• aktualisiert:

    Würzburg

    Gymnasium begeistert mit „Julius Caesar“ nach Shakespeare

    Entsetzen und Trauer angesichts der Ermordung Caesars. Foto: Andreas Herold

    Welche Wucht – Schon die Eingangsszene  mit dem Auftritt des gesamten Schauspielensembles des Wirsberg-Gymnasiums und des gemischten Chores, der unterstützt von einem hochkonzentrierten Orchester (Bigband, Streicher, Keyboard und Schlagzeug) aus dem Orchestergraben das Vagantenlied  aus den Carmina Burana „O Fortuna“ in Carl Orffs Vertonung wie einen Hit röhrt und durch eine geschickte Choreographie Bewegung und Schwung in die Szenerie bringt, reißt das Publikum sofort mit und lässt erahnen, dass es spannend wird, dass es um die Launenhaftigkeit des Glücks geht, letztlich um Leben und Tod. Besser kann man Shakespeares „Julius Caesar“ nicht beginnen.

    Musiktheaterprojekt

    Die Lehrer Siegfried Hutzel und Harald O. Kraus bezeichnen ihre Inszenierung als  Musiktheaterprojekt. Man spürt, wie sich die Kombination von Schauspiel, Musik und Choreographie durch ein sprühendes Feuerwerk an Ideen zu einem Gesamtkunstwerk formt. Shakespeares Sprache wird komprimiert und an heutige Diktion angeglichen, dicht geführte Dialoge, wenig Monologe, von den berühmten Leichenreden von Brutus und Marcus Antonius abgesehen. Auf historisierende Kostüme wird bewusst verzichtet, sie sind in ihrer Vielfalt der heutigen Zeit modisch angepasst. Caesar tritt in Uniform eines hochdekorierten Diktators eines lateinamerikanischen Regimes auf, denn das Streben nach Macht, die Manipulation der Massen ist nicht auf das alte Rom beschränkt. Das Ringen um ein menschliches, gerechtes Gemeinwesen ist ebenso überzeitlich aktuell. Die mehrfach wechselnden Bühnenbilder (Fotografien), bisweilen  in verfremdeter Bearbeitung,  werden auf die Bühnenwand projiziert.  Sie verstärken, deuten oder kontrastieren das Geschehen, wie  beispielsweise der ausgehobene Graben, der im Bürgerkrieg nach Caesars Tod zum Massengrab werden wird. Oder die friedliche Idylle einer schönen Landschaft, in der die Verschwörer um Brutus den Tyrannenmord planen, die in schroffem Gegensatz zur ländlichen Ruhe steht, mit der es bald vorbei ist.  

    Hohes sängerisches Niveau

    Ebenso überlegt und klug eingearbeitet sind die Anleihen aus Musik und Literatur: Orffs „Carmina Burana“, Händels Klage-Arie aus „Giulio Caesare“ wird  Caesars Frau Calpurnia in den Mund gelegt.  Die auf hohem sängerischen Niveau dargebotene Arie wird  mit stürmischem Beifall bedacht. Die den Handlungsablauf emotional unterstützende, von Chor, Orchester und Schauspieler mehrfach intonierte Arie Donizettis „Una furtiva lagrima“  (dt. eine flüchtige Träne) aus der Oper„Der Liebestrank“ wird zum verbindenden Element der Tragödie und ihrer Inszenierung. Es geht um Verrat, enttäuschte und gescheiterte Liebe. In Rom fließen bei Caesars Tod viele Tränen, öffentlich und im stillen Kämmerlein, aber auch die Trauer ist vergänglich. Catulls  berühmtes Gedicht „Odi et amo“ (dt. ich hasse und liebe), in einer Vertonung vom Chor gesungen, verdeutlicht die Seelenpein des getriebenen Brutus, seine Hassliebe zu Caesar, die ihn zum Mörder an dem Freund werden lässt.  

    120 Ausführende

    Dieses  durchdachte Konzept wird von einem Ensemble mit 120 Ausführenden umgesetzt. Die Schüler agieren mit Freude und Leidenschaft, identifizieren sich mit der Rolle, doch nicht vollständig, sie geben auch Raum für reflektierenden Abstand. Sie musizieren präzise unter dem Dirigat von H.O. Kraus, sie singen, sprechen und tanzen mit einer ansteckenden Leichtigkeit und Lebendigkeit, die auch Situationskomik zulässt. Andererseits zeigen sie eine Tiefe bei intimen Szenen, wie zwischen den Eheleuten Brutus und Decia, die für Jugendliche dieses Alters erstaunlich gut gelingt. Alle Darsteller haben sichere Textkenntnis, eine weitgehend klare Aussprache und bewegen sich in einem flotten Spieltempo. Einige Männerrollen (z.B. Cassius = Cassia) werden von Frauen überzeugend dargestellt.

    Der Einsatz mehrerer Sprachen bei Liedern/Arien und Dramentext, wie der bilinguale Vortrag der Antoniusrede (deutsch-englisch) verleihen der Inszenierung eine zeitlose, internationale Note. Die vielfältig eingesetzten Bühnenmittel sind klar funktionalisiert. Es gibt keinerlei leere Staffage.

    Am Ende gab es anhaltenden, frenetischen Applaus des begeisterten Publikums.

    Von: Paul Pagel für das Wirsberg-Gymnasium

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!