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    Würzburg

    Der gute Morgen: Heike Richartz wartet auf den Silberstreif

    Die Corona-Krise als Herausforderung. In unserer Serie geben Menschen aus der Region positive Impulse für den Tag. Heute: Die Psychologin Heike Richartz.
    Die kleine Käthe aus Würzburg spricht über Facetime mit ihren Großeltern. Die Psychologin Heike Richartz hofft, dass die Kontaktbeschränkungen bald weiter gelockert werden.
    Die kleine Käthe aus Würzburg spricht über Facetime mit ihren Großeltern. Die Psychologin Heike Richartz hofft, dass die Kontaktbeschränkungen bald weiter gelockert werden. Foto: Daniel Peter

    Viele Klientinnen und Klienten, mit denen wir in unserem Beratungszentrum zu tun haben, ertragen die Kontaktbeschränkungen zunehmend schlechter. Besonders belastet sind Familien, die nun ihre Kinder einerseits zuhause beschulen und andererseits bei Laune halten müssen. Was würde ich mir als Beraterin in diesen Corona-Zeiten wünschen? 

    Zunächst, dass regelmäßiges Spielen in festen Gruppen wieder erlaubt würde, so dass Kinder Kontakt und Eltern Entlastung hätten.

    Warum nicht Gärten mal stundenweise verleihen?

    Gut gefällt mir auch die Idee einer Kollegin, Gärten mal stundenweise zum Spielen, Grillen oder Sonnenbaden zu "verleihen".

    Heike Richartz, Psychologin beim Evangelischen Beratungszentrum Würzburg.
    Heike Richartz, Psychologin beim Evangelischen Beratungszentrum Würzburg. Foto: Beratungsstelle

    Es ist schön, zumindest den engeren Freundes- und Familienkreis mal wieder zu sehen, ob per Video oder im Park. Das gilt für Kinder genauso wie für alleinstehende Erwachsene jeden Alters. Diese leiden verstärkt unter ihrer Einsamkeit und verfallen in Depressionen und Ängste. Es ist gut, dass es wieder erlaubt ist, zu zweit spazieren zu gehen oder zu radeln.

    Resilienz, die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen gut zu überstehen, wird maßgeblich dadurch geprägt, ob wir uns als selbstwirksam erleben. Ob wir handelnd die Situation gestalten, Lösungen suchen und aktiv werden können in einem sozialen Netz verlässlicher Bezugspersonen. Darum muss dieser Handlungsrahmen erhalten und nun schrittweise wieder langsam erweitert werden. Das wiederholte Verschieben von Lockerungen und die zunehmende Undurchschaubarkeit der Voraussetzungen werden von vielen Menschen als sehr belastend erlebt. Wer Belohnung in Aussicht stellt und dann immer wieder verschiebt, wird unglaubwürdig. Das gilt in der Familie und in der Kita genauso wie im politischen Geschehen.

    Die bisherige breite Akzeptanz staatlicher Vorgaben darf nicht in Frustration und Hilflosigkeit kippen. Dazu braucht es jetzt den Silberstreif am gesellschaftlichen Horizont, also klar terminierte Schritte zurück in eine "kleine Normalität". Das ist es, was ich mir als Psychologin für uns alle wünsche, um die psychische Gesundheit in diesen Krisenzeiten genauso zu erhalten wie die körperliche.

    Heike Richartz (61) ist Psychologin im Bereich Ehe- und Familienfragen beim Evangelischen Beratungszentrum, einer großen Einrichtung des Diakonischen Werkes Würzburg. Dieser Beitrag gehört zur Main-Post-Serie "Der gute Morgen", in der in Zeiten der Corona-Krise Menschen aus Franken ihre positiven Gedanken aufschreiben und mit unseren Leserinnen und Lesern teilen.

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    Heike Richartz

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