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    Ochsenfurt

    Ochsenfurt hat wieder einen evangelischen Pfarrer

    Der Nachfolger von Friedrich Wagner liebt Motorradfahren, Lego und die Südsee. In Ochsenfurt freut er sich auf das Miteinander über die Konfessionsgrenzen hinweg.
    Ein Pfarrer wirkt nicht nur in der Kirche: Öfter ist Johannes Müller am Schreibtisch in seinem Büro im Pfarrhaus anzutreffen.
    Ein Pfarrer wirkt nicht nur in der Kirche: Öfter ist Johannes Müller am Schreibtisch in seinem Büro im Pfarrhaus anzutreffen. Foto: Helmut Rienecker

    Fast ein dreiviertel Jahr lang war die Stelle des evangelischen Pfarrers in Ochsenfurt vakant, nachdem Pfarrer Friedrich Wagner im letzten September in den Ruhestand ging. Ab dem 1. Juni ist nun Pfarrer Johannes Müller mit seiner Frau Barbara in das Pfarrhaus neben der Christuskirche zu Hause. Am Sonntag hielt er seinen ersten Gottesdienst in der Kirche. Leider konnten wegen der aktuellen Choronabeschränkungen nur 35 Gemeindemitglieder  daran teilnehmen.

    Die offizielle Einführung des neuen Geistlichen findet dann am Sonntag, 14. Juni, um 14 Uhr ebenfalls in der Christuskirche statt. Allerdings, zu seinem Leidwesen durch die Pandemie bedingt, nur mit geladenen Gästen, gab Müller bei seinem ersten Gottesdienst bekannt.

    Im evangelischsten Dorf Mittelfrankens zu Hause

    Johannes Müller erblickte im Januar des Jahres 1966 in Uffenheim das Licht der Welt. Er war der ältere von zwei Brüdern und wuchs auf einem Bauernhof auf. Schmunzelnd erzählt  Pfarrer Müller, dass der Ort Weigenheim, in dem er aufgewachsen ist,  auch mit einer Einzigartigkeit aufwarten kann. Denn es ist mit einem Anteil von 98,7 Prozent das evangelischste Dorf Mittelfrankens. Die Grundschule besuchte er in Reusch und Ulsenheim. Sein Abitur legte er 1985 in Uffenheim ab. Dann folgte ein Praxisjahr im Handwerk und in einem Würzburger Kinderheim.

    Danach begann er sein Theologiestudium in Neuendettelsau und in Marburg an der Lahn. Dazwischen hatte er die Möglichkeit wahrgenommen, ein Studienjahr am Martin Luther Seminary in der Stadt Lae in Papua Neuguinea zu absolvieren. Nach einem zweieinhalbjährigen Vikariat in Weißenstadt im Fichtelgebirge kehrte er in die Südsee zurück. Im Hochland und an der Küste Papua Neuguineas war er vier Jahre lang als Pfarrer in der Fortbildung für einheimische Pastoren tätig.

    Bei seinem ersten Gottesdienst in der Christuskirche stellte sich der neue Pfarrer, durch die Choronaauflagen bedingt, nur einem kleinen Teil der Gemeinde vor.
    Bei seinem ersten Gottesdienst in der Christuskirche stellte sich der neue Pfarrer, durch die Choronaauflagen bedingt, nur einem kleinen Teil der Gemeinde vor. Foto: Helmut Rienecker

    Im Jahr 2000 kehrte Johannes Müller nach Deutschland zurück und hatte für zehn Jahre die Pfarrstelle in Burgsinn im Spessart inne. Dann folgten zehn weitere spannende, interessante und manchmal auch gefährliche Jahre als Militärpfarrer bei der Bundeswehr. In Veitshöchheim und dem Standort Volkach betreute er die Soldaten. Und in diese Zeit fielen auch seine vier Auslandseinsätze als Militärseelsorger. Zunächst 2012 bei der KFOR im Kosovo, dann 2015 in Afghanistan.

    Es folgten weitere Auslandseinsätze 2017 in Mali und 2018/19 in Litauen. Dort begeisterte ihn, dass das Land teilweise viel moderner ist als unseres. Vor allem was Internet und Mobilfunk angeht. Andererseits hat er in den anderen Ländern seiner Auslandseinsätze viel Not und Elend gesehen. Wir könnten uns glücklich schätzen, meint er, hier zu leben. Und erst nach solchen Erfahrungen könne man erkennen, wie gut es uns in Deutschland eigentlich wirklich geht.

    Bewerbung in Ochsenfurt

    Jetzt ist Müllers Zeit bei der Bundeswehr vorbei, und schon im vergangenen Jahr hatte er sich nach einer "zivilen" Pfarrstelle umgesehen. Als er erfuhr, dass in Ochsenfurt eine Stelle frei ist, hat er sich umgehend darauf beworben. Die Ausschreibung, so sagt er heute, schien wie für ihn gemacht zu sein. Eine treue Gemeinde, viele ehrenamtliche Helfer und auch eine wunderbare Kirche hat Ochsenfurt zu bieten. Außerdem ein bestens funktionierendes Miteinander der Kirchen in der Ökumene.

    Sicher ein Plus auf der Wunschliste war auch die Tatsache, dass seine Frau Barbara ihre Stelle in einem Würzburger Hospiz jetzt behalten kann. Denn bei früheren Umzügen musste sie sich beruflich immer wieder neu orientieren. Und so kam es, dass Pfarrer Müller als einer von drei Bewerbern die Pfarrstelle in Ochsenfurt verliehen wurde. Er freut sich schon auf seine Tätigkeit in Ochsenfurt und den kollegialen Austausch und die Zusammenarbeit über die Konfessionsgrenzen hinweg. Den Halt dabei, so sagt er, gibt ihm auch seine Frau und seine Familie. Müllers haben eine Tochter und zwei Söhne  im Alter von 22, 24 und 26 Jahren, die alle auswärts studieren.

    Neben all der Seelsorge bleibt ihm aber auch noch Zeit für seine Hobbies. Dazu gehört das Motorradfahren, seine Leidenschaft, lieber etwas zu reparieren als wegzuwerfen, und seine Liebe zu dänischen Klemmbausteinen, besser bekannt als Lego.

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