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    Würzburg

    Glosse: Wenn jeden Tag der Würzburger Maskenball ist

    Seit einer Woche gibt es die Maskenpflicht. Das Bußgeld bei Verstoß ist hoch. Das sollte die wenigstens stören. Eigentlich gefällt es uns doch, maskiert zu sein, oder?
    Werden die bunten und kreativen Masken noch zum Sommertrend des Jahres 2020? Die Zeichen stehen gut.

    Werden die bunten und kreativen Masken noch zum Sommertrend des Jahres 2020? Die Zeichen stehen gut. Foto: dpa

    Seit einer Woche besteht Maskenpflicht beim Einkaufen oder im ÖPNV. Mit Masken haben einige Prominente längst schon Erfahrung gesammelt. Ob Phantom der Oper, Batman, Darth Vader, Zorro, Spider Man, Catwoman oder Phantomime. Die Maske als Markenzeichen sozusagen. Oder anders gesagt: das Must-have des Sommers 2020.

    Maskenpflicht ist auch bei der Reporterin angesagt. 
    Maskenpflicht ist auch bei der Reporterin angesagt.  Foto: Katja Glatzer

    Ein Blick in die sozialen Medien zeigt, dass die Maske wahrlich längst zum Fashion-Star geworden. Mit ihr kann man ein Statement abgeben oder einen neuen Trend setzen - und das gleich für jedermann sichtbar. Für manch Fashionblogger ist klar: Sieben Masken - für jeden Tag eine - müssen her. Schließlich muss die Mund-Nasen-Bedeckung das modische Outfit optimal vervollständigen. Sowohl farblich als auch charakterlich. Mal schüchtern, mal wild, mal intellektuell, mal frech, mal lustig, mal traurig und und und. Die Stimmung ist ja schließlich nicht jeden Tag gleich. Fraglich nur, ob da sieben Masken ausreichen, oder ob nicht gleich ein neuer Schrank her muss – für 30 Maskenoutfits pro Monat.

    Geheime Wünsche

    Schließlich lassen sich mit ihr auch geheime Wünsche endlich erfüllen: Wer wollte nicht schon einmal als Rächer der Armen in Zorromaske den Bankberater um einen Kredit bitten, als Hannibal Lecter dem unliebsamen Nachbarn einen schönen Guten Morgen wünschen oder als Catwoman die Männer um den kleinen Finger wickeln? Klar ist, so heißt es auf Wikipedia zu der Bedeutung von Masken: "Die Maskierung ermöglicht die Einübung neuer oder übernommener sozialer Rollen."

    Aha. Da haben wir es schriftlich. Fragt sich nur, wie lange wir dieser Verwandlung wirklich standhalten. Denn die Erfahrung, die wir gerade in Würzburger Geschäften und in Bus und Bahn machen, zeigt: "Unter der Maske wird es warm." Und wärmer, je länger sie Mund und Nase verschnürt. Noch wärmer und gar heiß, je höher die Temperatur steigt. Beim Hochschleppen von Getränken und Einkäufen im Treppenhaus ohne Aufzug naht der Kollaps in Form von akuter Atemnot, Herzrasen und Augenflimmern. Denn wie heißt es: Man solle die Maske nicht anfassen und nach dem Absetzen der Maske die Hände waschen.        

    Was, wenn die Luft völlig ausgeht?

    A propos Händewaschen: Schön wäre es, wenn man die öffentlichen Toiletten der Stadt Würzburg zwischen den Einkäufen dazu nutzen könnte. Geht aber nicht, denn sie sind immer noch wegen Corona geschlossen. Und das, obwohl sie mit den neuen Masken doch zum ersten Mal benutzbar wären, ohne die Luft anzuhalten.  

    Wenn uns dennoch die Luft unter der Maske vollends ausgeht, bleibt nur noch eines: Wegreißen, tiefe Atemzüge nehmen und das Gesicht zur Maske erstarren lassen, echt wahr!

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