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    Würzburg

    Würzburg: Kommt ein Konjunkturprogramm für die Kultur?

    Warum der städtische Fachbereich Kultur eine Umfrage unter Würzburger Kultureinrichtungen und Akteuren gemacht hat - und was dabei herausgekommen ist.
    Der Fachbereich Kultur hat unter anderem das Theater Chambinzky als Institution ausgemacht, die längerfristig hohe finanzielle Unterstützung benötigen wird.
    Der Fachbereich Kultur hat unter anderem das Theater Chambinzky als Institution ausgemacht, die längerfristig hohe finanzielle Unterstützung benötigen wird. Foto: Thomas Obermeier

    "In Würzburg droht wie in anderen Städten ein Club-, Theater-, Kino- und Festivalsterben." Mit diesem Satz aus den Unterlagen für die erste Sitzung des Kulturausschusses der neuen Stadtrats-Wahlperiode lässt sich zusammenfassen, was der städtische Fachbereich Kultur in einer aktuellen Umfrage unter 75 kulturellen Institutionen und Akteuren herausgefunden hat: "Wenn wir unsere Kulturlandschaft retten wollen, besteht akuter Handlungsbedarf", betonte Kathrin Jacobs, die Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur.

    45 der befragten privaten Kultureinrichtungen und Gruppen haben die Fragen bisher beantwortet, und es gibt nicht nur schlechte Nachrichten: 24 von ihnen schildern ihre aktuelle Lage auch mehr als zwei Monate nach Beginn der Corona-Beschränkungen als nicht existenzbedrohend. 16 haben Soforthilfen beantragt, davon haben nur sechs finanzielle Unterstützung von Bund oder Freistaat erhalten.

    Wunsch: Förderung soll nicht gekürzt werden

    Die übrigen 21, vom Improtheater-Festival bis zur Posthalle, sehen sich kurz- oder mittelfristig in ihrer Existenz bedroht, wenn sie keine zusätzlichen finanziellen Hilfen bekommen. Der gemeinsame Wunsch vieler Einrichtungen: Die für dieses Jahr vorgesehene Förderung aus der Stadtkasse soll nicht gekürzt werden. "Viele betonen, dass sie es aus eigener Kraft schaffen wollen. Es gibt aber auch Akteure, die wirklich bedroht sind", so Jacobs.

    Kathrin Jacobs, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur.
    Kathrin Jacobs, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur. Foto: Patty Varasano

    Beispiel Posthalle: Betreiber Joachim Schulz hat 15 000 Euro Soforthilfe vom Freistaat Bayern erhalten, muss sich aber trotzdem bereits in den kommenden Wochen entscheiden, "ob der Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten werden kann". Die Verluste bis Ende Oktober beziffert er auf eine halbe Million Euro, ohne einen Mietkostenzuschuss bis Ende des Jahres in sechsstelliger Höhe "wird es ganz eng", so Schulz.

    Bedarf müsse genau geprüft werden

    Neben der Posthalle hat der Fachbereich Kultur das Central Programmkino, das Theater Chambinzky und das Bockshorn als Institutionen ausgemacht, die längerfristig hohe finanzielle Unterstützung benötigen werden – sei es in Form eines staatlichen Rettungsschirms oder aus der Stadtkasse. Jacobs hat dem Kulturausschuss empfohlen, bei der Verteilung von Hilfen strategisch vorzugehen und den Bedarf genau zu prüfen, "damit das Geld dort ankommt, wo es am dringendsten gebraucht wird."

    Auch das Bockshorn kann unter Corona-Bedingungen mit 40 Zuschauern pro Vorstellung die Gagen der Künstler und weitere Kosten nicht refinanzieren. Das Central Programmkino, das bisher wie die Posthalle keine städtische Unterstützung erhält, geht nach der Öffnung Mitte Juni bei 30-prozentiger Auslastung von mindestens 12 000 Euro Zuschussbedarf pro Monat aus.

    "Gerade im Kultur- und Bildungsbereich sind Investitionen nachhaltig und werden sich bezahlt machen."
    Kathrin Jacobs, Stadt Würzburg

    Jacobs appellierte an den Stadtrat, freiwillige Leistungen nicht zu kürzen und stattdessen ein Konjunkturprogramm zu starten: "Gerade im Kultur- und Bildungsbereich sind Investitionen nachhaltig und werden sich bezahlt machen", betonte die Kulturwissenschaftlerin.

    Zwei ihrer Empfehlungen hat der Kulturausschuss auf Antrag von FDP-Stadtrat Joachim Spatz am Dienstag spontan mit großer Mehrheit befürwortet: Die Verwaltung soll zeitnah klären, ob bereits bewilligte Zuschüsse für kulturelle Institutionen, Festivals und Veranstaltungen zurückgefordert werden müssen, wenn Einrichtungen geschlossen waren oder Projekte nicht durchgeführt werden konnten. Der Beschluss muss noch vom Gesamt-Stadtrat bestätigt werden.

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