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    Ochsenfurt

    Spital-Sanierung: Was ergaben die archäologischen Grabungen?

    Seit einem Jahr laufen die Bauarbeiten in der Ochsenfurter Altstadt. Auch die Archäologen waren vor Ort. Auf einen bestimmten Fund hatten sie gehofft, doch der blieb aus.
    Die Versorgungsleitungen sind verlegt. Mitarbeiter des Gelchsheimer Bauunternehmens Hoos ebenen den Hof wieder ein.
    Die Versorgungsleitungen sind verlegt. Mitarbeiter des Gelchsheimer Bauunternehmens Hoos ebenen den Hof wieder ein. Foto: Antje Roscoe

    Ein Jahr nach dem Spatenstich zur Spitalsanierung ist der schmale Westflügel mit den öffentlichen Toiletten noch immer Baustelle. Bürgermeister Peter Juks erklärt, was dahinter steckt.

    Tastsächlich rechnet Juks sogar damit, dass es noch bis in den Herbst dauert, bis der Westflügel nutzbar ist. Etwa drei bis vier Monate liegt das Projekt hinter dem Zeitplan, woran auch die Corona-Pandemie ihren Anteil hat. Die Prioritäten waren wegen Corona anders und "manches konnte nicht so intensiv verfolgt werden", erklärt Juks. Das war bei Planern, Firmen, aber auch im Rathaus so.

    Anschluss an die Fernwärmeversorgung

    Zudem ging es im ersten Bauabschnitt nicht allein um den Einbau von Toiletten. Über den Westflügel wurde die gesamte Spitalanlage neu erschlossen mit allen Versorgungssparten sowie zusätzlich Fernwärme. Integriert ist weiterhin auch die Trafostation des Überlandwerks. Ablesbar ist das am großen Umgriff für die Versorgungsschächte im Hof und der wieder freigelegten vierten Arkade. Hier waren zuletzt Toilette und der Öltank eingebaut gewesen.

    Blick aus dem um 1550 entstandenen Arkadenbau des Ochsenfurter Spitals auf die Stadtmauer und die Mainländebahn.
    Blick aus dem um 1550 entstandenen Arkadenbau des Ochsenfurter Spitals auf die Stadtmauer und die Mainländebahn. Foto: Antje Roscoe

    Etwa vier Wochen im April und Mai wurden von den Archäologen beansprucht. "Von der Wertigkeit war leider nichts dabei, was Ochsenfurt reich machen könnte", scherzt Juks. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte Vorgängerbauten und im Umfeld der Spitalkirche auch Gräber vermutet. Mauerreste wurden erwartungsgemäß gefunden, jedoch keine Gräber, was wirklich überraschend war, sagt Sarah Wolff, Inhaberin von ADW, Archäologische Dienstleistungen aus Lauda: "und Glück für die Stadt", was die zeitliche Abfolge anbelangt.

    Tierknochen und Scherben

    Die Grabungen hätten aber auch schon im Vorfeld laufen können. In einem solchen Umfeld sind Grabungen keine Überraschung, so Wolff. "An Funden gab es Tierknochen, Scherben aus Keramik, Glas und Metall. Die Funde datieren zurück bis in das 12.Jahrhundert n. Chr.", fasst sie zusammen. Die Dokumentation ist noch in Arbeit.

    Derweil wird bereits die Einrichtung der Baustelle Arkadenbau und Schwesternhaus geplant. Dafür müssen die Erinnerungstafeln des Ehrenhofes umgehängt werden. Sie sollen einstweilen am Westflügel unterkommen. Ein Großteil der Gewerke für diesen zweiten Bauabschnitt war diese Woche vergeben worden. Es gibt bei der weiterhin guten Auslastung des Handwerks "nicht die Flut von Angeboten, aber ein gewisser Vergleich war da", erklärt der Bürgermeister auf Anfrage.

    Absprachen für den zweiten Bauabschnitt: Bürgermeister Peter Juks und Bauleiter Rafal Makulik vom Bauamt der Stadt Ochsenfurt.
    Absprachen für den zweiten Bauabschnitt: Bürgermeister Peter Juks und Bauleiter Rafal Makulik vom Bauamt der Stadt Ochsenfurt. Foto: Antje Roscoe

    Die Baustelle werde von der Mainuferstraße her eingerichtet und ihren Zugang über den Stadtgraben haben, damit die enge Spitalgasse nicht zwei Jahre lang blockiert ist. Die Querung der Stadtmauer in diesem Bereich, die im Zusammenhang mit dem späteren Museum im Raum steht, will Juks  "eher beim Thema Gestaltung des Mainufers" eingeordnet wissen.

    Die neuen Toiletten haben Zugänge von beiden Seiten des Gebäudes und werden derweil bereits nutzbar sein. Das Ziel, 2022 fertig zu werden, stehe weiterhin, ebenso die Investition von 3,3 Millionen Euro. In der Quersumme wird der kalkulierte Kostenbereich bislang gehalten, so Juks.

    "Ich bin nicht pessimistisch, aber es muss machbar sein."
    Bürgermeister Peter Juks zum Museum "Main und Mensch"

    Die konzeptionelle Arbeit für ein Museum Main und Mensch mit dem Ochsenfurter Heimatmuseum läuft parallel weiter. "Das Ziel", so Juks, "ist weiter die Kombination aus Museum, Vereinen und Veranstaltungen im öffentlichen Raum sowie in der Kirche. Die Kirche bleibt außerdem Kirche". Die Studie des Würzburger Kulturbüros FranKonzept zu den Rahmenbedingungen werde im Spätherbst erwartet. Die inhaltliche Zukunft des Spitals sei getrennt von der Sanierung zu sehen, die ohnehin fällig gewesen sei und wozu auch die Finanzierung geklärt sei. Ob und welches Museum umgesetzt werde, sei offen.

    Neben der Investition zur Einrichtung stünden auch die laufenden Kosten. "Aus meiner Sicht ist die Entscheidung erst zu treffen, wenn der finanzielle Überblick da ist und die Zusage über die finanzielle Unterstützung des Freistaates feststeht", sagt er vor allem mit Blick auf die erwarteten Ausfälle bei den Steuereinnahmen durch die Corona-Pandemie. Es sei durch die zwei Jahre Sanierungsphase reichlich Zeit für die Abklärung. Juks: "Ich bin nicht pessimistisch, aber es muss machbar sein". Die Investition sei frühestens 2023 gefragt.

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