• aktualisiert:

    Würzburg

    Klais-Orgel als Treffpunkt internationaler Orgelbauer

    Die illustre International Society of Organbuilders (ISO), also der Weltverband des Orgelbaus, war einen Tag lang in der Hochschule für Musik Würzburg (HfM) versammelt. Teils legendäre, teils neuere Namen von Orgelbauwerkstätten wie – alphabetisch – Eisenschmid, Eule, Goll, Klais, Kooiker, Laukhuff, Marchand, Marcussen, Scheffler, Schumacher, Schuke, Späth, Rensch, Rufatti, Virtanen, Weimbs aus Ländern von Italien, Frankreich, Deutschland, Belgien, Niederlande, Dänemark bis Finnland waren mit ihren Chefs oder Mitarbeitern vertreten.

    Zugleich war es ein Studientag des Fachbereichs Orgel und Kirchenmusik der HfM mit den Nationalitäten Deutschland, Ungarn, Slovenien und Korea. Im Fokus stand die 2016 eingeweihte Klais-Orgel, der die ISO diesen Tag unter Leitung von Klaus Rensch und nach Begrüßung durch Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Lehmann widmete.

    Faszinierende Klangbeispiele

    Unter der Perspektive Klangfarbe an sich einerseits und dem Blickwinkel historischer Stilbildung und Entwicklung andererseits präsentierte Prof. Bossert dann die Klais-Orgel im Konzertsaal der HfM. Faszinierende Klangbeispiele machten diese Spannungsmomente erlebbar und warfen in der anschließenden Diskussion die nicht unbekannte Frage auf: Stehen Barock und Romantik sich unvereinbar gegenüber? Bossert konnte dabei überzeugend darlegen, dass sich die deutsch-romantische Orgel in klar nachvollziehbaren Schritten, wie sie insbesondere Süd- und Mitteldeutschland hervorbrachte, aus dem Spätbarock entwickelt hat. So wurde deutlich, dass die von Bossert klanglich konzipierte Klais-Orgel gleichsam ein Lehrbuch dieser Klanggeschichte ist.

    Der Nachmittag begann mit einer kurzen Demonstration neuer Klanglichkeiten des 21. Jahrhunderts, womit ein weiterer ganz eigener Schwerpunkt dieser Orgel deutlich wurde. Dies ist insbesondere den technischen Innovationen dieser Orgel zu verdanken.

    Geschichtliche Reflexion und technische Innovation treten also in dieser Orgel gleichsam in eine Symbiose und machen sie zu einem Unikat. Hieran knüpften der Erbauer Philipp Klais als Inhaber der Orgelbauwerkstätte Klais und Andreas Saage als deren Chefintonateur an. Sie betonten dabei die überaus gelungene Zusammenarbeit mit Prof. Bossert und skizzierten den gedanklichen Werdegang dieser Konzertsaalorgel sowie die Herausforderungen, die es dabei zu bestehen galt. Andreas Saage hob hervor, dass die hohe Zahl von Orgelstudienreisen innerhalb der letzten 20 Jahre, die bereits in Bosserts Jahren an der Musikhochschule Trossingen begannen, dafür die Grundlage war.

    Zwei geplante Lehrgänge

    Anschließend präsentierte Prof. Bossert zwei im Rahmen der Professional School geplante Lehrgänge für Orgelbauer und Organisten, das von den Tagungsteilnehmern als willkommenes Scharnier zwischen den beiden Berufsfeldern gesehen wurde. Die Lehrgänge können als weiteres Ergebnis auf einem Weg betrachtet werden, der 2000 mit dem von Bossert initiierten und geleiteten Kongresses „Die Orgel als europäisches Kulturgut“ begann und zu dem Internationalen Masterstudiengang OrganExpert führt, wobei beide, Kongress wie Studiengang, unter der Schirmherrschaft des Vatikans standen.

    Den Abschluss bildete ein Orgelkonzert, in welchem Prof. Bossert mit Bach und Mendelssohn den geschichtlichen Aspekt der Klais-Orgel und die Studierenden Brúnó Kaposi, Jonas Pluhatsch, Joel Dicker und Leonard Klimpke improvisierend den zeitgenössisch-innovativen Aspekt der Klais-Orgel berührend und beglückend zusammenfassten.

    Von: Marion Winter, Hochschule für Musik Würzburg

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!