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    Würzburg

    Kunst hautnah erleben

    Alle Mädchen sind mit vielen bunten, kraftvollen Pinselstrichen van Goghs auf ihrem Handy glücklich nach Hause gefahren.
    Alle Mädchen sind mit vielen bunten, kraftvollen Pinselstrichen van Goghs auf ihrem Handy glücklich nach Hause gefahren. Foto: Manuela Gehr

    Würzburger Schülerinnen der Maria-Ward-Schule machten einen Ausflug ins Städel Museum nach Frankfurt zu van Gogh und anderen großen Meistern. Die Vorfreude war groß: einzelne der Schülerinnen im Alter von zehn bis 13 Jahren hatten noch nie ein Museum besucht, viele waren noch nie mit dem Zug gefahren. Angekommen in Frankfurt bot der Holbeinsteg über den Main mit Blick auf die Frankfurter Skyline die perfekte Kulisse für erste Fotos. Anders als in der Schule durften die Handys zum Fotografieren benutzt werden, – und die Geräte waren im Dauereinsatz.

    Wer kennt sie nicht, die Selfies vor Sehenswürdigkeiten, vor Kunstwerken wie der Mona Lisa oder selbst vor brennenden Häusern oder sonstigen Katastrophen?

    Lebendig wirkende Bilder

    Gefühlt hatte jeder Besucher der „Making van Gogh“-Ausstellung ein Smartphone in der Hand. Die Menschenmasse schob sich von Bild zu Bild. Ruhig, mit Geduld und Ausdauer warteten die Schülerinnen auf das erste Originalbild des Künstlers, die Handys bereit zum Fotografieren...

    …und es bot sich viel zum Fotografieren: die dicken Pinselstriche der aufgetragenen Ölfarbe glänzten als wären die bunten, lebendig wirkenden Bilder frisch gemalt. Zum Glück ließen sich die Mädchen nicht von Erwachsenen anstecken, die in dem Gedränge das Erstellen von Selfies vor den Meisterwerken probierten. Der Wunsch, die Bilder van Goghs festzuhalten, war jedoch vorhanden, vor allem bei Motiven aus dem Film „Loving Vincent“.

    Ein klares Highlight der Ausstellung war der Originalbilderrahmen des Gemäldes „Bildnis des Dr. Gachet“. Das Gemälde wurde 1990 bei einer Auktion in New York für eine Rekordsumme in Höhe von 82,5 Millionen Dollar verkauft. Seitdem ist das Bild „verschollen“. Das Städel Museum hat mit einem Podcast eine Suche der besonderen Art gestartet. Der leere Bilderrahmen mit der spannenden Hintergrundgeschichte lud geradezu zu einem Fotoshooting ein und wurde von allen Besuchern rege genutzt.

    Besondere Malweise

    Die Frage drängt sich auf: wird durch das viele Fotografieren das Erleben der Originale gemindert? Ein Risiko bestünde darin, die Gemälde nur noch durch die Linse zu betrachten.

    Dieser Eindruck entstand bei dem gemeinsamen Museumsbesuch jedoch nicht. Die Schülerinnen nahmen die Gemälde van Goghs, bei denen erst im Original die Dimension seiner besonderen Malweise erkennbar wird, bewusst wahr. Fotografieren bedeutet zudem aktiv sein und kann Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung mit der Kunst oder sogar selbst Kunst sein.

    Alle Mädchen sind mit vielen bunten, kraftvollen Pinselstrichen van Goghs auf ihrem Handy glücklich nach Hause gefahren und werden mit ihrem eigenen Portrait im Bilderrahmen des Dr. Gachet für immer ein Erinnerungsfoto der besonderen Art besitzen.

    Von: Manuela Gehr, Maria-Ward-Schule Würzburg

    Mit ihrem eigenen Portrait im Bilderrahmen des Dr. Gachet haben die Schülerinnen für immer ein Erinnerungsfoto der besonderen Art.
    Mit ihrem eigenen Portrait im Bilderrahmen des Dr. Gachet haben die Schülerinnen für immer ein Erinnerungsfoto der besonderen Art. Foto: Manuela Gehr
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