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    Würzburg

    Verbrechen in Unterfranken erreichte 2019 historischen Tiefstand

    Wenige Straftaten und eine hohe Aufklärungsrate: Die Polizei zeigt sich zufrieden. Doch Computerkriminalität und Rauschgiftdelikte bereiten den Ermittlern Kopfzerbrechen.
    So wenig Straftaten wie noch nie in Unterfranken: Polizeipräsident Gerhard Kallert und Kriminaldirektor Holger Baumbach stellten die Sicherheitsbilanz 2019 vor.
    So wenig Straftaten wie noch nie in Unterfranken: Polizeipräsident Gerhard Kallert und Kriminaldirektor Holger Baumbach stellten die Sicherheitsbilanz 2019 vor. Foto: Thomas Obermeier

    Einen "historischen Tiefstand" bei den Straftaten in Unterfranken verkündete Polizeipräsident Gerhard Kallert bei einer Pressekonferenz zur Sicherheitsbilanz 2019 am Freitag. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 49.435 Straftaten, im Jahr 2010 waren es noch fast 7000 mehr. Unterfranken liegt damit knapp vor Niederbayern und der Oberpfalz, wo es bayernweit die wenigsten Straftaten gab; die meisten wurden mit 218.325 in Oberbayern gezählt. Insgesamt gab es in Bayern im Jahr 2019 über 600.000 Fälle.

    Die Aufklärungquote der Delikte liege in Unterfranken weiterhin bei über 70 Prozent und damit über dem bayerischen Durchschnitt, berichtete Kallert zufrieden. Damit bleibt diese stabil. Erst im Vorjahr hatte diese Zahl den höchsten Wert in 25 Jahren erreicht. Nicht mit eingerechnet sind dabei ausländerrechtliche Verstöße. "Wenn Verbrechen aufgeklärt werden, wirkt sich das abschreckend aus, reduziert die Wiederholungsgefahr und stärkt das subjektive Sicherheitsgefühl", erklärt Kallert. Deshalb sei die Aufklärungsquote sehr wichtig.

    Die meisten Straftaten gab es in Würzburg

    Im Vergleich der drei kreisfreien Städte in Unterfranken gab es in Würzburg mit 9954 Straftaten wie auch in den Vorjahren die meisten Delikte. In Aschaffenburg waren es 5359 und in Schweinfurt 4722. Gerechnet auf die Bevölkerungszahl liegt jedoch immer noch Schweinfurt vorne in der Kriminalstatistik.

    Während in vielen Bereichen die Zahl der Delikte sinkt, gibt es laut der Polizei Unterfranken einen starken Anstieg der Fallzahlen und Schadenssummen im Bereich der Computerkriminalität. Dabei gehe es insbesondere um Betrug und die Ausspähung von Daten, so Kriminaldirektor Holger Baumbach. "Viele dieser Delikte werden von unbekannten Tätergruppen oder aus dem Ausland begangen."

    Enkeltrick, ausgespähte Daten und angebliche Finanzgeschäfte

    Im Jahr 2010 bearbeitete das Polizeipräsidium Unterfranken noch rund 1500 Anzeigen dieser Art, 2019 waren es über 5000. Als Beispiel nannte Baumbach den Fall eines 33-Jährigen, der sich Zugang zu fremden Bankkonten verschafft haben soll. Die Ermittler konnten Transaktionen von knapp 200.000 Euro verhindern. Bürgern empfiehlt Baumbach daher konsequent zur Polizei gehen, wenn sie den Verdacht haben, Opfer von Betrug geworden zu sein.

    Gerade auch die Anzeigen im Bereich des sogenannten Callcenter-Betrugs entwickeln sich weiter nach oben. "Das ist ein Phänomen, das die Polizei sehr beschäftigt und ein Thema, das vor niemanden halt macht", sagte Baumbach. 2019 gab es 2356 solcher Betrugsversuche in Unterfranken, von denen allerdings nur 142 erfolgreich waren. Die Schadenssumme lag bei 1,2 Millionen Euro. Darunter fällt der klassische "Enkeltrick", bei dem sich Betrüger als Verwandte älterer Menschen ausgeben und Geld fordern. Dazu gehört aber auch die Masche des "Cybertradings". Dabei animieren Täter ihre Opfer dazu, in angebliche Finanzgeschäfte zu investieren. Das geschieht allerdings nicht wirklich – die Betrüger behalten das Geld. 

    Weiterhin konsumieren viele Jugendliche Rauschgift

    Sorgen bereiten der Polizei weiterhin auch Delikte im Zusammenhang mit Rauschgift. 2019 waren es 5449 Fälle. Das sei immerhin das erste Mal seit neun Jahren, das es keine Zunahme in diesem Bereich gebe, berichtete Polizeipräsident Kallert. Die Zahl der jugendlichen Rauschgift-Konsumenten blieb 2019 aber hoch. Bei Drogendelikten lag der Anteil der Tatverdächtigen im Alter zwischen 14 und 18 bei fast 14 Prozent. "Wir müssen sehr intensiv weitermachen mit unseren Präventionsbemühungen", betonte Kallert.

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