• aktualisiert:

    Estenfeld

    Estenfelds Programm gegen die Dürre

    Erste Erfolge verzeichnet die Gemeinde mit ihrem Programm "Wasser - Lebensraum - Artenschutz - Naherholung". Tiere siedeln sich trotz Trockenheit wieder an.
    Das Programm 'Wasser – Lebensraum – Artenschutz – Naherholung' (kurz WLAN) zeigt in Estenfeld bereits erste Erfolge. Insekten lassen sich in angelegten Blühstreifen nieder.
    Das Programm "Wasser – Lebensraum – Artenschutz – Naherholung" (kurz WLAN) zeigt in Estenfeld bereits erste Erfolge. Insekten lassen sich in angelegten Blühstreifen nieder. Foto: Andreas Förster

    Das WLAN in Estenfeld zeigt seit seinem Start im vorigen Juli schon gute Erfolge. Damit ist nicht etwa das drahtlose Internet gemeint, sondern das Programm "Wasser – Lebensraum – Artenschutz – Naherholung", das der Estenfelder Gemeinderat und Jagdpächter Andreas Förster ins Leben gerufen und für das der Gemeinderat 10 000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Wegen der anhaltenden Trockenheit versorgt Förster schon seit 2003 die Tiere im Wald mit Trinkwasser, bereitgestellt in speziellen Plastikwannen. "Die werden wir jetzt Stück für Stück durch zehn feste Betonwannen ersetzen - für 600 Euro das Stück", sagt er. Als Standorte werden Stellen im und um das Waldgebiet herum mit einer natürlichen Senke ausgesucht. "Da sammelt sich das Regenwasser, und regnet es nicht, werden die Wannen durch den Bauhof gefüllt."

    Im Estenfelder Waldgebiet fühlt sich auch der Wiedehopf wohl. 
    Im Estenfelder Waldgebiet fühlt sich auch der Wiedehopf wohl.  Foto: Andreas Förster

    Der Blick auf die Wetterkarte der nächsten Zeit lässt nicht großartig auf Regen hoffen, und fällt er dann doch, ist er ungerecht verteilt: was im Süden Bayerns zuviel runterkommt, bleibt dem Norden quasi vorenthalten. Ein Grund für den geringen Niederschlag ist unter anderem die fränkische Trockenplatte. Durch die umliegenden Mittelgebirge Spessart, Rhön und Steigerwald regnen bereits dort die meisten Wolken ab, bevor sie die Trockenplatte erreichen. Ortsnamen wie Wasserlosen (Lkrs. Schweinfurt) zeugen von diesem Umstand. Was die Winzer freut, nämlich mehr Sonnenstunden, stellt Jagdpächter wie Andreas Förster vor ein Problem: den Tieren fehlt es an Wasser.

    Blühstreifen bieten Lebensraum für Insekten und weitere Tiere

    Die wenigen kleinen Bachläufe im Gemeindegebiet führen zu wenig Wasser, die Kürnach im Norden ist an vielen Stellen verdreckt. "Auch existieren die Wildläufe zum kilometerweit entfernten Wasser nicht mehr", so Förster weiter. Der wenige Regen bleibt auch kaum in den natürlichen Pfützen oder den Unebenheiten auf den Waldwegen stehen. Somit will Förster das Wasser zu den Tieren bringen.

    Mit solchen Plastikwannen, die bald durch Betonwannen ersetzt werden, bietet der Jagdpächter Andreas Förster in Estenfeld den Tieren Trinkwasser.
    Mit solchen Plastikwannen, die bald durch Betonwannen ersetzt werden, bietet der Jagdpächter Andreas Förster in Estenfeld den Tieren Trinkwasser. Foto: Guido Chuleck

    Bei den Blühstreifen verzeichnet Förster schon gute Erfolge. Manche Landwirte seien noch skeptisch, berichtet er. Wobei er ihnen keinen bösen Willen unterstellen will, vielmehr stehen die Landwirte auch vor bürokratischen Hürden. "Ihre Förderprogramme legen fest, was sie wo wie lange anbauen dürfen, und wenn sie einfach einen Teil eines Feldes in einen Blühstreifen umwandeln, können sie sich einiges an Ärger einhandeln", bedauert Förster. Gleichwohl ziehen sich schon mehrere blühende Streifen durch die Gemarkung, und nicht nur die Bienen danken es den Landwirten. Andere Wiesen sind mehr mit kleinen Büschen und Sträuchern durchzogen, "das ist dann der Lebensraum etwa für Rebhühner und andere kleine Tiere".

    Bewusstsein der Bürger stärken

    Apropos Rebhühner: damit sie während der Brutzeit nicht allzu weit weg vom Gelege müssen, hat Förster in der Nähe des Geleges spezielle Eimer mit einem Drahtgeflecht statt einem Boden aufgehängt. "Da picken sich die Rebhühner die Körner raus und sind nach zehn Minuten wieder am Nest, ohne dass die Eier zu kalt werden oder sie vom Habicht erwischt werden."

    In voller Blüte erwarten die Blumen des Blühstreifens die Insekten.
    In voller Blüte erwarten die Blumen des Blühstreifens die Insekten. Foto: Guido Chuleck

    Gemeinsam mit seinem Auszubildenden hat der selbständige Zimmermann Förster 150 Nistkästen für Vögel gebaut, die er Stück für Stück an den Bäumen anbringt. Und ein Fledermauskasten an seinem Hochsitz erfreut sich ständiger "Mieter". Nun würde er sich darüber freuen, wenn noch mehr Landwirte auf das Mulchen ihrer Ackerränder verzichten würden. Beim Mulchen wird das oberirdische organische Material (Mulch) abgemäht und zerkleinert, um damit den Boden zu bedecken. Damit verbessern sie die Bodenqualität, führen Nährstoffe zu oder sparen Wasser. Andererseits führt das zum Tod von Insekten und kleinen Lebewesen. Ein Spagat, für den auch Förster auf die Schnelle keine andere Lösung bieten kann.

    Was er hingegen bieten kann, ist eine Aufwertung des Waldgebietes in Punkto Naherholung. Um die Bürger sein Projekt miterleben zu lassen, werden Infotafeln aufgestellt, und auch Beobachtungsplattformen sind im Gespräch. Insgesamt will er das Bewusstsein seiner Mitbürger für die Natur stärken mit dem Grundgedanken "Hier ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl".

    Drei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Würzburg-Newsletter!

    Kommentare (1)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!