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    Würzburg

    Gesucht: Stuhl-Spender für den Würzburger Max-Stern-Keller

    Der historische Gewölbekeller der Alten Uni hat sich für Veranstaltungen etabliert. Doch eine ordentliche Bestuhlung fehlt. 10 000 Euro sollen nun dafür gesammelt werden.
    In Nicht-Corona-Zeiten zwei- bis dreimal im Jahr Schauplatz der 'Würzburger Kellergespräche' (Archivbild vom April 2019) von Juristen-Alumni und Main-Post: der Max-Stern-Keller in der Alten Uni. Finanziert durch Spenden soll nun eine neue und ausreichende Bestuhlung angeschafft werden. 
    In Nicht-Corona-Zeiten zwei- bis dreimal im Jahr Schauplatz der "Würzburger Kellergespräche" (Archivbild vom April 2019) von Juristen-Alumni und Main-Post: der Max-Stern-Keller in der Alten Uni. Finanziert durch Spenden soll nun eine neue und ausreichende Bestuhlung angeschafft werden.  Foto: Patty Varasano

    Er ist ein wahres Kleinod, verborgen in den Tiefen der Alten Universität zwischen Neubau- und Domerschulstraße. Die Juristen der Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU) sind hier zuhause, und sie haben den alten Gewölbekeller vor einigen Jahren mit neuem Leben erfüllt. Besser gesagt: Die Alumni (Ehemaligen) der Juristischen Fakultät mit ihrem Vorsitzenden Professor Eric Hilgendorf.

    Mehr Platz auch für die "Würzburger Kellergespräche"

    Nun will der Verein zusammen mit der Fachschaft Jura Spenden sammeln, damit künftig noch mehr Menschen im Max-Stern-Keller Platz finden – bei Kulturveranstaltungen, Lesungen oder: bei den "Würzburger Kellergesprächen", die die Juristen-Alumni zusammen mit der Main-Post veranstalten. Seit zwei Jahren werden in dieser Reihe mit Experten und Publikum aktuelle Themen aus rechtlicher, gesellschaftlicher, politischer und ethischer Perspektive diskutiert. Teilweise war der Andrang von Besuchern größer als das Platzangebot.

    Auch das Mainfranken Theater nutzt den Max-Stern-Keller für Aufführungen wie hier die 'Magnolienzeit' im Februar 2018.
    Auch das Mainfranken Theater nutzt den Max-Stern-Keller für Aufführungen wie hier die "Magnolienzeit" im Februar 2018. Foto: Thomas Obermeier

    Deshalb sollen nun 50 neue Stühle und eine passende Zahl neuer Tische angeschafft werden, auch für andere Veranstaltungen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf voraussichtlich 10 000 Euro. Hilgendorf und die Fachschaftsvertreter hoffen auf eine gute Beteiligung an der Aktion und großzügige Spender. Ziel ist es, das Geld bis 1. Oktober beisammen zu haben. Es gilt also in den kommenden Wochen, "jede Spende zählt", heißt es in einem Aufruf. Jede Spende von mehr als 100 Euro wird – soweit erwünscht – auf einer Spendentafel im Max-Stern-Keller vermerkt. Spendenquittungen stellt der Alumni-Verein aus, hierzu bei einer Überweisung die komplette Adresse angeben. Spendenkonto: IBAN DE19 7903 0001 0000 0019 90 (Juristen-Alumni), Verwendungszweck: "Bestuhlung". 

    Genutzt wird der Max-Stern-Keller nicht nur für Veranstaltungen: Tagsüber dient er dem Studentenwerk als Cafeteria, auch als Ruhe- und Lernraum ist er bei den Studierenden sehr beliebt. Doch klagen Besucher über harte, abgenutzte Stühle und wackelige Tische. Deshalb die Spendenaktion für einen Raum, der Atmosphäre hat – nicht nur wegen des alten Gewölbes, sondern auch wegen der zwei großformatigen, bemalten Schmuckfenster: Sie erzählen die Geschichte vom guten und vom schlechten Ehemann und waren jahrzehntelang verschollen.

    Über Jahrzehnte verschollen und nach einer Restaurierung seit 2017 wieder am angestammten Ort im Gewölbekeller: die Schmuckfenster des jüdischen Weinhändlers Max Stern.
    Über Jahrzehnte verschollen und nach einer Restaurierung seit 2017 wieder am angestammten Ort im Gewölbekeller: die Schmuckfenster des jüdischen Weinhändlers Max Stern. Foto: Thomas Obermeier

    Einst dekorierten sie den Keller als Depot des jüdischen Weinhändlers Max Stern. Im Jahr 1928 hatte dieser die insgesamt 700 Meter langen Kellerräume in der Alten Uni gepachtet. Eine Million Liter Wein in 500 Holzfässern soll er hier untergebracht haben. 1937 floh Stern mit seiner Familie vor den antisemitischen Anfeindungen der NS-Zeit in die USA. Den Kontakt nach Würzburg ließ er aber zeitlebens nicht abreißen. Immer wieder, berichtet Eric Hilgendorf in Eva-Maria Basts Buch "Würzburger Geheimnisse - Band 2", habe sich Max Stern von den USA aus nach dem Würzburger Wein erkundigt.

    Zwei Töchter von ihm kamen 2012 auf Einladung des damaligen Oberbürgermeisters Georg Rosenthal als ehemalige jüdische Bürger zu Besuch nach Würzburg. Sie besuchten auch den alten Weinkeller und erinnerten sich an die Glasbilder. Die Juristen-Alumni setzten sich dafür ein, dort eine Cafeteria einzurichten und mit dem "Max-Stern-Keller" an ihren Vater zu erinnern. Und schließlich tauchten auch die Glasbilder wieder auf: Sie lagerten auf einem Dachboden. Ein Schreiner erinnerte sich, sie in den 70er Jahren zusammen mit seinem Vater ausgebaut zu haben.

    Schon für die Restaurierung der prächtigen Fenster hatten die Juristen-Alumni die Spendentrommel gerührt. Nun also die nächste Maßnahme, um den Keller im Sinne seines früheren Besitzers zu beleben: "Max Stern würde sich freuen, wenn er diesen kritischen Austausch, die offenen Diskussionen hier in seinem früheren Weinkeller erleben könnte", ist Jura-Professor Eric Hilgendorf überzeugt. Wenn die Spendenaktion Erfolg hat, können in Zukunft noch mehr Gäste daran teilhaben.

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