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    WOLKSHAUSEN / EUERHAUSEN

    Zwei Jahre vor Mordversuch: Verdächtiger drohte vor Gericht

    Mit Tauchern suchte die Polizei am Donnerstag in einem Weiher bei Wolkshausen nach der Tatwaffe, mit der am Samstag beim... Foto: Johannsen/Sat.1

    In Wolkshausen (Lkr. Würzburg) geht nach dem Mordversuch eines Mannes auf seinen Nachbarn die Suche nach der Tatwaffe weiter. Ein Taucher suchte im örtlichen Weiher nach der Schusswaffe. Zuvor war die zwei Kilometer langen Strecke vom Festplatz in Euerhausen (Lkr. Würzburg) zum Wohnort des Verdächtigen in Wolkshausen abgesucht worden.

    Suche nach der Tatwaffe

    Offenbar hat der tatverdächtige 70-Jährige die Waffe auf der Flucht verschwinden lassen. Zuvor soll er am Samstag beim Feuerwehrfest im benachbarten Euerhausen seinem Nachbarn überraschend in den Rücken geschossen haben.

    Der 55-Jährige erlitt dabei schwere Verletzungen im Oberkörper. Ob er durch den Anschlag, den die Staatsanwaltschaft als versuchten Mord wertet, bleibende Schäden davonträgt, ist noch ungewiss.

    Verfolgern gedroht

    Mehrere Besucher des Festes, die den Täter aufhalten wollten, soll er ebenfalls bedroht haben: „Ich habe noch ein paar Kugeln dabei“, habe er geraunt, wie sich ein Zeuge erinnert. Die Polizei umstellte das Haus des 70-Jährigen und nahm ihn 45 Minuten später fest. „Viele Möglichkeiten hatte er nicht, die Waffe verschwinden zu lassen“, sagt ein Polizist.

    Warum durfte er Schusswaffen haben?

    Indessen stellt sich immer stärker die Frage, warum der Mann überhaupt noch Schusswaffen besitzen konnte, obwohl er bereits zuvor durch gewaltsames Verhalten aufgefallen war – und das den Behörden auch bekannt war.

    Schon einmal handgreiflich

    Bereits am 31. Juli 2015 hatte der allein lebende Junggeselle nach Recherchen der Redaktion völlig überraschend auf offener Straße die Frau seines jetzigen Opfers überfallen. Das brachte ihn im Mai 2016 auf die Anklagebank. Gerichtsreporter Franz Barthel dokumentierte damals die Aussagen in der Verhandlung bei Amtsrichter Thomas Behl.

    „Ich stand mit der Nachbarin auf der Straße, als der Angeklagte mit seinem Auto vorbei kam“, sagte die Frau im Zeugenstand. Der Mann sei ausgestiegen und auf sie zugekommen. „Jetzt krieg ich dich“, habe er gerufen, ihr beide Hände um den Hals gelegt und sie gewürgt. „Der Gerichtsmediziner bezeichnete das beschriebene Würgen als lebensgefährlich“, erinnert sich Reporter Barthel mit Blick auf seine Notizen.

    „Der hat Ärger mit einigen Leuten“

    „Der hat Ärger mit einigen Leuten im Dorf“, erzählte das damalige Opfer dem Gericht, „der hat auch schon Leute angegriffen“. Aber niemand habe ihn angezeigt, weil „alle Angst vor ihm haben“. Das Opfer lüge und habe „Probleme im Kopf“, antwortete der Angeklagte. Ihre Familie terrorisiere ihn seit 40 Jahren. Der Amtsrichter hatte kein Verständnis für die Art des Angeklagten, sich „aufzuführen wie die Axt im Wald“. Er verurteilte den 70-Jährigen zu acht Monaten Haft ohne Bewährung.

    Zwei Jahre verzögert

    Doch der Angeklagte ging in Berufung. Die zog sich zwei Jahre hin, weil der 70-Jährige sich nicht begutachten ließ. Für den 19. Juli war nun eine erneute Verhandlung angesetzt. Beim Landratsamt wusste man um den Vorfall, sah aber keine Grundlage, ihm die Erlaubnis für zwei Schusswaffen zu entziehen, die er legal besaß.

    Ungehemmte Drohung nach dem Urteil

    Geradezu prophetisch muten – jetzt nach dem Mordversuch auf den Ehemann des damaligen Opfers – die letzten Worte im Amtsgericht Würzburg nach dem Urteil vor zwei Jahren an. Reporter Franz Barthel hat sie noch gut im Ohr hat: „Ich habe nix gemacht,“ habe der Verurteilte gesagt. Und: Man könne ja mal ausprobieren, was passiert, wenn er wirklich zulange.

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