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    Würzburg

    Corona-Krise: Dürfen Großeltern ihre Enkel wieder treffen?

    Viele Familien leiden derzeit darunter, dass Oma und Opa ihre Enkel nicht mehr sehen. Sind Treffen mittlerweile möglich? Experten aus Würzburg geben Antworten.
    Vielen Großeltern fehlt momentan der Kontakt zu ihrem Enkelkind sehr. Doch noch immer gelten die Ausgangsbeschränkungen.
    Vielen Großeltern fehlt momentan der Kontakt zu ihrem Enkelkind sehr. Doch noch immer gelten die Ausgangsbeschränkungen. Foto: Getty Images

    Für viele Großeltern ist es das Schlimmste in der Corona-Krise: Sie sehen seit Wochen ihre Enkel nicht. Da nach und nach einige Auflagen gelockert werden und gleichzeitig die Kinder seit Wochen weder Schule noch Kindertagesstätten besuchen, stellt sich die Frage: Ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Kontakt? Antworten auf wichtigsten Fragen geben der Würzburger Infektiologe Professor August Stich und die Pressesprecherin des Landratsamtes Würzburg, Eva Maria Schorno.    

    Ist es prinzipiell erlaubt, dass Großeltern ihr Enkelkind treffen? 

    Laut Sprecherin Schorno sind Besuche bei den Großeltern ein triftiger Grund die Wohnung zu verlassen, "wenn diese unterstützungsbedürftig sind, weil sie etwa auf Hilfe beim Einkauf angewiesen sind". Betreuen sollen Großeltern ihre Enkel aber nicht. Seit 20. April ist im Freien der Kontakt zu einer Person außerhalb des eigenen Hausstandes erlaubt. Das umfasst auch, dass Oma oder Opa sich mit einem Enkelkind an der frischen Luft treffen, wenn man dabei Abstand hält. 

    Ist der Kontakt zwischen Großeltern und Enkelkindern gefährlich?

    "Für den Besuch bei älteren Menschen gilt generell, dass Besuche auf ein absolutes Minimum beschränkt werden sollten. Die Ansteckungsgefahr ist zu groß!", teilt das Bayerischen Innenministerium auf seiner Internetseite mit. Prinzipiell steigt für Menschen ab 50 Jahren laut Robert-Koch-Institut das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, stetig an. Mit dem Alter wächst auch die Wahrscheinlichkeit von Vorerkrankungen. Der Kontakt zu Kindern ist deshalb riskant, weil diese besonders häufig mit Coronaviren infiziert sein können, ohne selbst Symptome zu haben und die Viren so als "stille Überträger" weitergeben können. 

    Sind Kinder öfter stille Überträger als Erwachsene?   

    Kinder und Jugendliche scheinen sich genauso häufig wie Erwachsene mit den Viren zu infizieren, haben laut aktueller Forschung aber ein wesentlich geringeres Risiko Symptome zu entwickeln oder ernsthaft zu erkranken. Unter den erfassten Covid-19-Fällen sind beispielsweise laut EU-Gesundheitsbehörde ECDC nur ein Prozent Kinder unter zehn Jahren. 10- bis 19-Jährige machen europaweit vier Prozent der Fälle aus. "Weltweit sind nur ganz vereinzelt Kinder gestorben", erklärt der Würzburger Infektiologe August Stich. Ob Kinder mehr oder weniger Viren weiter geben als infizierte Erwachsene, wisse man nicht. Dazu fehle es noch an aussagekräftigen Studien, so Stich.

    Was ist, wenn das Enkelkind seit sechs Wochen nicht mehr in Schule oder Kindertagesstätte war?

    Bei einer absoluten Kontaktsperre wären die Kinder dann als Überträger ausgeschlossen. Allerdings gibt es in Familien neben Schule oder Kindergarten noch andere Infektionsquellen: Zum Beispiel über Eltern, die sich bei der Arbeit oder beim Einkaufen infizieren können. Die momentanen Lockerungen erhöhen dieses Risiko.

    Digitaler Kontakt: Wie die kleine Würzburgerin Käthe sprechen gerade viele Kinder per Videochat mit ihren Großeltern.
    Digitaler Kontakt: Wie die kleine Würzburgerin Käthe sprechen gerade viele Kinder per Videochat mit ihren Großeltern. Foto: Daniel Peter

    Ist es besser, wenn sich Enkel und Großeltern an der frischen Luft treffen?

    Übertragen werden Covid-19-Viren über Tröpfchen. Nach aktuellem Stand der Forschung vermindern im Freien Luftbewegung und  UV-Licht, das Viren zerstört, die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung. Offiziell gestattet ist das Treffen mit einer Person außerhalb des eigenen Hausstandes nur im Freien.

    Was raten die Experten? 

    Obwohl sich nicht jede Oma oder jeder Opa anstecken oder schwer erkranken wird, rät Infektiologe Stich zur Vorsicht. Bei der Eindämmung der Pandemie stehe jeder Einzelne in der Verantwortung. "Abstand halten", sei jetzt das Wichtigste. Unbedenklich in die Arme könnten Großeltern ihre Enkel erst nehmen, wenn es einen Impfstoff gibt.

    "Die Abwägung muss letztlich jeder selbst treffen", sagt Landratsamtssprecherin Schorno, die selbst ihre drei Enkel sehr vermisst und ihre Kinder gerne bei deren Betreuung unterstützen würde. "Aber ich will auch nicht, dass sie damit leben müssten, uns angesteckt zu haben", sagt die 59-Jährige. Ihr Mann gehört zur Risikogruppe. Deshalb und auch weil man kleinen Kindern nicht begreiflich machen könne, warum sie Oma und Opa nicht näher als zwei Meter kommen dürfen, verzichtet die Familie auf persönliche Begegnungen und trifft sich bei Videokonferenzen.

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