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    Würzburg

    Volksbegehren Artenvielfalt: Geht es der Natur nun besser?

    Vor einem Jahr traten die Änderungen im Naturschutzgesetz in Kraft. Doch was hat sich seitdem in der Region getan? Steffen Jodl vom BN zieht eine Zwischenbilanz.
    Ein Jahr nach dem Volksbegehren Artenvielfalt zieht Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg des Bund Naturschutz, eine gemischte Zwischenbilanz.
    Ein Jahr nach dem Volksbegehren Artenvielfalt zieht Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg des Bund Naturschutz, eine gemischte Zwischenbilanz. Foto: Patty Varasano

    Rettet die Bienen! Diesem Aufruf sind im vergangenen Jahr viele Menschen gefolgt. Mehr als 20 Prozent der Wahlberechtigten haben in Stadt und Landkreis Würzburg für das Volksbegehren für mehr Artenschutz unterschrieben. Vor einem Jahr traten die Änderungen im bayerischen Naturschutzgesetz dann in Kraft. Doch was hat sich seitdem in der Region getan? Steffen Jodl ist Diplom-Biologe und Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg des Bund Naturschutz (BN). Im Interview erklärt er, wo die Vorzeige-Stellen im Landkreis liegen und was für die Trendwende noch getan werden muss.

    Frage: Seit einem Jahr gelten nun die durch das Volksbegehren initiierten Änderungen im Naturschutzgesetz. Geht es den Insekten und den bedrohten Arten im Landkreis jetzt besser?

    Steffen Jodl: Dazu gibt es natürlich noch keine Untersuchungen. Nach so kurzer Zeit wäre ein positiver Effekt auch noch gar nicht nachweisbar. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg. Die Pläne müssen nur konsequent weiterverfolgt werden. Wir sind nämlich noch lange nicht dort angekommen, wo wir hinwollen.

    Wo läuft es denn im Landkreis aktuell noch nicht so gut?

    Jodl: Probleme macht zum Beispiel die Bauleitplanung einiger Gemeinden. In Gerbrunn soll für die Erweiterung des Industriegebiets ein bestehender, lokal bedeutsamer Biotopverbund überbaut werden. Es ist mir ein Rätsel, wie man bis 2030 einen Biotopverbund schaffen will, der mindestens 15 Prozent der Offenlandfläche umfasst, wenn man gleichzeitig bereit ist, bestehende Biotopflächen zu opfern. Das gleiche gilt auch für die Flurbereinigung Bieberehren, durch die netto 9,5 Kilometer Grünwege inklusive der Ackerrandstreifen wegfallen sollen.

    Gibt es im Landkreis auch Vorzeige-Stellen, an denen sich mehr getan hat?

    Jodl: Wir haben den Naturwald Irtenberger Wald mit 511 Hektar bekommen. Das ist auch ein Ergebnis des Volksbegehrens. Es heißt ja, dass zehn Prozent der Staatswaldfläche als Naturwald ausgewiesen werden sollen. Dafür haben wir auch lange gekämpft. Positiv ist auch, dass entlang von Straßen und Wegen seltener gemäht wird und die Flächen teils auch über den Winter stehen bleiben können. Das ist für die Überwinterung von Insekten sehr wichtig. Außerdem fällt auf, dass die Gewässerrandstreifen mit fünf Metern Breite entlang von kleineren Fließgewässern zunehmend umgesetzt werden.

    Was muss noch passieren, damit die Trendwende klappt?

    Jodl: Wir brauchen zum einen ein Konzept für den Biotopverbund. Damit er umgesetzt wird und damit auch klar ist, wo er verlaufen soll und welche Flächen integriert werden sollen. Auch viele Streuobstwiesen bekommen noch nicht den Schutz, der vorgesehen ist. Da ist die Politik gefragt. Bisher sind die Hürden dafür nämlich so hoch, dass nur ein ganz kleiner Teil den Schutzstatus bekommt. Der Schutz wurde in diesem Punkt bewusst verwässert. Das ist nicht nachvollziehbar. Dann wäre es gut, wenn die Landwirte die Gewässer- und Ackerrandstreifen erst im Spätsommer mähen würden oder auch erst im zeitigen Frühjahr. Das gilt auch für die Wiesen und Flächen der Kommunen. Nicht sofort wieder runter mähen, sondern stehen lassen – nach Möglichkeit bis in den Herbst oder über den Winter. Das fördert die Artenvielfalt und ist wichtig für die Vogelwelt und die Insekten. 

    Das Volksbegehren ist nicht nur bei Umweltschützern, sondern bei ganz vielen Menschen auf Interesse gestoßen. Was kann denn jeder Einzelne tun, um die Artenvielfalt zu schützen?

    Jodl: Wir würden uns freuen, wenn sich das Interesse auch in den heimischen Gärten wiederfinden würde. Da legen die meisten doch noch viel Wert auf den englischen Rasen und lassen nur wenig Naturnahes zu. Auch die modernen Steingärten sind ein Problem. Allerdings sind mehr als 50 Prozent der Fläche bei uns landwirtschaftliche Nutzfläche und weniger als zwei Prozent Gartenfläche. Die Artenvielfalt müssen wir draußen in der Fläche retten, Hausgärten können dabei aber unterstützen.

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