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    Ochsenfurt

    Campinggottesdienst statt Fronleichnamsprozession

    Festliche Umzüge durch die Gemeinden sind in diesem Jahr nicht erlaubt. Wie man in den katholischen Pfarrgemeinden trotzdem Fronleichnam feiert.
    Auf die feierliche Fronleichnamsprozession, wie hier auf unserem Archivbild in Ochsenfurt, werden die katholischen Gläubigen in diesem Jahr verzichten müssen.
    Auf die feierliche Fronleichnamsprozession, wie hier auf unserem Archivbild in Ochsenfurt, werden die katholischen Gläubigen in diesem Jahr verzichten müssen. Foto: Helmut Rienecker

    Es ist kein normaler Fronleichnamstag, den die Katholiken am Donnerstag feiern. Die Prozessionen durch die Gemeinden fallen aus. Dafür behilft man sich in manchen Pfarrgemeinden mit Gottesdiensten unter freiem Himmel. "Von normal sind wir weit entfernt", sagt der Ochsenfurter Stadtpfarrer und Dekan Oswald Sternagel, "aber wir haben uns arrangiert, und das funktioniert."

    Seit dem 13. Jahrhundert feiert die katholische Kirche das Hochfest der Gegenwart Christi in der Eucharistie. In einer feierlichen Prozession wird der Leib Christi in Form einer geweihten Hostie, eingefasst in die goldene Monstranz, durch die Gemeinden getragen. Die Häuser sind mit grünen Wedeln und Fähnchen geschmückt. Vor den aufgebauten Stationsaltären sind Teppiche aus Blüten ausgelegt. 

    Pest- und Kriegszeiten überstanden

    Der religöse Brauch hat Kriegs- und Pestzeiten überstanden, doch in diesem Corona-Jahr ist alles anders.  In Ochsenfurt finden Fronleichnamsgottesdienste in der Stadtpfarrkirche St. Andreas und St. Thekla im Bärental statt. Nach den gleichen strengen Hygieneregeln, nach denen öffentliche Gottesdienste seit Christi Himmelfahrt überhaupt erst wieder möglich sind. 

    "Es ist zumindest eine Möglichkeit, wieder kirchliches Leben zu gestalten."
    Oswald Sternagel, Pfarrer in Ochsenfurt

    Das heißt: Helfer des Pfarrgemeinderats haben Laufwege markiert, nehmen die Namen der Gottesdienstbesucher auf, weisen ihnen ihren markierten Platz zu, wachen über den richtigen Abstand und den Gebrauch von Schutzmasken. Der Aufwand ist hoch, sagt Pfarrer Sternagel, aber: "Es ist zumindest eine Möglichkeit, wieder kirchliches Leben zu gestalten." Und es funktioniert, weil viele Menschen das Bedürfnis haben, sich wieder zum gemeinsamen Gottesdienst zu treffen. Trotzdem seien die Kirchen leerer geworden. "Manche Ältere sagen: Ich trau mich noch nicht", sagt Sternagel. Anderen bereite die Schutzmaske Atemprobleme.

    Anmelden zum Gottesdienst

    In der Pfarreiengemeinschaft Aub-Gelchsheim werden Gottesdienstbesucher gebeten, sich vorab telefonisch im Pfarrbüro anzumelden. "Ich will vermeiden, dass wir jemanden an der Kirchentüre abweisen müssen, das will ich auch meinen Helfern nicht zumuten", sagt Pfarrer Gregor Sauer. Schließlich finden Gottesdienste für die sieben zugehörigen Ortschaften derzeit nur in Aub und Gelchsheim statt. Unter Einhaltung des Abstandsgebots sind in der Gelchsheimer Pfarrkirche lediglich 41 Plätze ausgewiesen, die von Einzelpersonen oder Ehepaaren besetzt werden dürfen. 

    "An Fronleichnam versuche ich die Eucharistie so feierlich wie möglich zu gestalten", sagt der Pfarrer. Nach der Messe werde er den eucharistischen Segen spenden, der normalerweise die Prozession abschließt. "Damit man zumindest ein bisschen den Eindruck von Fronleichnam hat", so Sauer weiter. Genauso will es auch Oswald Sternagel in Ochsenfurt halten. Für mehr bleibe ohnehin keine Zeit, weil Gottesdienste derzeit höchstens 60 Minuten dauern dürfen. 

    "Ich will vermeiden, dass wir jemanden an der Kirchentüre abweisen müssen."
    Gregor Sauer, Pfarrer in Aub

    In der Kirche Maria Schnee in Kleinochsenfurt, die ebenfalls zur Pfarreiengemeinschaft Ochsenfurt gehört, sind Gottesdienste wie in vielen kleinen Kirchen des Ochsenfurter Gaus noch nicht erlaubt, weil sie nur einen Mittelgang besitzen, in dem sich die Gläubigen auf engem Raum begegnen würden. Aus dieser Not hat man in der Pfarreiengemeinschaft Gaukönighofen zum Fronleichnamstag eine Tugend gemacht. In Eichelsee und Sonderhofen findet der Gottesdienst um 9.30 Uhr unter freiem Himmel statt, in Rittershausen und Wolkshausen um 18 Uhr - vorausgesetzt das Wetter spielt mit.

    Campingstuhl zum Gottesdienst mitbringen

    "Campinggottesdienst" nennt die Mitarbeiterin im Pfarrbüro diese besondere Form der Messfeier, weil jeder Besucher aufgefordert ist, sich als Sitzgelegenheit einen Campingstuhl mitzubringen. Dafür erinnert zumindest der Schauplatz an die Tradition des festlichen Umzugs.

    Im nördlichen Landkreis verbinden viele Menschen mit Fronleichnam das beliebte Gregoriusfest am Wallfahrtskloster Fährbrück. Die Idylle im Innenhof und Garten des Klosters, die gemeinsamen Stände, die den Zusammenhalt der Dörfer der Pfarreiengemeinschaft stärken, und nicht zuletzt das Klosterbier vom Fass, werden viele in diesem Jahr wehmütig vermissen. Einen Festgottesdienst in der Wallfahrtskirche wird es am Fronleichnamstag trotzdem geben, ebenso wie in den anderen Kirchen  der beiden kooperierenden Pfarreiengemeinschaften Fährbrück und Bergtheim. Statt der Blumen an den Prozessionsstationen wollen Frauen in einigen Kirchen Blumenteppiche vor dem Altar auslegen, teilt das Pfarrrbüro mit. Als kleines Zeichen der Normalität in diesen unnormalen Zeiten.

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