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    Würzburg

    Wir über uns: Main-Post-Chef Brandstätter über die aktuelle Situation

    Warum die Würzburger Mediengruppe trotz starker Anzeigenrückgänge verhalten optimistisch in die Zukunft blickt und wie wichtig die Arbeit von professionellen Journalisten ist.
    Main-Post-Geschäftsführer David Brandstätter sieht die Zukunft der Mediengruppe keineswegs düster. 
    Main-Post-Geschäftsführer David Brandstätter sieht die Zukunft der Mediengruppe keineswegs düster.  Foto: Michael Kappeler, dpa

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!

    Ohne eine freie, unabhängige Presse wäre die liberale Demokratie zum Scheitern verurteilt. Seriöser Journalismus ist systemrelevant. Gerade in einer Krise wie der Corona-Pandemie zeigt sich einmal mehr, wie wichtig die Arbeit von professionellen Journalisten ist. Der Bedarf an verlässlichen Informationen ist so hoch wie nie. Das liegt auf der Hand. Denn in einer weltweiten Ausnahmesituation, wie wir sie seit Wochen erleben, suchen Sie, liebe Leserinnen und Leser, verständlicherweise nach verlässlichen Informationen von hoher Qualität.

    Darüber hinaus nehmen Medien gleichzeitig ihre Kernaufgabe wahr: die Wächterfunktion gegenüber Politik, Behörden, Justiz und Polizei. Ihr Handeln gilt es stets kritisch zu hinterfragen. In diesem Sinne sind wir Journalisten "Helfer für den Staatsbürger", wie es der ehemalige dpa-Chefredakteur Fritz Sänger einmal formuliert hat. Die überwiegende Mehrheit von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, weiß das zu schätzen. Ihre zahlreichen Zuschriften belegen das – und sie motivieren uns.

    "Leider hat der ,Liebe Gott' bei Ihnen das Hirn vergessen."

    Natürlich ist die Main-Post-Redaktion kein Hort von Perfektionisten. Obwohl wir jeden Tag unter schwierigen Bedingungen (auch unsere Redaktion ist seit 1. Mai in Kurzarbeit) unser Bestes geben, machen wir nicht alles richtig. Wir bedauern das. Und wir bekennen uns öffentlich dazu, stellen Unzutreffendes richtig. Das gehört zu unserem journalistischen Selbstverständnis, nachzulesen in den journalistischen Leitlinien der Mediengruppe Main-Post.

    Dennoch gibt es Leserinnen und Leser, die uns unlautere Absichten unterstellen. Besonders jetzt in der Corona-Krise, wo es in den sozialen Netzwerken nur so vor Fake News und Verschwörungstheorien wimmelt. Mails wie diese sind keine Ausnahme: "Hallo H. Reinhard, jetzt weiß  auch der letzte was Sie für Geistes Kind sind. Leider hat der 'Liebe Gott' bei Ihnen das Hirn vergessen. Möglicherweise verbreiten die sogenannten Verschwörer mehr Wahrheit als das Lügenblatt Mainpost und Ihre Redakteure. Ich gewinne immer mehr den Eindruck, das einzige was in der Mainpost stimmt ist das Datum. Von neutraler Berichterstattung sind Sie Lichtjahre entfernt."

    Ein anderer Leser bezweifelt, "ob Sie mit Ihrem Geschwafel den Lesern positive Impulse für den Tag vermittelt haben". Auch hinsichtlich der angeblichen Beschädigung unseres demokratischen Gemeinwesens stehen wir als Mittäter unter Verdacht: "Sie sind auf alle Fälle mitverantwortlich durch die einseitige gleichgeschaltene Berichterstattung, dass dieses Land einen weiteren enormen Demokratieverlust erleidet, wo die Gewaltenteilung nicht mehr funktioniert."

