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    Würzburg

    Zwiebelkirchweih: Geht eine alte Tradition verloren?

    Seit dem Jahr 2017 sind die beiden Eigentümerinnen der Stadt Mainz nicht mehr beim Fest in der Semmelstraße dabei. Anneliese und Margarete Schwarzmann können den Aufwand mit dem Backen der vielen Zwiebelkuchen für die Würzburger Kreuzberg-Wallfahrer gesundheitlich nicht mehr stemmen. Damit brach schon eine jahrzehntelange Tradition weg. Das machte sich nach den Aussagen einiger Besucher der Zwiebelkirchweih schon im vergangenen Jahr bemerkbar.

    Stadt sperrt Semmelstraße

    Doch wie sieht das denn am Freitag aus, wenn die Wallfahrer nach 173 schweißtreibenden Kilometern offiziell in der Semmelstraßeeinlaufen und dort von ihren Verwandten und Freunden begrüßt werden? Die Stadt sperrt die gesamte Semmelstraße für den Verkehr zwischen 10 und 24 Uhr, bestätigt Stadtsprecher Christian Weiß. Erwartet werden Wallfahrer ab 14 Uhr. Nach seinen Informationen hat neben der SPD noch die Sportbar "Hohlstange" eine Genehmigung für eine Außengastronomie beantragt. Und einige Bürger wollen wohl Bänke und Tische rausstellen.

    "Der Aufwand rechnet sich nicht mehr"
    Andreas Rausch, Wirt im Semmelbrösel

    Nach den Recherchen dieser Redaktion betreiben die meisten Gastronomen keinen zusätzlichen Aufwand mehr für die Pilger und ihre Angehörigen. Sie bieten einfach ihre Außengastronomie an. Andreas Rausch ist Wirt im Semmelbrösel. In den Jahren zuvor hatte er zusätzliche Außenplätze bei der Stadt beantragt. Nun ist das vorbei, genauso wie im benachbarten Pub "Red Lion". Der Gastronom wird ein paar Stehtische zusätzlich zu seinen Sitzplätzen im Freien aufstellen. "Wir mussten zusätzliche Außenplätze bei der Stadt beantragen und extra dafür zahlen. Dann konnten wir ab 15.15 Uhr Getränke ausschenken. Und um 22 Uhr war wieder Schluss. Der Aufwand rechnet sich nicht mehr."

    Konkurrenz von der Weinparade

    Rausch spricht einigen Wirten der Semmelstraße aus der Seele, wenn er in dem Zusammenhang darauf hinweist, dass 2017, just am Tag der traditionellen Zwiebelkirchweih, auch die Weinparade eröffnet wurde. Und da die Pilger nach einem kurzen Durchlauf in der Semmelstraße erst noch einen Gottesdienst mit Schlusssegen im Neumünster absolvierten, war seiner Ansicht nach der Weg zur Parade am Marktplatz nicht weit. In diesem Jahr findet der Abschlusssegen im Dom statt. Und die Weinparade läuft seit Donnerstag.

    Bäckerei Rösner backt Zwiebelkuchen

    Wie machen das in dem Jahr andere Anwohner wie zum Beispiel das Weingut Bürgerspital mit seinem Weingarten? "Wir bieten den Pilgern und ihren Verwandten unsere Außenbestuhlung an und verkaufen Wein, Zwiebelkuchen und Bratwurstbrötchen", sagt Weinhausleiter Giovanni Bellanti. In der Bäckerei Rösner ist der Laden auf und es wird den klassischen Zwiebelkuchen in ausreichender Menge geben, war aus der Back-Zentrale zu erfahren. Doch auch hier keine zusätzlichen Tische und Stühle im Freien, wie das seit Anfang der 70er Jahre üblich ist.

    Wird es dann überhaupt noch das Flair der Semmelstraße geben mit seiner traditionellen Zwiebelkirchweih? Und wo kommt der Brauch her, ausgerechnet Zwiebelkuchen in Massen anzubieten? Nach den Geschichtsbüchern wallten die Würzburger 1647 zum ersten Mal zum heiligen Berg der Franken. Und damals hatten noch viele Bäcker ihre Backstuben in der bekannten Würzburger Straße. Außerdem war der August die Zeit, als die Zwiebeln reif waren und geerntet wurden.

    Stärkung für die Pilger

    In diesen harten Zeiten wollte man dennoch den erschöpften Pilgern eine Stärkung reichen. Und so rührten die Bäcker aus Wasser und Mehl einen Teig an, gaben die Zwiebeln obendrauf und schoben das Ganze in den Backofen. Natürlich wurde das Rezept im Laufe der Jahrhunderte immer weiter verfeinert. "Die Leute, die zu uns kamen, sagten, ihr habt den besten Zwiebelkuchen", erinnert sich Anneliese Schwarzmann, die viele Jahre lang gemeinsam mit Mutter Wilhelmine und Schwester Margarete Massen von Zwiebeln für die Wallfahrer geschält hat.     

    Vor dem Hotel Stadt Mainz wird es aber dennoch wieder eine Verweilmöglichkeit geben. CSU-Stadträtin Sabine Wolfinger wird drei Biertischgarnituren aufstellen für die christlich-sozialen Wallfahrer, sprich Parteifreunde und deren Angehörige. "Und dazu gibt es selbstgebackenen Kuchen". Ein Ausschank ist nicht geplant. Als sie hört, dass sich immer weniger Gastronome mit Sonderaktionen an der Zwiebelkirchweih beteiligen, ist sie betroffen. "Da müssen wir als CSU etwas tun", ist ihr spontaner Gedenke. Schließlich soll diese alte Tradition gewahrt bleiben. Die CSU-Stadträtin ist auf jeden Fall ab 11 Uhr vor Ort. 

    Polit-Fest bei der SPD

    Eine weitere Partei hält die Tradition der Kirchweih hoch: Seit Jahren lädt die Würzburger SPD zu ihrem Fest in den Hof des Hannsheinz Bauer-Hauses in die Straßennummer 46 ein. Ab 14 Uhr gibt es Getränke, Zwiebelkuchen und Musik. Das politische Gespräch soll dabei auch nicht zu kurz kommen, ist der Wunsch von Stadträtin Jutta Henzler. Daher stehen Politiker aller Ebenen zur Verfügung. Anwesend sind  die Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal und Volkmar Halbleib, Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake und Stadtrat Alexander Kolbow.

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