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    Würzburg

    Wie der neue Würzburger Landrat seine Aufgabe angehen will

    Nach zehn Tagen im Amt wurde Thomas Eberth (CSU) am Montag vereidigt. Dabei kam es fast zum Eklat, weil ein Kreisrat der AfD die Situation für eine Erklärung nutzte.
    Titus Hay (Afd) nahm als ältester Kreisrat dem neuen Landrat Thomas Eberth (CSU) den Amtseid ab. 
    Titus Hay (Afd) nahm als ältester Kreisrat dem neuen Landrat Thomas Eberth (CSU) den Amtseid ab.  Foto: Thomas Obermeier

    Titus Hay (Afd) ist neu im Kreistag. Der Allgemeinarzt aus Neubrunn ist 1949 geboren. Damit war er am Montag in der konstituierenden Sitzung des Kreistages der älteste der 69 anwesenden Kreisräte und hatte die Aufgabe, dem neuen Landrat Thomas Eberth (CSU) den Diensteid abzunehmen. So will es das Gesetz über kommunale Wahlbeamte.

    Kreisräte ließen AfD-Politiker nicht ausreden

    Hay nutzte die Gelegenheit, um ein Video anzusprechen, das AfD-Funktionäre an einem Wahlkampfstand in der Würzburger Innenstadt zeigt. Viele sehen in der Aufnahme den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt, weil in dem Film AfD-Politiker zu Wort kommen, die sich ein "homogenes Volk" wünschen und Juden, Christen und Muslime in Blöcke einteilen. Juden werden in dem Video als ein Block stigmatisiert, der wirtschaftlich und kulturell sehr viel Einfluss habe. Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt und andere haben bei der Staatsanwaltschaft deswegen  Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Der AfD-Kreisvorsitzende ist kurz darauf zurückgetreten. 

    Hay sprach von einer "Fehleinschätzung" des Kreisvorsitzenden. Viel weiter kam er aber nicht mit seinen Äußerungen. Als er ansetzte, über die Scharia zu reden (der Begriff wird im heutigen Sprachgebrauch für islamisches Recht verwendet), wurde es hörbar unruhig im Saal. Verschiedene Kreisräte äußerten ihren Unmut und forderten Hay auf, zur Sache zu sprechen. Prompt unterbrach er dann seine Ausführungen und nahm Eberth den Amtseid ab. 

    Enger Schulterschluss mit der Stadt Würzburg 

    Eberth möchte seine neue Aufgabe "mutig, aber mit Demut" angehen. Schwerpunkt der ersten zehn Tage im Amt sei die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf das öffentliche Leben gewesen. Eberth dankte den Mitarbeitern des Landratsamtes und Kommunalunternehmens, der Rettungsdienste, Hilfsorganisationen und in den Kliniken. "Was hier geleistet wurde, ist sensationell." 

    Der 44-Jährige, der zwölf Jahre die Geschicke der Gemeinde Kürnach als Bürgermeister lenkte, geht optimistisch an seine Aufgabe. Er möchte, dass der Kreistag mehr "öffentliche Achtung und Beachtung" findet und hat sich vorgenommen, sich mit den Kreisräten zu Sitzungen in den Dörfern des Landkreises zu treffen. Auch einen interkommunalen Ausschuss "stadt.land.wü" will Eberth in "engem Schulterschluss" mit der Stadt Würzburg etablieren. Danach vereidigte Eberth 29 neue Kreisräte, die bei der Kommunalwahl in das 70-köpfige Gremium gewählt wurden. 

    Glückwünsche des Regierungspräsidenten

    Regierungspräsident Eugen Ehmann sprach von einem "poltischen Generationenwechsel" an der Landkreisspitze. Durch Corona sei dieser Amtswechsel kein normaler gewesen. Für Eberth ging es von null auf 150 Prozent. "Aber einem erfahrenen Betriebswirt, der zwölf Jahre Bürgermeister einer aufstrebenden Gemeinde war, erschüttert so etwas nicht", sagte Ehmann und wünschte ihm "die kleine Hand voll Glück, die auch ein Landrat mit breiter Erfahrung braucht". 

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