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    Würzburg

    Zum 100. Jubiläum erklingt Mozarts eigene Geige

    Zwei Frauen als Chefinnen: Geschäftsführerin Katharina Strein (links) und Intendantin Evelyn Meining sind verantwortlich für das Mozartfest. Foto: Thomas Obermeier

    Zum 100. Mal lockt  im Jahr 2021 das Mozartfest Freunde der klassischen Musik aus nah und fern nach Würzburg.  Dass diese Jubiläumsausgabe des Festivals keine nach dem Motto  "Business as usual" werden wird, liegt auf der Hand. Und wer Mozartfest-Intendantin Evelyn Meining und ihre künstlerischen Ansprüche kennt, kann sich leicht ausmalen, dass sie das 100. Mozartfest nutzen wird, um etwas ganz Spezielles auf die Beine stellen. In dieser Woche warb sie erneut im Schul- und Kulturausschuss für die Jubiläumsveranstaltung und stellte weitere Details der Planungen vor. Und selbstverständlich hat das auch etwas mit Geld zu tun.

    Natürlich werden auch 2021 hochkarätige Orchester, Ensembles und Solisten auftreten. Das liegt in der Natur der Sache. Doch wenn Evelyn Meiningverspricht, für den runden Geburtstag ein "besonders ehrgeiziges Programm mit den besten Orchestern zusammenzustellen", dann kann man schon von Hochkarätern ausgehen. Ein Detail gab sie im Kulturaussschuss schon einmal preis: Beim Eröffnungskonzert wird die "Sinfonia concertante" aufgeführt und dabei werden Wolfgang Amadeus Mozarts eigene Geige und Bratsche erklingen - für Mozartfreunde sicher ein Erlebnis der ganz besonderen Art.  

    Mozart-Brief über Würzburg im Original in der Ausstellung

    Ein Mozart-Unikat wird auch bei der Ausstellung "100 Jahre Mozartfest - 100 Mozart#Bilder" im Martin-von-Wagner-Museum gezeigt. Dort wird nämlich jener Brief im Original zu sehen sei, in dem Mozart von seiner Kaffeepause in Würzburg berichtet.  Was man bisher noch nicht weiß: Wo genau ist  Mozart eingekehrt und sich den Kaffee schmecken lassen? Eine Antwort auf diese Frage versucht gerade der Würzburger Musikwissenschaftler und Mozart-Experte Prof. Ulrich Konrad zu finden.  Neben Bildern so bedeutender Künstler wie Max Slevogt, Oskar Kokoschka oder Eugene Delacroix werden auch die von Marc Chagall entworfenen Kostüme für die "Zauberflöte" ausgestellt. Sie werden vom Museum der Metropolitan Opera in New York zur Verfügung gestellt. "Das ist alles echte Weltkunst", beschrieb die Intendantin die Bedeutung der geplanten Ausstellung. 

    Das Logo des Mozartfests 2019, bei dem der Frage nachgegangen wird, ob Wolfgang Amadeus Mozart ein Romantiker gewesen ist. Foto: Mozartfest

    Ein Highlight erwartet sich Evelyn Meining auch vom Abschlusskonzert des Mozartfests 2021. Dafür geht es heraus aus dem Konzertsaal auf den Residenzplatz. Verpflichtet wurde für das abendliche Klassik-Open-Air das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit seinem Chefdirigenten Mariss Jansons. Hinzu kommt noch ein Solistenstar der Klassik-Szene. Wenn das Wetter mitspielt, werden dazu bis zu 10 000 Besucher erwartet. Weiter im Jubiläumsprogramm: Eine hochwertige Buchpublikation über 100 Jahre Mozartfest. Dabei gehe es, so Meining, vor allem um die Frage, wie verschiedenartig Künstlerinnen und Künstler innerhalb von 100 Jahren das Werk des Komponisten interpretiert haben. "Schließlich haben in diesen 100 Jahren die besten Mozart-Interpreten ihrer Zeit in Würzburg gespielt",  sagt Meining. Damit man dies nicht nur lesen, sondern auch hören kann, wird zum Jubiläum auch eine CD-Box mit historischen Aufnahmen aus diversen Archiven veröffentlicht. 

