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    Würzburg

    In Neapel neue Verbindungen geknüpft

    Der Verein der „Freunde der Würzburger Residenz“ unternahm eine Reise nach Neapel. Foto: Verena Friedrich

    „Stadt der Wunder“ war die Reise tituliert, die der Verein der „Freunde der Würzburger Residenz“ vor Kurzem nach Neapel unternommen hat. Und ein kleines Wunder ist es auch, was sich dabei zugetragen hat: Fürstin Marina Colonna, die den Namen eines der ältesten Adelsgeschlechter Europas trägt, empfing kurzentschlossen die Gruppe aus Würzburg in ihren Gemächern – und sorgte wegen ihrer engen Verwandtschaft zum Haus Schönborn für heitere Verwunderung. Ein Gegenbesuch ist für 2020 geplant.

    Jedes Jahr bereisen die „Freunde der Würzburger Residenz“ ein Zentrum der europäischen Barockkultur. In diesem Jahr war Neapel an der Reihe, wo die barocke Kunst und Architektur im Überfluss blühte. Wer die Bauten, Gemälde oder Skulpturen des 17. und 18. Jahrhunderts sah, sollte überwältigt werden – „meraviglia“, zu deutsch Wunder oder Verwunderung, lautet ein Schlüsselwort barocker Poetik.

    Blutwunder in Augenschein genommen

    Davon haben die Teilnehmer der Neapel-Reise reichlich genossen. Sie konnten sogar die Verflüssigung des Blutes des Heiligen Gennaro in Augenschein nehmen, die sich auch in diesem Jahr pünktlich am 19. September für eine Woche eingestellt hatte. War gegenüber dem Blutwunder jedoch noch viel nordeuropäische Skepsis vorhanden, so erlag die Gruppe vollends einem anderen wenn nicht wundersamen, so doch als wundervoll empfundenen Erlebnis.

    Am letzten Tag der Reise stand der Besuch des Palazzo Donn’Anna auf dem Programm. So heißt die Ruine eines Palastes mit sagenhaftem Blick auf die Bucht von Neapel und wurde in unzähligen Landschaftsgemälden verewigt.

    Heute beherbergt der Palazzo Donn’Anna mehrere große Appartements. In einem besonders schönen wohnt die Principessa Colonna. Als sie hörte, dass die „Amici della Reggia di Wurtzburg“ – wie sich die Residenzfreunde in Italien nennen – zu Besuch kommen würden, empfing sie kurzerhand die Gruppe in ihren Gemächern und auf ihrer Terrasse. Dafür gibt es einen Grund, den sie in einer kurzen Ansprache verriet: Die Mutter der Fürstin war eine Cousine ersten Grades des Grafen Karl von Schönborn, weshalb Marina Colonna als Kind ein häufiger Gast auf Schloss Weissenstein in Pommersfelden war. Besonders die Konzerte, die „Zio Carlo“ (Onkel Karl) dort organisierte, seien ihr im Gedächtnis geblieben.

    Mit der Glanzzeit des Hochstifts Würzburg verknüpft

    Die Familie Schönborn ist freilich auch mit der Glanzzeit des Hochstifts Würzburg verknüpft, insbesondere mit dem Bau der Residenz. Deren Freunde hatten als Reiseführer ihren stellvertretenden Vorsitzenden Prof. Damian Dombrowski dabei. Im Palazzo Donn’Anna übersetzte er die Worte der Principessa Colonna – und hakte gleich ein, als die Rede darauf kam, dass sie im kommenden Frühjahr ihrerseits eine Gruppenreise nach Franken organisiert, für die „Amici delle dimore storiche della Campania“ (Freunde historischer Wohnbauten Kampaniens). Als Dombrowski auch noch zu bedenken gab, dass 2020 sich die Grundsteinlegung der Residenz zum dreihundertsten Mal jähren wird, gab es kein Halten mehr: Würzburg wird in die Reiseroute der Süditaliener aufgenommen, wo die Residenz-Freunde sich dann mit einem Empfang – und einer Weinprobe – revanchieren wollen.

    So wurde, was laut Programm als kunsthistorische Besichtigung geplant war, zu einer persönlichen, ja herzlichen Begegnung. Für viele war es der Höhepunkt einer an spektakulären Erlebnissen nicht gerade armen Reise, für manche sogar ein kleines Wunder, das im April nächsten Jahres eine Fortsetzung finden wird.

    Von: Dr. Verena Friedrich, 1. Vorsitzende, FREUNDE der Würzburger Residenz

    Neapel von oben. Foto: Verena Friedrich

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