    „Doch die Wahrheit ist, dass mit diesen zusätzlichen Online-Erlösen die sinkenden Anzeigeneinnahmen und rückläufigen Abonnentenzahlen bei weitem nicht kompensiert werden können.“
    Main-Post-Geschäftsführer David Brandstätter

    Wer das Gefühl hat, dass Medien eine verschworene Gemeinschaft sind, die direkt aus dem Kanzleramt ihre Tagesbefehle erhalten, ist mit Argumenten kaum zu erreichen. Diese leidige Erfahrung machen Redaktionen seit Jahren. Die Soziologin Franziska Schutzbach hat eine plausible Erklärung für diese verbohrte Geisteshaltung: "Menschen, die eine Affinität für Ressentiments haben, werden nach einer Talkrunde mit rechtspopulistischer Beteiligung auch angesichts der besten Gegenargumente keine relevanten Verschiebungen weg von ihren Positionen machen. Sie werden sich vielmehr bestätigt fühlen, weil ihre Vorurteile in der Öffentlichkeit ausgesprochen werden." Freie Meinungsäußerung werde so zu einer Formel, "Minderheiten zu beleidigen, Sexismus okay zu finden, die Gefühle anderer zu verletzen oder auch Grundgesetze und Menschenrechte infrage zu stellen - ohne dafür kritisiert werden zu dürfen", beschreibt die Forscherin ein typisches Kommunikationsmuster von Rechtspopulisten und deren Anhängern.

    Auf einer Rangliste der beliebtesten Unterstellungen rangiert derzeit weit oben die Vermutung, dass die Mediengruppe Main-Post mit ihrem "linksversifften Mainstream-Journalismus" der große Krisengewinner sei. Schließlich könne man überall lesen, dass vor allem die Online-Zugriffszahlen stark gestiegen seien. Es stimmt, dass wir auf mainpost.de seit der Pandemie so viele Userinnen und User zählen wie nie zuvor. "Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir unserem publizistischen Auftrag in digitaler und gedruckter Form Tag für Tag so gut erfüllen", sagt Main Post-Geschäftsführer David Brandstätter. "Doch die Wahrheit ist, dass mit diesen zusätzlichen Erlösen die sinkenden Anzeigeneinnahmen und rückläufigen Abonnentenzahlen bei weitem nicht kompensiert werden können." Er macht keinen Hehl daraus, dass der April mit einem  Rückgang im Anzeigengeschäft um 50 Prozent "ein absoluter Tiefpunkt" gewesen ist. Und die Prognose für den Mai sehe nicht wesentlich besser aus.

    Manche Geschäftsanzeige droht für immer verloren zu gehen

    Brandstätter geht davon aus, "dass wir noch einen langen Atem benötigen werden". Seine Befürchtung: "So manche Rubriken in unserem Anzeigengeschäft werden vermutlich im Jahr 2020 überhaupt nicht mehr auftauchen. Man muss sich ja nur mal die Tatsache vor Augen führen, dass in diesem Jahr wohl kein einziges Weinfest stattfinden kann und Großveranstaltungen wie Africa Festival, Kiliani, Kissinger Sommer etc. abgesagt worden sind. Allein das führt zu einem siebenstelligen Umsatzverlust in den nächsten Monaten." Auch im Bereich Reise-Anzeigen sehe es düster aus. Ganz davon abgesehen, dass es laut David Brandstätter "leider schon erste Anzeichen dafür gibt, manche Geschäftsanzeige ganz zu verlieren, weil Kunden die Corona-Krise wirtschaftlich nicht überstehen".

    Brandstätters Blick in die Zukunft ist dennoch weit entfernt von düsteren Untergangsszenarien: "Die nächsten Monaten werden sicher hart. Aber gemeinsam werden wir Lösungen finden, neue Chancen nutzen und gerade für alle unsere Kunden attraktive Angebote entwickeln. Entlang dieser schrittweisen Entspannung der Krisensituation werden wir auch die Kurzarbeit in unserem Unternehmen anpassen und stückweise zurücknehmen können. So haben unsere Geschäftsstellen seit dieser Woche wieder geöffnet und auch der 'Markt' erscheint unter der Woche wieder", verbreitet der Geschäftsführer vorsichtigen Optimismus.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende voller Zuversicht.

    Herzlichst

    Ihr

    Michael Reinhard

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