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    Würzburg

    Würzburgs Uniklinik wächst: Erleichterung über Kompromiss

    Im Vordergrund die Zentren für Operative und Innere Medizin: Um 20 Hektar sollte die Würzburger Uniklinik nach Norden wachsen - und das Juliusspital dafür 17,7 Hektar Fläche (rot) an den Freistaat verkaufen. Jetzt hat man sich auf eine Teilfläche von zehn Hektar verständigt. Foto: Dziamski/Uniklinik

    Noch ist der Vertrag nicht unterschrieben. Mittlerweile rechnet aber niemand mehr damit, dass der Ausbau der Würzburger Uniklinik am Grunderwerb scheitern könnte. Kleine verbliebene Hürden, so heißt es von den Beteiligten, sollen zügig genommen werden. Dann könnte bereits in den kommenden Wochen der Architektenwettbewerb für das Milliardenprojekt ausgeschrieben werden.

    Die Stiftung Juliusspital und der Freistaat feilschen seit eineinhalb Jahren um den Ankauf der benötigten Flächen nördlich des bestehenden Klinikums. Kopfkliniken, ein Zentrum Frauen-Mutter-Kind und eine neue Energiezentrale sollen dort entstehen.

    Abgespeckte Variante: Freistaat kauft nur noch zehn Hektar für Klinikneubauten

    Ein Vertrag aus dem Jahr 1994 sicherte der Universität ein Ankaufsrecht zu. Doch über den Preis – Ackerland oder Bauerwartungsland – gingen die Vorstellungen weit auseinander. Die betreffenden beiden Grundstücke werden derzeit noch landwirtschaftlich vom Rotkreuzhof des Juliusspitals genutzt.

    Mit einem Tag der Offenen Tür präsentierten sich die Zentren für Operative und Innere Medizin der Uniklinik im Juni der Öffentlichkeit. Anlass war das 15- und zehnjährige Bestehen. Foto: Angie Wolf, Uniklinikum Würzburg

    Vor einer Woche wurde in einer gemeinsamen Sitzung des Haushalts- und Wissenschaftsausschusses im Landtag von den Ministerialbeamten eine Einigung verkündet. Danach kauft der Freistaat für die Klinikerweiterung nur noch zehn statt anfänglich geplanter fast 20 Hektar. Gleichzeitig gibt man das Ankaufsrecht für die restlichen Flächen auf – eine Bedingung des Juliusspitals. Für ein zweites, derzeit nicht benötigtes Zehn-Hektar-Grundstück soll die Universität ebenfalls dauerhaft auf ihr Ankaufsrecht verzichten. Auch hier, so heißt es intern, stehe die Ampel auf grün.

    20 Jahre Planungs- und Bauzeit? Hoffen auf schnellere Realisierung

    Für die Uniklinik ist Ärztlicher Direktor Georg Ertl erleichert. Er weiß: Eine gerichtliche Auseinandersetzung hätte das Projekt leicht um zwei bis drei Jahre verzögert. Zeit, die man nicht hat. Die Baupreise steigen rasant. Und schon heute muss ein erheblicher Sanierungsaufwand für die Altkliniken betrieben werden.

    Zwar weniger Fläche als erhofft - trotzdem ist Georg Ertl, Ärztliche Direktor des Uniklinikums, froh über die Einigung. Foto: Dita Vollmond

    Außerdem: Bis die neuen Kliniken stehen, gehen einige Jahre ins Land. Dass die Staatsregierung für beide Bauabschnitte nun mit 20 Jahren kalkuliert, will der Klinikchef noch nicht so recht wahrhaben: "Wir hoffen, dass es schneller geht und das Geld dafür da ist." Gebaut werden im ersten Bauabschnitt gleichzeitig Teile der Kopfklinik und die neue Frauenklinik, Kinderklinik und Neurologie sollen dann folgen.

    Künftige Erweiterungen bei der Planung berücksichtigen

    Es entsteht ein zentraler OP-Bereich, der für alle zu nutzen ist. "Mit Blick auf die Synergien ist das sehr sinnvoll", sagt Ertl.  Die verbliebenen zehn Hektar für die neuen Kliniken seien zwar knapp bemessen, aber ausreichend. Allerdings will man die Planung so offen anlegen, dass spätere Erweiterungen möglich sind – anders als bei den Zentren für Operative und Innere Medizin.

    Sei eineinhalb Jahren als Vermittlerin zwischen Juliusspital und Freistaat im Einsatz: die frühere Landtagspräsidentin Barbara Stamm aus Würzburg. Foto: Thomas Obermeier

    Der Grunderwerb durch den Freistaat ist ein Kompromiss des finanziell Machbaren. Trotz der Kürzungen überwiegt beim Klinikchef die Dankbarkeit. Alle hätten sich sehr bemüht. Das gilt besonders für die langjährige Würzburger Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). Sie hat den Klinikausbau zur persönlichen Herzenssache gemacht und wirkte über Monate als Vermittlerin zwischen Freistaat und Juliusspital. Stamm spricht von "Erleichterung, dass wir jetzt auf der Zielgeraden sind." Allerdings gelte es auch nach Vertragsabschluss am Ball zu bleiben, damit die Baumaßnahmen zügig vorankommen und Gelder in den Haushalten des Freistaats eingestellt werden.

    Juliusspital: "Es braucht einen angemessenen Wertausgleich"

    Zuversichtlich äußert sich auch Walter Herberth als Oberpflegamtsdirektor der Stiftung Juliusspital. Täglich werde derzeit der Notarvertrag mit dem Freistaat abgestimmt. Herberth hält eine Unterzeichnung noch im Juli für möglich.

    Vertritt die Interessen der Stiftung Juliusspital: Oberpflegamtsdirektor Walter Herberth. Foto: Theresa Müller

    Er versichert: Man wolle den Klinikausbau der Uni nicht blockieren – schon gar nicht aus Konkurrenzdenken. "Aber für die verkaufte Fläche braucht es einen angemessenen Wertausgleich." Diesen habe man nun gefunden, mit einem "Mischpreis" aus Ackerland und Bauerwartungsland und dem Verzicht auf die restlichen Ankaufsrechte.

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