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    Waldbüttelbrunn

    Kein Denkmal für Mittäter

    Anders als am Ehrenhain auf dem Waldfriedhof, der 1935 für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet wurde, sollen auf dem neu zu errichtenden Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs Namen von Personen nicht aufgeführt werden. Die Entscheidung über die genaue Planung des Mahnmals wurde vertagt.
    Anders als am Ehrenhain auf dem Waldfriedhof, der 1935 für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet wurde, sollen auf dem neu zu errichtenden Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs Namen von Personen nicht aufgeführt werden. Die Entscheidung über die genaue Planung des Mahnmals wurde vertagt. Foto: Matthias Ernst

    Mitte 2017 bereits war ein Waldbüttelbrunner Bürger an die Gemeinde herangetreten, da er gerne eine Mahntafel auf dem Waldfriedhof für die gefallenen und vermissten Soldaten des Zweiten Weltkriegs stiften möchte. Damals gab es verschiedene Vorschläge zur Gestaltung und zum Standort der Mahntafel. Es gab jedoch keine abschließende Entscheidung seitens des Gemeinderates.

    Man stimmte in der Sitzung mehrheitlich einer gesonderten Tafel mit Nachname, Vorname, Geburtsdatum, gefallen am und wo, vermisst am und wo zu. Die Gestaltung und der genaue Standort sollten gesondert festgelegt werden. Wegen umfangreicher Recherchearbeiten kam das Thema erst jetzt wieder auf die Tagesordnung. Das Herausfinden der Namen der Gefallen mit Wohnort Waldbüttelbrunn gestaltete sich schwieriger, als anfangs gedacht, so Bürgermeister Klaus Schmidt (SPD). Allein die Nachfrage beim Bund der Kriegsgräberfürsorge zog sich über mehrere Monate hin. Eine Antwort kam erst gut ein halbes Jahr nach der schriftlichen Anfrage zum Verbleib von über 100 gefallenen Soldaten aus Waldbüttelbrunn.

    Gemeinsam mit dem Stifter wollte man auch einen passenden Ort finden, doch die grundsätzlich geplante Umgestaltung des Waldfriedhofes (wir berichteten) ließ auch hier wieder Zeit verstreichen. So kam seitens der Verwaltung der Vorschlag auf, das Mahnmal zum Volkstrauertag in diesem Jahr, also 75 Jahre nach Kriegsende einzuweihen. Entsprechende Vorschläge zur Gestaltung des Mahnmals lagen dem Gemeinderat nun vor.

    Hansen: "Wer mitgemacht hat, war kein Opfer des Regimes"

    Bevor man allerdings in die Beratung über das Mahnmal einsteigen sollte, galt es einen Antrag von Sebastian Hansen (Bündnis 90/Die Grünen) zu behandeln. "Das Denkmal darf nur errichtet werden, wenn vonseiten des Initiators sichergestellt wird, dass auf dem Denkmal keine Namen von Personen genannt werden, die Mitglied der NSDAP, der SA oder der SS waren. Hierfür soll auf Kosten des Initiators durch einen anerkannten Historiker, der im Einvernehmen mit dem Gemeinderat ausgewählt wird, eine historische Untersuchung vorgenommen werden", forderte er. Immerhin seien 40 Prozent aller damals lebenden Waldbüttelbrunner in der NSDAP gewesen, wollte Hansen aus der Ortschronik über die Entnazifizierung herausgelesen haben.

    "Wer mitgemacht hat, war kein Opfer des Regimes, sondern Mittäter", schob er nach. Waldbüttelbrunn bräuchte eine "ordentliche Erinnerungskultur, aber keine Verherrlichung der NS-Zeit". Allein aus der Chronik lasse sich herauslesen, dass unter den Gefallenen auch vier Personen sind, die höhere Parteiämter im Ort innehatten (ein Truppführer der SA, der Fraktionsvorsitzende der NSDAP im Gemeinderat, der Ortsgruppenleiter der NSDAP, der HJ-Führer).

    "Aus meiner Sicht ist es politisch unvorstellbar, für Personen, die sich aktiv am NS-Regime beteiligt haben und damit mindestens mittelbar für die Verbrechen des NS mitverantwortlich sind, ein ehrendes Gedenken in Waldbüttelbrunn zu ermöglichen, insbesondere dieses ehrende Gedenken neu einzurichten", sagte Hansen. Zustimmung bekam er hierfür vor allem von den jüngeren Gemeinderatsmitgliedern.

    Steinmetz: "Mahnmal ja gerne, aber kein Denkmal"

    Alois Bärmann (CSU) gab zu bedenken, dass in den Ortsteilen, aber auch bei der Alten Kirche bereits Gedenktafeln mit allen Gefallenen hängen. Wie soll man zukünftig mit diesen Namen umgehen, soll man sie etwa ausradieren, fragte er in die Runde. Der Krieg sei eine andere Zeit gewesen und uns stehe es nicht an, herablassend zu urteilen, "ich hoffe wir bekommen ihn nie wieder", fuhr er fort. Und Daniel Steinmetz (SPD) ergänzte, dass man auf keinen Fall einen Wallfahrtsort für Neonazis erschaffen wolle. "Mahnmal ja gerne, aber kein Denkmal schaffen."

    Wiljo Mieseler (SPD) hatte großen Respekt vor dem Spender und regte an, ein Mahnmal ohne Nennung von Namen zu schaffen. Winfried Körner (CSU) wollte von Bürgermeister Klaus Schmidt wissen, ob man diesbezüglich schon Kontakt mit dem Spender aufgenommen hatte. Der Bürgermeister verneinte. In der beantragten Sitzungsunterbrechung suchte er das Gespräch mit dem Spender, der die Sitzung als Zuschauer verfolgt hatte.

    Die beiden die Tafel betreffenden Tagesordnungspunkte wurden zwar vertagt. Der Spender hatte aber signalisiert, dass es ihm um das Erinnern gehe und er sehr wohl auf die Nennung einzelner Namen verzichten könnte. Darauf gab es spontanen Beifall aller Räte im Sitzungsraum. 

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