber eine Messingplakette mit dem eigenen Namen auf dem Kutter, wenn höhere Beiträge gespendet wurden. Ab dem zweiten Jahr sollte sich der Kutter dann finanziell komplett selbst tragen.

    Schiff wohl vor dem Untergang

    Das scheint jedoch nicht funktioniert zu haben, wie Tülin Arslan im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt. Sie ist die neue Betreiberin des kultigen Kutters, der jetzt "Main Kutter Würzburg" heißt. Mit dem Boot hat sie eine enge Bindung. Denn ihr Sohn war einer der neun Betreiber der Fischbar gewesen. Über ihn habe sie auch erfahren, dass das Schiff finanziell gesehen vorm Untergang stand. 

    Tülin Arslan ist die neue Kapitänin der ehemaligen "Fischbar zum Krebs". Das Boot betreibt sie seit Kurzem unter dem Namen "Main Kutter Würzburg". Foto: Daniel Peter

    "Mein Sohn hat mich angerufen und gesagt 'Mama, wir können die Rate nicht mehr zahlen'", erinnert sich Arslan im Gespräch mit dieser Redaktion. Damals arbeitete sie noch in Amerika und lehrte an einer Universität Betriebswirtschaftslehre. Da sie selbst oft Gast auf dem Kutter war und ihr das Boot am Herzen lag, traf sie sich dann Mitte März mit dem Besitzer und unterbreitete ihm ein Angebot. "Ich habe nicht mit einer Chance gerechnet", sagt die Würzburgerin. Doch es klappte. 

    Spendenaktion sorgt jetzt für Unmut

    Ende April öffnete dann wieder der Bootssteg zum Kutter. Doch es gab Veränderungen. Arslan investierte und kaufte beispielsweise neue Möbel und unternahm in Sachen Sauberkeit eine Kehrtwende. "Bei uns soll man vom Boden essen können", findet sie. Nicht jedem gefalle das. "Einigen fehlt die Schmuddeligkeit von früher", erzählt sie lachend. Trotzdem seien die Rückmeldungen größtenteils sehr positiv. Für Ärger sorgt aber heute noch die Spendenaktion von damals. Denn Gäste würden gerne noch ihre Rabattkarten einlösen. "Viele sind sauer, die investiert haben", sagt Arslan. Und dafür hat sie Verständnis. Aus Kulanz werden die Gutscheine dieses Jahr akzeptiert, auch wenn sie dies nicht müsste. 

    "Mit dem Kutter wird man niemals reich."
    Dr. Tülin Arslan, Betreiberin

    Den Betrieb habe sie nur übernommen, da sie nach eigener Aussage "keinen finanziellen Druck hat". Denn wie sie klar und deutlich sagt: "Mit dem Kutter wird man niemals reich." Grund dafür seien die hohen Fixkosten, allen voran für die Anliegestelle und die Personalkosten. 14 Mitarbeiter beschäftigt Arslan, die meisten seien Studenten. Zudem ist das Boot mittlerweile über 90 Jahre alt. Deswegen gehe hier und da auch immer mal etwas kaputt. "Es ist eben kein Selbstläufer", so die Betriebswirtin. 

    Im Moment ist sie täglich selbst auf dem Kutter und überlegt, was es noch zu verbessern gibt. Beispielsweise wünscht sie sich einen Koch mit "kreativen Ideen", der trotz der begrenzten Möglichkeiten auf dem Boot arbeiten kann. Grundsätzlich möchte sie diese Saison bis Oktober einfach mal schauen, wie der Betrieb läuft und danach entscheiden, wie es weiter geht. Ihr Ziel: "Auf dem Kutter soll es sich wie Urlaub zu Hause anfühlen".

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (4)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!