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    Würzburg

    Posthalle und Chambinzky in Würzburg bei der "Night of Light" dabei

    Seit Mitte März steht die Veranstaltungsbranche in Deutschland aufgrund der Beschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie still.

    Für einen Wirtschaftszweig, dessen Kerngeschäft wesentlich in der menschlichen Interaktion besteht, sind Lockerungen nicht absehbar. Bisher gestartete Hilfsprogramme reichen nicht aus, um flächendeckend das Überleben von Betrieben und Arbeitsplätzen zu sichern. Das schreibt der "Förderverein zur Unterstützung der kulturellen Vielfalt der Posthalle" in einer Pressemitteilung.

    Flammender Appell der Veranstaltungswirtschaft

    Die "Night of Light" an diesem Montag, 22. Juni, wird von den Initiatoren auf ihrer Website als "leuchtendes Mahnmal und ein flammender Appell der Veranstaltungswirtschaft" bezeichnet, wofür sinnbildlich die rote Beleuchtung von Gebäuden steht. Unter dem Hashtag #nightoflight2020 sollen sich die Bilder der Aktion auf der ganzen Welt verbreiten.

    Der Förderverein organisiert mit dem Theater Chambinzky e.V. und dem Dachverband freier Kulturträger die Teilnahme von Posthalle und Chambinzky an dieser Aktion. Denn die Würzburger Kulturszene und ihre Notlage ist im Moment keine Ausnahme.

    Ein runder Tisch zu Perspektiven der Kultureinrichtungen am 29. Mai erbrachte zwar verschiedene Vorschläge, was sich die einzelnen Kulturhäuser von der Stadt erwarten. Je nach Trägerschaft kamen Aspekte wie Mieterlass beziehungsweise – speziell bei den unabhängigen Institutionen Posthalle und Chambinzky – Mietzuschüsse zur Sprache. Oberbürgermeister Christian Schuchardt habe seine Unterstützung zugesagt, heißt es in der Mitteilung.

    "Es ist bezeichnend, dass nun nur noch erhebliche Anstrengungen des Staates für erforderlich gehalten werden, um ein Kulturland und Würzburg als Kulturstadt zu erhalten. Von Seiten der Stadt aber ein kommunaler Rettungsschirm schon vorab totgeredet wird", sagt Csaba Béke, Leiter des Theaters Chambinzky und Vorsitzender des Posthallen-Fördervereins.

    In der Not braucht es auch kommunale Unterstützung

    Jojo Schulz, Betreiber der Posthalle, äußert sich ähnlich: "Wir haben es bislang ohne Hilfe geschafft in den vergangenen zwölf Jahren, ein breites und für die Stadt wertvolles Kulturprogramm anzubieten. In dieser Notsituation braucht es auch kommunale Unterstützung, sonst ist es so, als würde einem beim ersten Regentropfen der Regenschirm weggenommen werden."

    Eine Initiative der Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib und Patrick Friedl zeigt, dass die Sicherung der Kulturbetriebe ohne kommunale Trägerschaft in der Landespolitik angekommen ist. Diese wollen die aktuelle Situation als Chance für eine langfristige Lösung nutzen.

    "Die Krise ist wie ein Brennglas auf die Posthalle, wir brauchen einen neuen Standort und eine Zukunftsperspektive für die Posthalle", sagt Friedl. Gespräche mit der Stadtverwaltung diesbezüglich stocken allerdings seit Anfang Februar.

    Der Dachverband freier Kulturträger bringt sich konstruktiv in die Diskussion mit ein und macht folgenden Vorschlag: "Die Posthalle braucht – wie viele andere Kultureinrichtungen – Unterstützung. Eine Übernahme der Mietkosten wäre ein geeignetes und wirkungsvolles Instrument."

    Überleben der Kulturszene hängt von Maßnahmen ab

    In Zeiten, in denen kleine Bühnen aufgrund der Abstandsregeln nicht ansatzweise wirtschaftlich arbeiten können, könne die Stadt laut Dachverband die Posthalle wochenweise mieten und der Kulturszene kostenlos überlassen. Das wäre eine Win-win-Situation."

    Natürlich stehe für alle Beteiligten die Gesundheit über allem. Die Initiatoren möchten keine der Beschränkungen in Frage stellen, heißt es abschließend in der Mitteilung. Aktionen wie die "Night of Light" sollen vielmehr einen dringenden Hinweis darstellen, dass ein Überleben der Kulturszene nach Corona sehr stark von Maßnahmen in der Gegenwart abhänge.

    Informationen im Internet unter www.night-of-light.de, www.posthalle.de, www.chambinzky.com und www.dachverband-wuerzburg.de

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    Bearbeitet von Jürgen Sterzbach

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