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    Ochsenfurt

    Lehrerin zeigt: Pilgern mit Kindern geht eben doch

    Ihren Grundschüler waren mit Spaß ein Stück auf der Via Romea Germanica unterwegs. Damit es andere nachmachen können, schnürte Gertrud Friedrich einen Rucksack voller Ideen.
    Ein Stück Pilgern: Auf dem Panoramaweg von Kleinochsenfurt nach Sommerhausen schenkt die Via Romea schöne Aussichten auf das Maintal. 
    Ein Stück Pilgern: Auf dem Panoramaweg von Kleinochsenfurt nach Sommerhausen schenkt die Via Romea schöne Aussichten auf das Maintal.  Foto: Rainer Friedrich

    Pilgern mit Kindern? Es gilt als schwierig! Dabei ist der Pilgerrucksack schon gefüllt, mit Ideen vor allem. Gepackt hat ihn Gertrud Friedrich aus Ochsenfurt, speziell für die Via Romea Germanica. Und sie hat damit etwas geschaffen, was es so noch nicht gab.

    "Dabei bin ich nicht einmal eine Pilgerin", gesteht Gertrud Friedrich lachend, jedenfalls keine, die stramme Tagestouren läuft. Nein, Pädagogin ist sie, Grundschullehrerin - und die Entstehungsgeschichte des Pilgerrucksackes fängt quasi auf dem Weg an: Friedrich hatte die Via Romea Germanica - der Romweg des Abtes Albert von Stade im Jahr 1236, rekonstruiert nach seinen detaillierten Reiseaufzeichnungen - vor zwei Jahren in einer vierten Klasse zum Projekt gemacht. Zum Abschluss gab es eine kleine Pilgerwanderung auf der Via Romea, von Ochsenfurt nach Sommerhausen, rund sieben Kilometer.

    Mehr als ein Klassenausflug: Mit Pilgern unterwegs

    Das Besondere: Die Schüler wurden von drei echten und erfahrenen Pilgern begleitet, den Ochsenfurtern Werner Binnen mit seinem Pilgerstab sowie Brigitte und Jürgen Schuhmann. "Es war mehr als ein Klassenausflug", sagt die Lehrerin. Für die Kinder faszinierend - und für die Lehrerin perfekt gelaufen, angefangen von den neugierigen Fragen der Kinder bis zur Übernachtung im Tierpark. Die Landschaft und Strecke am Main entlang über den Panoramaweg und den Terroir f –Punkt zur Kunst mache es leicht, für Höhepunkte zu sorgen, sagt Friedrich.

    Gertrud Friedrich mit dem Pilgerrucksack am Pilgerstein in Kleinochsenfurt, wo sowohl Jakobsweg als auch Via Romea Germanica entlang kommen.
    Gertrud Friedrich mit dem Pilgerrucksack am Pilgerstein in Kleinochsenfurt, wo sowohl Jakobsweg als auch Via Romea Germanica entlang kommen. Foto: Antje Roscoe

    Nun stand diese Pilgerei zwar nicht wie üblich unter einem spirituellen oder religiösen Vorzeichen,  aber, sagt die Pädagogin, das "Ziel war die Begegnung".  Die Schüler sollten mit und auf dem "Weg der Begegnung ", wie die Via Romea im Untertitel heißt, die Weltoffenheit, für die das Pilgern auch steht, und das gemeinsame Unterwegs-Sein kennenlernen. 

    Als Gertrud Friedrich im Herbst 2018 auf dem Symposium zur Via Romea im schwäbischen  Donauwörth einen  Vortrag zu Pilger-Erfahrungen mit Schülern hält, macht sie es wie in der Schule, mit einem Rätselraten um eine geheimnisvolle goldene Schatulle aus der sie die Pilgerfahne quellen lässt. Mit Spannung weckt sie die Neugierde, und schon sind alle mit auf dem Weg. "Das funktioniert bei Kindern eigentlich immer", sagt Friedrich.

    Wichtigste Stücke: Fahne und Maßstab

    In den Gesprächen auf dem Symposium entsteht die Idee mit dem Pilgerrucksack – als Handreichung, vor allem für Lehrer und Gruppen. Mit Ulrike Steger von der Tourist-Information in Donauwörth als  treibender Kraft, die die praktische Umsetzung in die Hand nimmt, macht sich die Ochsenfurter Lehrerin an ein lehrplangerechtes Konzept. Wichtigste Gegenstände im Rucksack: Fahne und Maßstab, der hilft, Wege und Zeiten zu ermessen.

    Pilgern für Kinder didaktisch aufbereitet: der Pilgerrucksack ist eine Handreichung für besondere Wanderungen.
    Pilgern für Kinder didaktisch aufbereitet: der Pilgerrucksack ist eine Handreichung für besondere Wanderungen. Foto: Antje Roscoe

    Die Themen kommen vor allem aus dem Sachkundeunterricht: Heimat, Deutschland, Europa, Mobilität, Raum und Zeiten. Gertrud Friedrich hat das Pilgern und die deutsche Romstraße in iher didaktischen Aufbereitung bewusst nicht religiös eng gefasst, um allen Kindern einen Zugang zu ermöglichen. Ihr Pilgern befasst sich mit (Lebens-)Wegen Begegnungen, "sich selbst finden". Die christlichen Grundwerte werden über die vorgeschlagenen Lieder vermittelt.

    Interessierte Lehrer können einen Rucksack ausleihen

    Unter anderem in den Tourist-Infos in Donauwörth und Ochsenfurt sind die Pilger-Rucksäcke samt Unterrichtsskript, Wortkarten und diversem Arbeitsmaterial jetzt ausleihbar. Sechs Stück sind bisher entlang der Via Romea stationiert, weitere soll es auf Nachfrage geben. "Ich dachte auch erst, Pilgern mit Grundschülern geht nicht", sagt Gertrud Friedrich. "Aber das stimmt nicht." Besonders für 5. und 6. Klassen biete sich das an, weil die auch mal ein Stück laufen können – für einen Button und einen Pilgerstempel.

    Infos: www.viaromea.de

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