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    Würzburg / Schweinfurt

    Regenwetter: Geht es Natur und Landwirtschaft nun besser?

    Nach mehreren Wochen Trockenheit hat es in Unterfranken vor einigen Tagen immer wieder geregnet. Können sich Pflanzen und Bäume nun erholen?
    Das gesamte Frühjahr ist in Unterfranken aus Sicht der Landwirtschaft viel zu trocken ausgefallen. Schon jetzt ist klar, dass sich einige Pflanzen nicht mehr von der Dürrperiode erholen werden. 
    Das gesamte Frühjahr ist in Unterfranken aus Sicht der Landwirtschaft viel zu trocken ausgefallen. Schon jetzt ist klar, dass sich einige Pflanzen nicht mehr von der Dürrperiode erholen werden.  Foto: Philipp Schulze, dpa

    Wochenlang mussten die Landwirte in Unterfranken darauf warten, jetzt hat es endlich geregnet. Denn die Frühjahrsmonate waren in der Region viel zu trocken. Doch reichen die Niederschläge der letzten Aprilwoche aus, damit sich die Natur erholen kann?

    Für den Raps kommt jeder Regen zu spät

    Ann-Kathrin Rauscher vom Bayerischen Bauernverband in Unterfranken spricht von einem "Tropfen auf den heißen Stein". Durchschnittlich habe es in der Region rund zehn Millimeter Niederschlag gegeben – deutlich zu wenig, um die Situation der Landwirte zu entschärfen. Für einen spürbaren Effekt wäre Rauscher zufolge mindestens das Doppelte notwendig gewesen. So aber habe der Regen teilweise gerade einmal die Bodenoberfläche befeuchtet. "Mais und Zuckerrüben hätten noch das Potential für normale Erträge, wenn endlich mal ein Landregen kommt", sagt Rauscher. Für den Raps hingegen käme jeder Regenschauer zu spät.

    Viele Landwirte setzen bereits heute Maßnahmen ein, um mit der zunehmenden Trockenheit umzugehen. Dazu gehöre es zum Beispiel, stärker auf Pflanzen zu setzen, die im Herbst ausgesät werden, und so die Winterfeuchte zu nutzen, sagt Rauscher. Auch mehrjährige Kulturen, die einmal ausgesät für mehrere Jahre stehen bleiben und nachwachsen, seien eine Reaktion der Landwirte auf die veränderten Gegebenheiten.

    Bäume erholen sich nur langsam

    Genauso wie die Landwirtschaft leidet auch der heimische Wald unter der Trockenheit. Daran habe auch der Regen der vergangenen Woche nichts geändert, sagt Peter Naumann, Forstingenieur des Bergwaldprojekts: "Natürlich war es gut und wichtig, dass es geregnet hat, aber retten wird es den Wald nicht." Nach vier bis sechs Wochen ohne Regen beginnen die Feinwurzeln eines Baums abzusterben. Bis diese Wurzeln nachgewachsen sind, dauere es ein bis zwei Jahre, erklärt Naumann. Vorausgesetzt der betroffene Baum gehe nicht komplett ein. Für einen langfristigen Effekt seien deshalb weitere Niederschläge notwendig. Aus diesem Grund hofft der Forstingenieur für die kommenden Wochen auf wechselhafteres Wetter und weniger Schönwetterlagen mit ausgeprägter Trockenheit und Wärme: "Es darf gerne noch weiter regnen."

    Deutschlandweit sind Waldbestände durch zunehmende Dürreperioden bedroht. Im Würzburger Raum trage auch der niedrige Grundwasserspiegel zu einer angespannten Situation bei, sagt Naumann. Um den Wald langfristig auf trockene Episoden vorzubereiten, fordert er: "Wir müssen weg von Nadelholzmonokulturen, hin zu naturnahen Laubmischwäldern." Denn gerade Kiefern und Fichten seien bei mangelndem Regen anfällig für Schädlinge und Pilze. Ein standortheimischer Baum hingegen könne den veränderten Gegebenheiten besser standhalten.

    Auch Rebstöcke kennen Trockenstress

    Bei den Winzern in Unterfranken hingegen hat der Regen etwas für Entspannung gesorgt. Anders als in der Landwirtschaft hat das trockene Frühjahr im Weinbau noch keine langfristigen Schäden angerichtet. Auf lange Sicht werde die zunehmende Trockenheit jedoch auch hier mehr und mehr zur Herausforderung, sagt Daniel Heßdörfer, Leiter der Forschungskoordination am Institut für Weinbau und Oenologie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG): "Franken können wir mittlerweile einfach nicht mehr als humides Gebiet betrachten. Dafür haben wir in der Region deutlich zu wenig Niederschlag." Lange Dürreperioden können Heßdörfer zufolge auch bei den Rebstöcken zu Trockenstress führen. Gerade bei jüngeren Reben vertrocknen zum Beispiel die Blätter und die Beeren fallen kleiner aus.

    "Schon heute passen die Winzer der Region sich an die veränderten Gegebenheiten an", sagt Heßdörfer. Eine Möglichkeit, Rebstöcke bei Trockenheit zu entlasten, sei etwa die Blätter des Weins teilweise zu entfernen. Ohne Bewässerung oder andere Maßnahmen werde es auf die Dauer jedoch schwierig, Weinbau zu betreiben, sagt der Fachmann.

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