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    Würzburg

    Schüler besuchen Caritasladen

    Das Gefühl „nicht mehr mithalten zu können“ führt bei vielen Betroffenen von Armut zu einem sozialen Rückzug. Foto: Esther Schießer

    Der Frage „Was bedeutet es, arm zu sein in einem reichen Land?“ widmeten sich am Mittwoch, 6. November, Schüler der Montessori-Fachoberschule im Rahmen eines youngcaritas-Projekts. Sie waren zu Gast im Caritasladen (Koellikerstraße 5), einer zentralen Anlaufstelle für finanziell benachteiligte Menschen, wo sie gegen 3 Euro Bearbeitungsgebühr gute Second-Hand-Kleidung erhalten.

    Konkrete Hilfe leisten

    Gleich zu Beginn diskutierten die Schüler über das aktuelle Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Hartz-IV-Sanktionen: Drastische Kürzungen von Hartz-IV-Leistungen seien nicht zulässig; bei Pflichtverletzungen sei eine Kürzung um maximal 30 % möglich. Die Schüler erfuhren, dass viele Menschen, die im Caritasladen Kleidung erhalten, von Hartz IV leben. Der Regelsatz in Höhe von 424 Euro für eine alleinstehende Person sieht rund 37 Euro für Bekleidung und Schuhe vor. „Das ist alles schon äußerst knapp berechnet“, so Esther Schießer von youngcaritas. „Selbst ohne Sanktionen ist es sehr schwierig mit so wenig Geld auszukommen. Die Menschen, die bei uns Kleidung holen, versuchen überall, wo es irgendwie geht, Geld zu sparen – damit es für das Nötigste reicht.“

    Die weit verbreitete Meinung „Wer fleißig ist und hart arbeitet, der bringt es in unserer Gesellschaft zu etwas!“ nahmen die Schüler bei ihrem Besuch im Caritasladen kritisch unter die Lupe. Denn im Umkehrschluss würde das heißen, dass Menschen, die auf Unterstützung vom Staat angewiesen sind, eben nicht fleißig seien und daher auch selbst daran schuld seien. Das kann Esther Schießer aus der Praxis nicht bestätigen. Viele Menschen hätten schwierigere Ausgangssituationen und viele Tätigkeiten würden schlicht zu gering entlohnt. Der Caritasladen könne die strukturellen Ursachen von Armut nicht beseitigen, so Schießer weiter. „Wir können lediglich konkrete Hilfe leisten, wenn das Geld für neue Kleidung nicht ausreicht.“

    Kinder besonders betroffen

    Laut EU-Konvention gelten Menschen, die weniger als 60 % des mittleren Einkommens zur Verfügung haben, als arm bzw. armutsgefährdet. Nach dieser Definition ist jeder sechste in Deutschland arm (13,7 Millionen). Kinder sind sogar noch stärker von Armut betroffen: Jedes fünfte Kind lebt dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zufolge in Armut (Paritätischer Armutsbericht 2018). Dass Kinder besonders von Armut betroffen sind, lässt sich auch im Caritasladen beobachten, erklärte Schießer. Die Schüler waren erstaunt darüber, dass besonders viele Familien mit Kindern das Kleiderangebot im Laden nutzen.

    youngcaritas ist der Jugendbereich des Caritasverbandes und ermutigt junge Menschen sich gesellschaftlich zu engagieren und einen Blick über den eigenen Tellerrand werfen.

    Von: Esther Schießer, youngcaritas

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