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    Eisenheim

    Eisenheim-Prozess: Neues Gutachten und neue Anwälte

    Vor drei Jahren wurde Theresa Stahl von einem Betrunkenen überfahren. Kurz darauf starb sie. Das erste Urteil in dem Fall sorgte bundesweit für Empörung. Wie geht es weiter?
    Der Prozess gegen vier junge Männer um den Tod von Theresa Stahl geht in eine zweite Runde. Wann die Verhandlung stattfindet, ist noch offen. 
    Der Prozess gegen vier junge Männer um den Tod von Theresa Stahl geht in eine zweite Runde. Wann die Verhandlung stattfindet, ist noch offen.  Foto: Daniel Peter

    Seit etwas mehr als drei Jahren ist Theresa Stahl nun tot. Ende April 2017 wurde die damals 20-Jährige bei Untereisenheim (Lkr. Würzburg) von einem Auto erfasst. Am Steuer ein 18-Jähriger, stark betrunken. Wenige Tage später erlag die junge Frau ihren Verletzungen. Im Oktober 2019 wurde der Fahrer zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt. Auch die drei Mitangeklagten, die mit im Unfallauto saßen, aber keine Hilfe leisteten, kamen mit einer Geldstrafe davon. Noch am Tag des Urteils legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Wenn der Fall in einigen Monaten wieder vor Gericht kommt, startet er unter neuen Vorzeichen.

    Das Urteil sorgte bundesweit für einen Aufschrei und eine Debatte darüber, warum sich Alkoholkonsum letztlich strafmildernd auswirken kann: Ein Gutachter hatte dem Hauptangeklagten wegen seines Rausches für schuldunfähig erklärt, weshalb der junge Mann nicht wegen fahrlässiger Tötung, sondern wegen fahrlässigen Vollrauschs verurteilt wurde. Zwar äußerten im Verfahren Staatsanwaltschaft und Gericht Zweifel an dem Gutachten. Das Gericht habe "gegen das Gutachten gekämpft", betonte Richter Bernd Krieger. Ignorieren konnte er es jedoch nicht.

    Neuer Anwalt ist kein Unbekannter

    Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht wird nun ein weiteres Gutachten zur Schuldfähigkeit des Hauptangeklagten eine Rolle spielen. Beauftragt wurde es auf Antrag der Staatsanwaltschaft, wie ein Gerichtssprecher gegenüber dieser Redaktion bestätigte. Das Gutachten liege allerdings noch nicht vor. "Neue Erkenntnisse gibt es deshalb bislang nicht", so der Sprecher weiter.

    Unterdessen werden auch Theresas Eltern wieder als Nebenkläger auftreten. Vater Ronald Stahl hat sich einen neuen Anwalt genommen. Der Nürnberger Straf- und Verkehrsrechtler Philipp Schulz-Merkel ist in Juristenkreisen kein Unbekannter. Zuletzt trat er als Verteidiger im Prozess gegen die S-Bahn-Schubser von Nürnberg auf, die drei Jugendliche ins Gleis gestoßen hatten, wobei zwei starben.

    "Aus unserer Sicht ist eine ausreichende Aufklärung des Falls noch nicht erfolgt."
    Philipp Schulz-Merkel, Anwalt von Theresas Vater Ronald Stahl

    Im Eisenheim-Prozess sieht Schulz-Merkel noch viele offene Fragen. "Aus unserer Sicht ist eine ausreichende Aufklärung des Falls noch nicht erfolgt", erklärt er im Gespräch mit der Redaktion. Auch die Frage, wer gefahren ist, müsse im Berufungsverfahren noch einmal auf den Tisch. Zwar räumte nach der Verhandlung im Oktober selbst der Hauptangeklagte ein, dass er nach der Beweisaufnahme davon ausgehen müsse, gefahren zu sein. Erinnern konnte er sich allerdings an nichts. Außerdem kritisierten Prozessbeobachter, dass Fragen zum Ablauf des Abends offen blieben und wichtige Zeugen, darunter auch Ermittler, nicht gehört wurden.

    "Welche Strafe am Ende herauskommt, ist letztendlich zweitrangig", betont Schulz-Merkel. Theresas Familie gehe es darum, "dass am Ende klar ist, was passiert ist, damit sie mit Theresas Schicksal abschließen können".

    Wie Theresas Familie den dritten Todestag verbrachte

    Auch Theresas Freund lässt sich nun anwaltlich beraten. Ob er im Prozess eine Rolle spielen wird, sei aber noch offen, erklärte sein Anwalt Norman Jacob junior.

    Wann der Berufungsprozess startet, ist derzeit noch offen. "Ein Termin wurde noch nicht bestimmt", so der Gerichtssprecher. Ursprünglich war die Verhandlung im Herbst geplant. Ob das haltbar ist, sei "noch nicht absehbar".

    Unterdessen beging Familie Stahl am 28. April Theresas dritten Todestag. "Wir haben Blumen ans Grab gebracht", erzählt Vater Ronald, "und dann wie in guten alten Zeiten zusammen Pizza gegessen".

    Hinweis: Der Autor dieses Textes steht mit der Familie des Opfers in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis.

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