• aktualisiert:

    Würzburg

    Wie unterschiedlich Tanzschulen mit Corona umgehen

    Über 800 Tanzschulen sind in Gefahr - dennoch werden sie bei Öffnungsdiskussionen bislang kaum berücksichtigt. Was sich Tanzschulen von der Politik erhoffen.
    Mit dem Corona-Virus gehen Tanzschulen in der Region unterschiedlich um. Das "ID Dance Studio" in Schweinfurt bietet aktuell Kurse über die Online-Plattform "zoom" an, hofft aber, in naher Zukunft wieder analoge Kurse halten zu können.
    Mit dem Corona-Virus gehen Tanzschulen in der Region unterschiedlich um. Das "ID Dance Studio" in Schweinfurt bietet aktuell Kurse über die Online-Plattform "zoom" an, hofft aber, in naher Zukunft wieder analoge Kurse halten zu können. Foto: Katja Möhring

    "Bordelle werden zurzeit öfter erwähnt als Tanzschulen", sagt Katja Möhring, Inhaberin von "Tanz an!" in Schwebheim und dem "ID Dance Studio" in Schweinfurt. Jammern will sie aber nicht, denn die Politiker hätten aus ihrer Sicht richtig gehandelt. Sie möchte auch keinesfalls, dass Tanzschulen auf Biegen und Brechen geöffnet werden. Doch ihr fehlt die Perspektive, denn es gebe von der Politik bisher keinerlei Informationen zum weiteren Vorgehen.

    Am 12. März hat Möhring ihre Tanzstudios geschlossen. "Viele denken, wir liegen seitdem auf der faulen Haut, aber das ist überhaupt nicht der Fall." Bereits nach wenigen Tagen hat sie ihre Kurse live über Facebook und Instagram gestreamt und dafür extra neue Technik angeschafft. Nach vier Wochen wechselte sie auf die Plattform "zoom". Das habe den Vorteil, dass sie dort die Kursteilnehmer sehen kann.

    Virtuelle Tanzkurse

    Dennoch sei der Online-Unterricht nicht mit dem normalen Betrieb zu vergleichen, ihr Unterrichtskonzept musste sie komplett umstellen. "Du hast keinen direkten gegenüber, kannst die Leute nicht richtig korrigieren und unterhältst dich über Zeichensprache", so Möhring. "Und wir sind alle keine Profis vor der Kamera, sondern Tanzlehrer", beschreibt sie die ungewohnten Auftritte vor laufender Kamera.

    Der "Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband" (ADTV) bewundert, dass viele Tanzschulen kreative Lösungen wie die Online-Kurse gefunden haben, erklärt Pressesprecherin Heidi Schumacher auf Anfrage. Präsenzkurse könnten damit aber nicht ersetzt werden. Die Sorgen vieler Tanzschulen würden zunehmen, über 3000 Arbeitsplätze und 800 Betriebe seien laut dem ADTV bereits jetzt in Gefahr und Existenznöten.

    Enormer Einschnitt für Tanzschulen

    Die Tanzschule Hartung in Würzburg hat sich bewusst gegen Online-Kurse entschieden "Das ist nicht zu vergleichen mit dem Erlebnis Tanzstunde live vor Ort, bei der die Leute direkt verbessert werden können", erklärt Horst Reinhardt, einer der Gesellschafter der Tanzschule Hartung. Er sehe ein, dass Tanzschulen geschlossen wurden, schließlich kämen sich die Leute beim Tanzen zwangsläufig nahe. Er verstehe auch, dass Bayern einen vorsichtigeren Weg geht. Andere Bundesländer hätten es jedoch vorgemacht und Tanzschulen in eingeschränkter Form wieder geöffnet. Reinhardt könne sich vorstellen, dass etwa Paare, die sowieso zusammen leben, wieder an Partnertänzen teilnehmen können. Die Tanzschule verfügt zudem über große Räumlichkeiten, so dass weiträumige Quadratmeterabstände sichergestellt werden könnten.

    "Für uns ist das ein enormer Einschnitt", bestätigt auch Bettina Bäulke von der gleichnamigen Tanzschule in Würzburg. Wie auch die Tanzschule Hartung hat sie Staatshilfen beantragt, bisher aber kein Geld bekommen. Die Schließung kann Bäulke nachvollziehen. Sie möchte keinesfalls, dass andere Menschen gefährdet werden. Vor Virologen und Politikern habe sie großen Respekt. Dennoch hofft sie, dass sie "in kleinen Portionen ab Juni wieder loslegen darf", auch wenn die Gruppen dann verkleinert werden müssten.

    Kultureller Beitrag zur Gesellschaft

    Bäulke ist es wichtig zu betonen, dass Tanzschulen einen kulturellen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Bei ihr tanzen derzeit drei Generationen zwischen 9 und 89 Jahren. Auf Online-Unterricht verzichtet sie, ihre Kurse sollen "so analog wie möglich" sein. Die Tanzschule ist aus ihrer Sicht "ein Ort der Begegnung, ein Ort, an dem sich Freunde treffen". Beim gemeinsamen Tanzen werden die Sinne der Tänzer angeregt, dies könnten Online-Kurse nicht erreichen.

    Das Schlimmste für die Branche ist aktuell die Ungewissheit, wie es weiter geht. Anfang Mai hat der ADTV ein Hygienekonzept und einen Stufenplan für die Schrittweise Wiedereröffnung erarbeitet und an die Politiker gesandt. In dem Schreiben betont Jürgen Ball, Präsident des ADTV, dass Tanzschulen nicht einfach nur der Vergnügung dienen. Sie hätten einen Bildungsauftrag, übernehmen kulturelle Verantwortung und dienen der Gesundheitsprävention. Für ihre Branche wünscht sich Möhring sehnlichst, dass sie in den nächsten Konzepten der Politiker erwähnt wird, "damit Tanzschulen wieder einen Lichtblick haben und ihnen signalisiert wird, dass sie nicht vergessen sind".

    Drei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Würzburg-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!