    Mozartfest-Konzerte werden in die ganze Welt übertragen

    "Wieviel Mozart braucht der Mensch?" lautet der Titel einer Vortragsreihe mit hochkarätigen Referenten wie dem Würzburger Kulturpreisträger des Jahres 2019, Hans-Ulrich Gumbrecht. Ein Konzertprojekt mit und in den europäischen Metropolen London, Paris, Prag, Brüssel und Wien wird mehrere bisherige "Artistes Etoile" zurück nach Würzburg führen. Und schließlich sollen sich unter dem Motto "#100 für 100" 100 regionale Initiativen, Schulen, Geschäftsleute oder Ähnliches zusammenfinden, um ihren Beitrag zu "100 Jahre Mozartfest" zu leisten.   Meining: "Die ganze Stadt soll das Jubiläum atmen." 

    Dass derartige teils äußerst aufwändige Veranstaltungen nicht nur großen personellen Aufwand und Einsatz einfordern, sondern auch Geld kosten, versteht sich von selbst. Dass es sich aber lohnt in das 100. Mozartfest zu investieren, machte Evelyn Meining deutlich. So habe beispielsweise Bundespräsident Frank Walter Steinmeier angeboten, die Schirmherrschaft zu übernehmen. 100 Jahre Mozartfest seien zudem eine einmalige Chance, die einmalige Marke Mozartfest, weit über die Stadt hinaus darzustellen. Schließlich hätten in den letzten Jahren viele Rundfunk- und TV-Anstalten die kulturelle Bedeutung des Mozartfests erkannt und viele Konzerte weltweit übertragen. Diese internationale Wahrnehmung locke ihrerseits wieder Kulturtouristen in die Stadt, die bei ihren Besuchen in Hotels, Restaurants und Geschäften Geld ausgeben. Das Mozartfest, so Meining im Ausschuss, sei ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, "dass Qualität auch außerhalb von Metropolen ein Zuhause hat".

    OB Schuchardt: Mozartfest spielt in der ersten Liga

    Wenn diese Erwartungen jedoch erfüllt werden sollen, müsse die Stadt Würzburg aber auch festlegen, wieviel Geld ihr das Festival wert ist, appellierte die Mozartfest-Intendantin.  Für die Jubiläumsvorbereitungen in den Jahren 2018 bis 2020 hat die Stadt bisher 100 000 Euro bereitgestellt. Für die Jahre 2020 und 2021 kommen nochmals 120 000 bzw. 113 000 Euro dazu.  Zum Vergleich: In diesem Jahr wird das Mozartfest 2,28 Millionen Euro kosten, im Jubiläumsjahr werden es voraussichtlich 3,72 Millionen sein. Darin enthalten  sind in diesem Jahr die Kosten für alle regulären Konzerte, alle Projektstellen (für das Jubiläum) sowie die Vorbereitungskosten für die Sonderprojekte 2021.  Im Etat für 2021 sind die Kosten für die regulären Konzerte sowie die Projektstellen und alle Sonderprojekte enthalten. Auch wenn die aktuellen Summen also ansteigen, sinkt der städtische Anteil von 30,5 Prozent (2019) auf auf 21,7 Prozent (2021) hat man im Mozartfestbüro errechnet. 

    Dennoch ist sich Oberbürgermeister Christian Schuchardt der Bedeutung des Mozartfests für die Stadt bewusst:  "Wir wollen mit dem Mozartfest 2021 eine Landmarke setzen, denn wir spielen mit dem Mozartfest in der ersten Liga". Das sieht auch Evelyn Meining so, wenn sie betont: "Unsere Eigenfinanzierungsquote ist herausragend. Wir erwirtschaften 50 Prozent selbst, üblich sind 20, bei Festivals 30 Prozent".

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