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    KLEINRINDERFELD

    Zwei Fässchen für den neuen Bischof

    Bildhauer Kurt Grimm in seiner Werkstatt bei der Arbeit an Fässchen Nummer zwei. Foto: Markus Hauck, POW

    Mit dem Klüpfel schlägt Bildhauer Kurt Grimm präzise auf sein Schnitzeisen ein. Nach und nach schneidet er so am unteren Rand des hölzernen Schriftbands entlang. Dann hält er das Eisen fast waagrecht und löst nach und nach kleine keilförmige Spreißel vom Eichenholz ab. Es ist Anfang Mai, und Grimm fertigt in seinem Atelier die Schnitzereien für die beiden Weinfässchen, die dem neuen Bischof Franz Jung nach altem fränkischem Brauch zur Amtseinführung überreicht werden. Sie zeigen jeweils das Wappen und den Wahlspruch des 89. Bischofs von Würzburg. Eines wird bei der Weiheliturgie am 10. Juni zum Altar gebracht, berichtet der Pressedienst des Bischöfliche Ordinariats.

    Bereits im Bericht von der Weihe des Fürstbischofs Julius Echter im 16. Jahrhundert sind in historischen Unterlagen zwei „Fässlein“ genannt, die von adeligen Knaben bei der Gabenbereitung nach vorne getragen wurden. Das Bistum Würzburg hatte diese bestellt, besorgen musste sie der Fiskal, der Finanzchef des Hochstifts. Die beiden Fässchen mit den Wappen des Weihenden und des Weihekandidaten erhielt damals der Konsekrator als Ehrengabe. Weiter wurden ihm zwei Kerzen und zwei Brote gereicht. Die Geste hat sich bis in unsere Tage erhalten, mit dem Unterschied, dass der neue Bischof die Gaben erhält. Der Brauch mit den Weinfässchen wurde, wie der frühere Bistumshistoriker Dr. Erik Soder von Güldenstubbe herausfand, auch in Bamberg praktiziert. Ob der Wein zur Stärkung nach der anstrengenden Amtseinführung diente, als Schlaftrunk für die ersten Wochen im Würzburger Bischofspalais gedacht war oder aber der Bischof ihn mit den Domherrn genoss – eine Antwort darauf lässt sich in den Quellen nicht finden.

    „Es ist schon der dritte derartige Auftrag, den ich für das Bistum Würzburg ausführen darf“, erzählt der Künstler. Schon für Bischof Dr. Friedhelm Hofmann und Weihbischof Ulrich Boom hat Grimm das Wappen als Schnitzerei in Fässchen gezaubert. Und auch diesmal ist es eine recht knifflige Sache. In zwei Tagen Arbeit hat der Eußenheimer Büttnermeister Andreas Aßmann (47) aus abgelagerter Eiche in Handarbeit die beiden Zehn-Liter-Fässer zusammengesetzt. Und bei der Übergabe an den Schnitzer darauf hingewiesen, dass das Wappen jeweils maximal vier Millimeter tief in das Holz eingeschnitten werden darf – „sonst sind Stabilität und Dichtheit nicht mehr gewährleistet“. Mit der Schieblehre überprüft Grimm in regelmäßigen Abständen, ob alles im grünen Bereich ist.

    Bevor er ans Werk gehen konnte, hat Grimm die Vorlage des Wappens mit Hilfe eines Kopierers so verkleinert, dass es auf die 22 auf 15 Zentimeter große Holzfläche übertragen werden kann. „Dann muss ich mir überlegen, welche Stellen erhaben und welche tiefer werden sollen. Ich beginne dann an der höchsten Stelle.“ Damit heraldisch alles richtig ist, hat er recherchiert und sich zahlreiche alte Wappenschnitzereien angeschaut. „Der fränkische Rechen ist in der von mir bevorzugten Variante erhaben.“

    Bis zu 30 verschiedene Schnitzeisen aus Grimms Fundus von mehreren Hundert kommen zum Einsatz. Es gibt für tiefe, flache, eckige oder runde Kerbungen spezielle Werkzeuge. Manche sind zudem gekröpft, das heißt konkav gebogen, damit auch an Stellen, die nahe am Fassrand sind, gut gearbeitet werden kann. „Eiche ist wesentlich härter als Lindenholz, das viel mehr Details zulässt“, erklärt Grimm. Und noch eine Herausforderung kommt mit der geringen zulässigen Schnitztiefe einher: Korrekturen sind nicht möglich. „Deswegen muss ich manchmal auch eine Pause machen, wenn ich merke, dass ich mich gerade nicht optimal konzentrieren kann.“

    Das ist vielleicht auch der geringen Größe geschuldet. Für das Würzburger Juliusspital hat er schon zwei große 5000-Liter-Fässer individuell gestaltet. Und auch für ein paar andere Winzer hat er im größeren Format Fässer verziert. „Richtig Bammel hatte ich aber vor dem Schriftzug mit dem Wahlspruch von Dr. Jung.“ Dieser ist in kleinen Buchstaben auf einem schmalen Spruchband unter dem eigentlichen Wappen angebracht und deutlich kleiner als zum Beispiel „Crux spes unica“, das in großen Lettern unter Bischof Hofmanns Wappen zu lesen ist. „Bei der geringen Größe der Buchstaben komme ich tatsächlich an die Grenze dessen, was sich überhaupt schnitzen lässt“, erklärt Grimm. Wenig verwunderlich, dass er leicht zwei Tage braucht, bis das Wappen in einem Fass vollendet ist. An Kirchenmaler Anton Schultz liegt es dann, für die finale farbliche Fassung des Werks zu sorgen – damit das Überreichen des Fässchens bei der Bischofsweihe ein echter Hingucker wird.

    Zur Person

    Kurt Grimm wurde 1960 in Würzburg geboren. Er besuchte von 1975 bis 1978 die Holzschnitzschule in Bischofsheim/Rhön. Im Anschluss arbeitete er als Holz- und Steinbildhauergeselle, ehe er von 1982 bis 1985 die Freie Kunstschule Nürtingen bei Professor Karl-Heinz Türk besuchte. Seither ist Grimm, der aus einer Künstlerfamilie stammt, als freischaffender Bildhauer tätig. Ausstellungen führten ihn nach Deutschland, Frankreich und Japan. Zahlreiche seiner Arbeiten, unter denen auch Plastiken in Stein und Bronzeguss sind, finden sich im öffentlichen Raum. Außerdem leitet Grimm Workshops für Bildhauerei im In- und Ausland.
    Bearbeitet von Robert Menschick

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