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    Rimparer Schwerlast-Logistik von Corona hart getroffen

    Das Transportunternehmen feiert heuer sein 75-jähriges Bestehen. Dabei kann Geschäftsführer Oliver Arnold auf eine Erfolgsgeschichte zurück blicken. Doch bleibt das so?
    Die Spedition Arnold in Rimpar feiert heuer ihr 75-jähriges Bestehen. Das Bild zeigt Geschäftsführer Oliver Arnold vor einer Weltkarte, die erledigte Schwertransporte zeigt.
    Die Spedition Arnold in Rimpar feiert heuer ihr 75-jähriges Bestehen. Das Bild zeigt Geschäftsführer Oliver Arnold vor einer Weltkarte, die erledigte Schwertransporte zeigt. Foto: Ulises Ruiz

    Auf der Suche nach der Spedition Schwerlast Arnold im Gewerbegebiet von Rimpar hält man vergebens nach großen Lkw 's Ausschau vor. Der Navigator führt dagegen zuverlässig zum Ziel in den Technologiepark Rimpar. Dort hat das Unternehmen zwei Pavillons bezogen. Am Firmensitz herrscht auffallende Ruhe. Lkw-Fahrer, die die Nacht auf einem übervollen Autobahnparkplatz verbracht haben, gibt es hier nicht. Dafür aber Mitarbeiter, die in den Computer tippen, recherchieren und vor allem – telefonieren. Seit der Gründung war die Firma eine traditionelle Spedition - bis zum Jahr 2000, als Oliver Arnold das gesamte Geschäftsfeld mit damals 180 Lastwagen auf einen Schlag verkaufte.

    Transport und Montage ganzer Industrieanlagen sind Routine

    "Deswegen mache ich noch heute Kreuzzeichen", erklärt Oliver Arnold, der seit 2005 das Unternehmen als Geschäftsführer leitet. Was damals viel Mut benötigte, hat sich als richtig erwiesen. Das Unternehmen sei damit einen "schweren Klotz am Bein" losgeworden. Es konnte sich seither auf internationale Schwer- und Sondertransporte spezialisieren. Ob per Schiff - wie in den meisten Fällen - Flugzeug, Bahn oder Lkw. Transportiert wird alles, was sich als länger, breiter oder schwerer als normale Güter beschreiben lässt. Der Erfolg des Unternehmens beruht auf exakter Planung. Arnold beschreibt daher gerne das Unternehmen als  "Architekt des Transports".  Windenergieanlagen sind beinahe schon Routine. Zum Geschäft gehört der Abbau, der Transport und die Montage ganzer Industrieanlagen, so etwa als General Motors sein Corsa-Werk in Antwerpen an Dacia in Rumänien verkauft hat.

    Die Strategie war erfolgreich. Bis zuletzt. Die Corona-Pandemie droht nun jedoch einen kräftigen Strich durch die Rechnung zu machen. Von einem Tag auf den nächsten hätten sich die Vorschriften geändert, Zulieferer sind ausgefallen oder es gab einen Baustopp. Jedes Land hat seine eigenen Regeln. "Für einen reibungslosen Ablauf müssen sich gerade bei grenzüberschreitenden Großaufträgen alle Rädchen wie in einem Uhrwerk miteinander verzahnen", schildert Arnold. Auch millionenschwere Großaufträge hat es getroffen: In Brasilien stehen nun tonnenschwere Turbinen auf der Straße, auf die die Ingenieure auf einer Baustelle in der Türkei bisher vergebens warten. Brechen zu viele dieser großen Aufträge weg, wird es eng.

    "Wir müssen nun alle Register ziehen, um die Firma durch die Krise zu bringen."
    Oliver Arnold, Geschäftsführer

    Zunächst hat die Krise jedoch zu erheblichen Mehraufwand geführt, um die Projekte zu stoppen. Gleichzeitig aber mussten Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, um sich auf das Bevorstehende zu wappnen. Schon früh hat sie zudem auf Heimarbeit gesetzt, um selbst bei einem Corona-Fall unter den 26 Mitarbeitern handlungsfähig zu bleiben. Schon Ende Februar, noch vor dem Lockdown, wurde die Belegschaft in zwei Schichten aufgeteilt, von denen eine im Büro, die andere von zu Hause aus arbeitet. Eine weitere Welle an Arbeit erwartet er für den Fall eines Wiederanlaufens der Wirtschaft, viele Planungen müssten dann nochmals neu aufgerollt werden.

    Oliver Arnold ist sich sicher, dass Corona bisher die größte Herausforderung für das Familienunternehmen in seiner Geschichte sei. "Wir müssen nun alle Register ziehen, um die Firma durch die Krise zu bringen", stellt er fest. Nach vielen Jahren in der Türkei, wo er für eine andere Firma in der Logistik tätig war, ist er jedoch krisenerfahren. Auch steckt wohl noch ein großes Stück des Improvisationstalents seines Großvater Ernst in ihm, der kurz nach Kriegsende den Amerikanern einen Lastwagen abgekauft hat, um damit Kohle und Holz zu transportieren. Den Durchbruch brachten Transporte in den 1970er Jahren nach Saudi-Arabien oder in den Irak. Das Überwinden von Hindernissen gehört seither zum Geschäftsmodell.

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