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    Würzburg

    Zu viel Rücksicht auf den motorisierten Individualverkehr

    Viele kleine rote Punkte markieren die Stellen, an denen in Würzburg die Situation für den Radverkehr verbessert werden muss - gesehen beim "mobilitätskritischen Rundgang" von Greenpeace. Foto: Patrick Wötzel

    Auf der Suche nach Alternativen zum motorisierten Individualverkehr: Zum Abschluss der Aktionen zur Europäischen Mobilitätswoche hatte die Würzburger Greenpeace-Gruppe am Sonntag zu einem mobilitätskritischen Stadtrundgang mit Experten eingeladen. Bis zu 20 Menschen nahmen teil, und am Ende waren sich alle weitgehend einig: Es gibt zu viele Autos in der Stadt, weil wirklich attraktive ÖPNV-Angebote und gute Radverkehrsanlagen (noch) fehlen.

    "Wenn wir über Mobilität in der Stadt reden, müssen wir über den Autoverkehr und seine Folgen reden", sagte Benedikt Seger von Greenpeace zur Begrüßung am Domvorplatz. Alte Mainbrücke, Domstraße und Marktplatz wurden anhand historischer Fotos mit fahrenden und abgestellten Autos als Paradebeispiel dafür präsentiert, wie die Lebensqualität steigt, wenn der Autoverkehr aus bestimmten Bereichen der Innenstadt herausgenommen wird. Als Zukunftsvision für den Lieferverkehr, der die Fußgängerzone am Vormittag weiterhin befahren darf, nannte Seger zentrale Lkw-Anlieferpunkte in der Nähe der Innenstadt: Von dort könnten Waren dann umweltfreundlich "auf der letzten Meile mit Lastenrädern transportiert werden".

    Noch weiter Weg bis zu "Fahrradfreundlicher Kommune"

    Weiter ging es mit dem Radverkehr: Zwar gibt es in Würzburg inzwischen die erste offizielle Fahrradstraße, "aber da ist alles noch genauso wie vorher", sagte ein Teilnehmer des zweistündigen Rundgangs. Seit zwei Wochen darf sich die Stadt außerdem mit dem Etikett "Fahrradfreundliche Kommune" schmücken. "Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg", betonte Christian Loos vom Kreisverband Mainfranken des Verkehrsclubs Deutschland: "Dem Autoverkehr wird nach wie vor sehr viel Fläche zur Verfügung gestellt, Radfahrer und Fußgänger werden fast überall auf enge Restflächen verdrängt."

    Dadurch komme es auch immer wieder zu Konflikten, zum Beispiel in der Fußgängerzone, die laut Loos für Radfahrende oft die einzige Möglichkeit ist, "schnell und bequem von A nach B zu kommen". Dabei habe der Radverkehr neben den positiven Effekten für die Gesundheit gerade in der Stadt Vorteile: "Die Fahrzeiten sind häufig deutlich kürzer als beim ÖPNV und beim Auto."

    50 000 Pendler durchqueren täglich die Stadt

    Weitere Stationen des Stadtrundgangs waren die Eichhornstraße, wo Niklas Dehne von der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) über geplante Verbesserungen des ÖPNV-Angebots sprach, und der Kreisverkehr am Ende der Semmelstraße. Dort konnten die Teilnehmer mit einem tragbaren Holzgestell in der Größe eines "Tesla X" erfahren, dass auch große E-Autos künftig viel Raum beanspruchen werden – in Fall des Tesla ziemlich genau zehn Quadratmeter. "Kleinere Fahrzeuge würden in der Stadt viel mehr Sinn machen", sagte eine Teilnehmerin.

    Einen großen Anteil am Verkehr haben die knapp 50 000 Pendler, die an jedem Werktag mit dem Pkw in die oder durch die Stadt zu ihrem Arbeitsplatz fahren. Am Berliner Ring, der letzten Station des Rundgangs, wurden bei der letzten Erhebung im Jahr 2010 rund 45 000 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden gezählt – mit den entsprechenden Folgen für Luftqualität und Lärmbelastung. "Inzwischen müssten es gut 50 000 sein", sagte SPD-Stadtrat Udo Feldinger: "In den letzten Jahren wurde bei Planungen immer noch auf den motorisierten Individualverkehr Rücksicht genommen. Ich hoffe auf einen forscheren Stadtrat in der nächsten Wahlperiode."

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