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    Ochsenfurt

    Ochsenfurt: Kultur und Brauchtum läuft auf Sparflamme

    Das kulturelle Leben und die Vereine stehen nahezu still. Neben großen Jahrmärkten, Festen und Konzerten fallen auch viele kleinere Veranstaltungen aus.
    Auf Mindestabstand, aber auf der gleichen Wellenlänge zeigten sich die Teilnehmer bei einem Gespräch über die derzeitige Ochsenfurter Kulturlandschaft. Von Links: Klaus Anton Schäfer, Wolfgang Burghard, Barbara Kleindienst, Anton Kestel und Kulturreferentin Renate Lindner
    Auf Mindestabstand, aber auf der gleichen Wellenlänge zeigten sich die Teilnehmer bei einem Gespräch über die derzeitige Ochsenfurter Kulturlandschaft. Von Links: Klaus Anton Schäfer, Wolfgang Burghard, Barbara Kleindienst, Anton Kestel und Kulturreferentin Renate Lindner Foto: Helmut Rienecker

    Immer wieder hörte man in der Vergangenheit Stimmen die sagten: "In Ochsenfurt ist ja doch nichts los". Jetzt, wo das kulturelle Leben und die Vereine nahezu Stillstand haben, zeigt sich erst, auf was wir alles verzichten müssen. Da ist nicht nur das Pfingstfest, das Ochsenfest, die Jahrmärkte, Konzerte und die Musik an der Furt. Auch viele kleinere Veranstaltungen können längere Zeit nicht stattfinden.

    Zu einer Bestandsaufnahme und einem Blick in die Zukunft traf sich die Ochsenfurter Kulturreferentin Renate Lindner mit einigen Vertretern von Vereinen aus der Ochsenfurter Kunstszene. Renate Lindner bedauerte unter anderem auch, dass das Konzert des bekannten Gitarristen Christian Reichert im Oktober auf der Kippe steht. Dabei war es gar nicht so einfach den weltweit auftretenden Künstler zu engagieren. Ebenfalls der St. Daniels Chor aus Moskau, der normalerweise zweimal im Jahr zu Gast ist, kann nicht kommen, obwohl seine Mitglieder nur von den Spenden bei ihren Auftritten leben. Und so gäbe es noch vieles mehr aufzuzählen, auf das die Ochsenfurter auf längere Zeit verzichten müssen.

    Wenig Möglichkeiten für Musiker und Künstler

    Für die Chefin des Chores Mainklang und Sprecherin der Sängergruppe Ochsenfurt, Barbara Kleindienst, ist es unverständlich, dass für den Fußball Sonderregelungen getroffen werden. Dagegen gibt es für die Sänger keine Möglichkeiten zusammen zu proben oder aufzutreten. Von der Politik fühlt sie sich im Stich gelassen. Hart trifft es auch den Ochsenfurter Liederkranz, wie Vorstand Wolfgang Burghard berichtet. Denn der Gesangsverein ist für die meisten Mitglieder oft einer der wenigen sozialen Kontakte für sie. "Sie freuten sich schon immer auf die dienstäglichen Übungsstunden, und das Treffen mit Gleichgesinnten", sagt der Vorstand.

    "Sie freuten sich schon immer auf die dienstäglichen Übungsstunden, und das Treffen mit Gleichgesinnten."
    Wolfgang Burghard, Vorstand Ochsenfurter Liederkranz

    Burghard sieht aber keine Möglichkeit, dass die Sänger sich in den nächsten Monaten wieder treffen. Denn das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 70 bis 75 Jahren. Und da ist ihm das Risiko für Proben, Auftritte, Feiern und einen schon geplanten Ausflug zu groß. "Lieber mal abwarten", meint er.  Und so müssen auch die Aktionen zum 175 jährigen Bestehen des Traditionsvereins erst einmal verschoben werden.

    Anton Kestel hat "OX.Art", eine Gruppe  von Künstlern aus der Region ins Leben gerufen. Der lockere Zusammenschluss von Malern und Bildhauern sowie anderen Kunstschaffenden  hat schon viele Ausstellungen organisiert. Und auch in seiner Galerie in der Stadtmitte hatte er im letzten Jahr fast monatlich eine Ausstellung. Außerdem bot er Workshops und Seminare an. Eine Ausstellung mit Künstlern aus den Partnerstädten muss nun auf unbekannte Zeit verschoben werden, aber immerhin konnte er seine Galerie wieder öffnen. Eine für den Herbst geplante Lesenacht mit Ochsenfurter Autoren, unter dem Logo "LitOX" steht noch in den Sternen.

    "Musik in Spitalkirchen" könnte stattfinden

    Ebenfalls der Gruppe "OX.Art" angeschlossen ist der Maler Klaus Anton Schäfer. Zweimal im Jahr hat er vor Corona in Ochsenfurter Galeriele ausgestellt. "Um nun nicht ganz untätig zu sein, male ich jetzt Comicbilder für Nachbarskinder", sagt Schäfer. Die zeigten sich erkenntlich, indem sie ihren Dank mit Straßenkreide vor seinem Haus schrieben.

    "Um nun nicht ganz untätig zu sein, male ich jetzt Comicbilder für Nachbarskinder."
    Klaus Anton Schäfer, Maler

    Lichtblicke für Tradition und Kultur in Ochsenfurt – zur Zeit Fehlanzeige. Nur einen kleinen Hoffnungsschimmer konnte Renate Lindner aufzeigen. Für die Veranstaltung "Musik in Spitalkirchen" im Herbst. Denn in der Ochsenfurter Spitalkirche könnten bei korrektem Mindestabstand 50 Personen das Konzert genießen. Fraglich ist allerdings noch, ob das erste Konzert am 26. Juni stattfindet.

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