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    Fussball: 2. Bundesliga

    1. FC Nürnberg: Die Legende lebt - noch

    Gegen Aue braucht der Club am Freitagabend drei Punkte, sonst wird es bitter. Ein Vorfall nach dem Hinspiel im Erzgebirge sorgt für Extra-Motivation bei den Nürnbergern.
    Maske auf: Nürnbergs Trainer Jens Keller.
    Maske auf: Nürnbergs Trainer Jens Keller. Foto: Axel Heimken

    "Die Legende lebt" wird kurz vor dem Anpfiff eingespielt, es gibt einen Stadionsprecher und auf der Anzeigetafel wird über Zwischenstände vom Parallelspiel zwischen Heidenheim und Wehen informiert. Alles ganz normal, doch im Max-Morlock-Stadion wird es an diesem Freitag (18.30 Uhr) beim ersten Zweitliga-Heimspiel des 1. FC Nürnberg in der Corona-Pandemie gegen Erzgebirge Aue keine zahlenden Zuschauer geben. Im Stadion befinden sich nur rund 300 Personen. Sportlich hat sich die Situation für den Club durch die 0:1-Niederlage auf St. Pauli zugespitzt. Gelingt kein Dreier gegen Aue, droht der Rückfall auf einen Abstiegsplatz und die Durchreichung von der Bundes- in die 3. Liga wird um einiges denkbarer. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Nürnberger Situation.

    Wie beurteilen die Beteiligten die Lage?

    Klare Worte findet Johannes Geis, einer der Nürnberger Schlüsselspieler. "Jetzt zählen nur noch Siege, um unten rauszukommen. Wir dürfen nichts mehr schönreden", sagte der Mittelfeldmann bei Sky. Trainer Jens Keller stellt klar:  "Wir haben in Hamburg ein gutes Spiel gezeigt, aber keine Tore geschossen. Die Mannschaft muss diese Leistung jetzt wieder auf den Platz bringen, Tore machen und drei Punkte holen." Bisher hat der Club nach Sandhausen aber die zweitschlechteste Chancenverwertung der Liga. Keller wird die Mannschaft wieder offensiv ausrichten, warnt aber nach den entscheidenden Fehlern in Hamburg deutlich vor Aues noch besserem Umschaltspiel: "Das müssen wir frühzeitig unterbinden." Sportvorstand Robert Palikuca glaubt den Club mental für den Abstiegskampf gerüstet. "Die Jungs sind sich der Situation sehr bewusst. Von daher mache ich mir keine Sorgen", sagte Palikuca bei BR24Sport.

    "Jetzt zählen nur noch Siege, um unten rauszukommen. Wir dürfen nichts mehr schönreden."
    Johannes Geis, Nürnberger Schlüsselspieler
    Welche Rolle spielen die Erinnerungen an das turbulente Hinspiel in Aue?

    "Kurz vor dem Kabelbrand im Herzschrittmacher" hatte sich Aues Trainer Dirk Schuster gefühlt, bis der 4:3-Sieg seiner Mannschaft im Oktober feststand. Wenigstens einen Punkt hätte der Club mitnehmen müssen, aber Michael Frey scheiterte in der Nachspielzeit mit einem Strafstoß an Aues Torwart und Kapitän Martin Männel. Noch gut im Gedächtnis ist den Nürnberger Spielern der Vorwurf, den Männel nach dem Spiel erhob. Er sprach von überheblichem Benehmen der Club-Profis im Mannschaftshotel. Nach einem Dementi aus der Nürnberger Herberge zog Männel die Behauptung wieder zurück. Aber der Vorgang wird am Freitagabend für einen Schuss Nürnberger Extramotivation sorgen.  Man habe die "unschönen Szenen", wie der damals noch nicht beim FCN tätige Trainer Keller sagt, in die Vorbereitung "schon mit einbezogen". 

    Wie sieht es personell beim Club aus?

    Keller dürfte die Startaufstellung maximal auf drei Positionen verändern. Im Tor steht Felix Dornebusch, der den nach seiner Roten Karte für ein Spiel gesperrten Christian Mathenia vertritt und an seine bisher meist guten Leistungen knüpfen sollte. Sorgen bereitet Georg Margreitter, der in Hamburg den Ball ins Gesicht bekam und seitdem über Schwindelgefühle klagt. Lukas Mühl, Asger Sörensen oder Patrick Erras könnten den Innenverteidiger vertreten. Im Sturmzentrum muss sich Keller zwischen Adam Zrelak, der in Hamburg den Vorzug bekam, und Michael Frey entscheiden. Wieder einsatzfähig wären Sebastian Kerk und Felix Lohkemper. Torwart Andreas Lukse, Enrico Valentini und Iuri Medeiros fehlen weiterhin.

    Wie ist der Gegner drauf?

    Aue hat sein erstes Spiel nach der Zwangspause gewonnen. Beim 3:1 gegen Sandhausen waren die Erzgebirgler nach einem harten Blitz-Platzverweis für Gäste-Kapitän Diekmeier ganze 86 Minuten in Überzahl, das erleichterte die Aufgabe. Mit einem Sieg in Nürnberg könnte der Tabellensechste bereits die 40-Punkte-Marke erreichen und wäre frühzeitig gesichert. "Das wäre toll", sagt Trainer Dirk Schuster, der personell aus dem Vollen schöpfen kann. Aue daheim und Aue auf Reisen - das sind bisher aber zwei Welten. Die Veilchen stellen zusammen mit Dresden das schwächste Auswärtsteam der Liga. Den einzigen Sieg in der Fremde gab es zum Saisonauftakt in Fürth, dann folgten vier Remis und acht Niederlagen.

    Wie sieht das Club-Restprogramm aus?

    Von leichten und schweren Gegnern zu reden, ist in dieser Situation müssig. Acht Spiele stehen noch aus, vier im Max-Morlock-Stadion und vier auswärts. Elf Punkte braucht Nürnberg noch, um die meist für den Klassenerhalt ausreichenden 40 Zähler zu erreichen. Die Partie gegen Aue ist der Auftakt zu einer von zwei englischen Wochen. Kommenden Dienstag gastiert der FCN in Regensburg, Samstag in einer Woche kommt dann Bochum nach Franken. Tabellenführer Bielefeld (A), Greuther Fürth (H) - das Frankenderby wurde diese Woche für Samstag, 13. Juni (13 Uhr) angesetzt -, Wehen (A), Stuttgart (H) und Kiel (A) sind die letzten Gegner.

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