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    's Käuzle: Keine Ahnung vom Küssen

    Foto: Käuzle

    Es ist mal wieder so weit: Am 6. Juli ist der internationale Tag des Kusses. Gefeiert wird der - ja, warum eigentlich? Weil die meisten Menschen Küssen als eher angenehm empfinden? Das kann nicht sein, denn noch im 19. Jahrhundert schrieb ein französischer Ethnologe, die Chinesen betrachteten die europäische Kuss-Variante als überaus ekelhafte Version des Kannibalismus. Und die Chinesen, das dürfte unstrittig sein, bilden innerhalb der Weltbevölkerung eine ziemlich große Gruppe.

    Ist es nicht einfach seltsam, einem Phänomen, über das man eigentlich so gut wie gar nichts weiß, einen eigenen Tag zu widmen? So ziemlich alles um den Kuss ist Spekulation. Es geht schon damit los, dass der Kuss keiner gängigen thematischen Sparte zuzuordnen ist. Ist das Kultur? Gesundheit? Brauchtum? Freizeitgestaltung?

    Ein Überbleibsel aus grauer Vorzeit

    Nähert man sich dem Kuss aus verhaltensbiologischer Sicht, so wird bisweilen die These vertreten, es handle sich dabei um eine in die Moderne hinübergerettete Verhaltensweise aus der Frühzeit, als menschliche Eltern ihrem Nachwuchs das Essen vorkauen und in den Mund befördern mussten. Sollte da etwas dran sein, so müssen wir froh und dankbar sein, dass unsere Vorfahren dieses Stadium überwunden und uns in das Zeitalter von Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch geführt haben, so dass nur der Kuss in seiner aktuellen Form als durchaus verschmerzbares Überbleibsel dieses dunklen Zeitalters übrig blieb.

    Eine andere biologische Herleitung sieht im Kuss das, was vom gegenseitigen Sich-Beschnüffeln im Rahmen der Partnerwahl hängen geblieben ist  - letzteres wird heutzutage übrigens tatsächlich nur noch von Angehörigen nicht-menschlicher Lebensformen praktiziert. Daher gilt der Kuss in vielen Kulturen als romantisch.

    Kuss-Unfälle vermeiden

    Pustekuchen: Im Lauf der Geschichte musste der Kuss auch schon als Werkzeug der Vertragsgestaltung oder zur politischen Willensbekundung herhalten. In der Antike hat man angeblich Verträge mit einem Kuss besiegelt (die Notare der damaligen Zeit müssen einen abartigen Verbrauch an Lippenbalsam gehabt haben). Und der berühmte Breschnew-Honecker-Kuss ist gar als Kunstwerk an der Berliner East Side Gallery verewigt.

    Wo auch immer der Kuss nun auch herrührt - er ist jedenfalls nur unzureichend geregelt. Immer wieder kommt es etwa zu Missverständnissen, wenn der im französischen Sprachraum übliche Wangenkuss zur Begrüßung absolviert werden soll. Sind international weniger geübte Partner beteiligt, kommt es auch schon mal zum Zusammenprall von Köpfen, wenn über die Kuss-Richtung oder die Anzahl der zu verteilenden Bussis keine Einigkeit erzielt werden kann.

    Immerhin könnte der Tag des Kusses als Gelegenheit verstanden werden, durch gezielte Wiederholung einen Trainingseffekt zu erzielen und derlei Pannen künftig zu vermeiden. Da ein Kuss angeblich so um die zwölf Kalorien verbraucht, eignet sich der Tag des Kusses also auch noch zum Abnehmen.

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